Bei ihrem neuerlichen Versuch, den K2 zu bezwingen, hat es Gerlinde Kaltenbrunner bisher auf 7.250 Meter geschafft
"Die Stimmung im Team ist nach fast 40 Tagen unterwegs sein, sehr gut und
positiv", berichtet Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner auf ihrer Homepage über den aktuellen Versuch, den 8.611 Meter
hohen K2 an der Grenze zwischen Pakistan und China zu besteigen. Bis es ganz nach oben gehen kann, wird jedoch noch einige Zeit verstreichen, gilt es doch zunächst die vier Lager einzurichten und all das für den Aufstieg benötigte Material ebendorthin zu schleppen und die Routen zu versichern. Nach fünf Tagen und vier Nächten am Berg sind die Expeditions-Teilnehmer nach vollbrachter Arbeit einmal mehr "müde aber vor allem auch sehr zufrieden" wieder in ihr Basislager zurückgekehrt.
Am 19. Juli war man von eben dort mit der Hoffnung auf mehrtägig gutes Wetter aufgebrochen, doch es kam ganz anders. Schneefall und starker Nebel erschwerten den Aufstieg, fast 30 cm Neuschnee und mehrere zum Glück glimpflich verlaufene Spaltenstürze ließen die Gruppe an ihrem Vorhaben, den Platz für Lager III zu erreichen, zweifeln.
Doch am nächsten Tag fanden Kaltenbrunner und Co wesentlich bessere Verhältnisse vor und so startete man bereits um 5:30 Uhr. "Das Einstiegscouloir, durch das Nachts noch eine Lawine heruntergesaust war, hatte ordentliche Eisverhältnisse. Am Firngrat dann wieder sehr, sehr anstrengende Tiefschneeverhältnisse - zum Teil mit Harschdeckel, was die Spurarbeit sehr anstrengend machte. Da wir dies erwartet hatten, beschlossen wir an diesem Tag nur bis zur Felsschulter aufzusteigen, wo sich die anderen auf sehr engem Raum zwei Plattformen für ihre Zelte eingerichtet hatten. Wir deponierten dort die mitgebrachten Seile und während die anderen vier am Nachmittag die Seile noch ein Stück weiter nach oben brachten, seilten wir uns wieder ins Lager 1 ab", berichtet Kaltenbrunner via Homepage.
Am folgenden Tag stieg man bei erneut schweren Bedingungen - Neuschnee und Wind machten das Spuren zur Herausforderung - mit Seilnachschub in Richtung Lager II auf, wo schon vor einer Woche Material deponiert wurde. Nach elf Stunden erreichte die Gruppe das in 6.600 Metern Höhe befindliche Lager. Das unbeständige Wetter mit Wind und Schneefall setzte den Alpinisten allerdings einigermaßen zu.
Auf dem Weg zu Lager III
Auch am nächsten Tag zeigte sich das Wetter nicht gerade von seiner schönsten Seite. "Dennoch wollten Vassiliy, Ralf und ich aufbrechen, um die Route Richtung Lager III zu eröffnen. Maxut, Darek und Tommy stiegen etwa 300 Höhenmeter ab. Die am Tag zuvor deponierten Seile mussten nach oben gebracht werden, während wir uns an den weiteren Aufstieg machten. Bei wenig Sicht arbeiteten wir uns am Grat entlang höher. Zwischendurch klarte es immer wieder auf und Sturmböen füllten die getretene Spur in Minutenschnelle wieder mit Triebschnee zu. Im felsdurchsetzten Gelände kamen wir etwas schneller voran. Maxut, Ralf und Darek deponierten die mitgebrachten Seile auf ca. 7.000 Meter, während Vassiliy und ich noch bis zu unserem geplanten Lager III auf ca. 7.250 m die Route versicherten", berichtet Kaltenbrunner von den aktuellen Aufgaben.
Überlegungen, am nächsten Morgen wieder zum Lager III aufzusteigen und nach Übernachtung an der Route Richtung Lager IV zu arbeiten, von wo aus die Gipfelbesteigung in Angriff genommen wird, wurden wegen Wind und Schneefall in der Nacht wieder verworfen. Stattdessen machte man sich "mit sehr viel Zufriedenheit über das bisher Erreichte" an den Abstieg. Eine abgehende Lawine gefährdete weder Lager I noch die Aufstiegsspur eben dorthin.
Abseits der Mühen am Berg findet sich jedoch auch hie und da ein Moment zum Genießen. "Beim Hinauslaufen über den K2-Gletscher entdeckten wir zwischen den Eistürmen noch einen traumhaft gelegenen, kleinen See, der uns schon ans Deep-Water-Soloing mit Eisgeräten und Badehose denken ließ. Wenn denn die Wassertemperatur nicht knapp über dem Gefrierpunkt liegen würde. Eine Stunde später saßen wir bei heißer Nudelsuppe in unserem Mannschaftszelt, wo wir von Abdul, unserem uigurischen Koch, bestens versorgt werden."
Der in Innsbruck beheimatete Wetterfrosch Charly Gabl hat für die nächsten Tage starken Sturm prognostiziert. "Diese Zeit werden wir zur bestmöglichen Regeneration mit viel Essen und Lesen nutzen", so Kaltenbrunner, die heuer bereits ihren siebenten Versuch startet, den zweithöchsten Berg der Welt zu bezwingen. (hon, derStandard.at. 26. Juli 2011)