Musikcamps, preisgünstige Eintrittskarten und aktive Nachwuchsförderung sollen die Salzburger Festspiele ein Stück weit verjüngen
Politiker mit Sektgläsern in den Händen, wohlhabende Damen in vornehmen Abendroben, Aufführungen berühmter Opern, Glanz und Glamour wohin das Auge reicht. Die Salzburger Festspiele haben nicht gerade den Ruf, auch Kindern und Jugendlichen eine kulturelle Plattform zu bieten.
Das soll sich ändern. In Zukunft sollen Nachwuchskünstler gefördert sowie ein junges Publikum herangezogen werden. Schon seit 2008 wird ein Schwerpunkt auf die Arbeit mit und für die junge Generation gelegt. "Alle klagen, dass Elternhaus und Schule bei der Erziehung der Jugend zur Kunst zunehmend versagen. Viele bedauern, dass nur noch das Event zählt. Manche verzagen, weil die sogenannte Hochkultur mit ihrem Publikum zu altern scheint", heißt es vonseiten der Festspiele.
Kinderchor
Vor drei Jahren wurde daher ein eigener Kinderchor gegründet, der bereits mit großen Orchestern aufgetreten ist. Im Oktober 2010 fusionierte der Chor mit jenem des Salzburger Landestheaters. Beitreten können junge Musikbegeisterte ab acht Jahren bis zum Teenager-Alter, der Konzertchor umfasst insgesamt 90 Sänger. Einmal pro Jahr treten diese beim "Konzert für Kinder" auf, darüber hinaus gibt es immer wieder Gelegenheiten, während der Festspielzeit mit Musikergrößen wie Riccardo Muti auf der Bühne zu stehen.
Wettbewerbe für junge Musiker
Die Rekrutierung von Nachwuchs basiert darüber hinaus auf unterschiedlichen "Young"-Projekten. Beim "Young Singers Project" werden junge Sänger bei internationalen Vorsingen ausgewählt und erhalten ein Stipendium, um in Salzburg unter anderem Proben zu besuchen und öffentliche Meisterklassen zu absolvieren. In einem Abschlusskonzert stellen sich die jungen Sänger dem Publikum vor und sind so zum ersten Mal Teil der Festspiele.
Aber nicht nur Sänger, auch junge Dirigenten sollen gefördert werden: Der "Young Conductors Award" ist ein Wettbewerb für Nachwuchsdirigenten, der mit 15.000 Euro dotierte Preis wird heuer zum zweiten Mal vergeben. Der Gewinner dirigiert außerdem das Gustav Mahler Jugendorchester im Rahmen der Salzburger Festspiele. Im Vorjahr ging der Preis an den deutschen Dirigenten David Afkham.
Chance für Jung-Regisseure
Schon etwas länger, seit 2002, wird alljährlich das "Young Directors Project" veranstaltet. Dabei können sich junge, internationale Theaterregisseure und ihre Ensembles unter Beweis stellen. Heuer stammen die Teilnehmer aus den USA, Dänemark, Schweden, Großbritannien und Belgien. Die Jury besteht aus Klaus-Maria Brandauer, Birgit Minichmayr, Andrea Schurian, Thaddäus Ropac und Helga Rabl-Stadler.
Musikcamps für Kinder und Jugendliche
Für junge Opern-Interessierte werden in Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern Musikcamps angeboten. Die Kinder und Jugendlichen sollen sehen, was sich hinter den Kulissen einer Oper verbirgt und entwickeln gemeinsam mit Experten eine eigene Oper, die unter Mitwirkung von Mitgliedern der Wiener Philharmoniker aufgeführt wird. Für Kinder aus einkommensschwachen Familien ist ein Stipendium vorgesehen.
Stark reduzierte Tickets
Zu guter Letzt soll neues Publikum auch durch vergünstigte Jugendabonnements angezogen werden. Pro Festspielsaison werden 3.000 Karten für Opern, Theater und Konzerte mit einer Ermäßigung von bis zu 90 Prozent für Gäste unter 27 Jahren reserviert. (mak, derStandard.at, 29. August 2011)