COPD-Diagnose häufig falsch

26. Juli 2011, 13:24

Atemwegsverengung oft nur ein Begleitphänomen der Herzinsuffizienz

Die Herzschwäche und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) treten häufig bei älteren Menschen auf. Ihr gemeinsamer Risikofaktor ist das Rauchen, ihr gemeinsames Leitsymptom die Atemnot.

„Weil beide Erkrankungen gegensätzliche Therapiekonzepte erfordern, ist die korrekte Diagnose einer COPD als zusätzliche Erkrankung bei Herzschwächepatienten besonders wichtig", sagt Susanne Brenner. Mehrere Untersuchungen haben gezeigt: Die Standardtherapie einer COPD kann eine Herzschwäche negativ beeinflussen und Beschwerden verstärken.

Studie mit 630 Patienten

In einer Studie am Würzburger Uniklinikum wurde bei 630 Patienten mit chronischer Herzschwäche ermittelt, ob auch eine COPD-Diagnose vorliegt. Bei allen Patienten wurde schließlich die Lungenfunktion ambulant und bei 277 von ihnen zusätzlich während eines Krankenhausaufenthaltes untersucht. Dabei wurde bei fast 70 Prozent der Fälle eine vorliegende COPD-Diagnose nicht bestätigt.

Akut herzschwache Patienten, die wegen Wasseransammlungen im Gewebe und in der Lunge im Krankenhaus waren, litten zwar oft an einer Atemwegsverengung wie bei der COPD. „Die Verengung verschwand aber durch entwässernde Medikamente in der Hälfte aller Fälle wieder", so Susanne Brenner.

Ihr Fazit: „Die Atemwegsverengung ist häufig ein vorübergehendes Begleitphänomen der Herzschwäche, ohne dass eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung vorliegt. Zur korrekten Diagnose einer COPD bei Herzschwäche sind darum, nach einer ausreichenden Entwässerungstherapie, wiederholte und spezielle Lungenfunktionsprüfungen erforderlich."

Ausgezeichnet von der Deutschen Herzstiftung

Weil die Arbeit von Susanne Brenner die Diagnostik bei Herzschwäche verbessern hilft, wurde sie von der Deutschen Herzstiftung mit dem Wilhelm-P.-Winterstein-Preis 2011 ausgezeichnet. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert; die gleiche Summe erhielt als weiterer Preisträger Sebastian J. Buß vom Universitätsklinikum Heidelberg.

„Beide Forschungsarbeiten zeichnen sich durch einen direkten klinischen Bezug aus. Sie liefern Erkenntnisse, die wichtig für die richtige Behandlung schwerwiegender und seltener Herzerkrankungen sind", so Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, bei der Verleihung der Preise im Juni in Frankfurt am Main. (red)

Unverantwortliche Profitgier

Mit der COPD wird viel Geld verdient, die Medikamente sind sauteuer. Ein ähnliches Problem gibts bei der Diagnose diabetische Nephropathie: da bekommt jeder Diabetiker, der aus irgendeinem Grund eine Mikroalbuminurie aufweist, einen ACE-Hemmer oder überhaupt einen AT-Blocker, obwohl:
1. die keinen blutdruckunabhängigen nephroprotektiven Effekt haben (Lancet 2005 Dec 10;366(9502):2026-33.
Effect of inhibitors of the renin-angiotensin system and other antihypertensive drugs on renal outcomes: systematic review and meta-analysis.
Casas JP, Chua W, Loukogeorgakis S, Vallance P, Smeeth L, Hingorani AD, MacAllister RJ)

und 2. man die Mikroangiopathie bei einer Augenhintergrundspiegelung direkt sehen könnte!

da wird mir der zusammenhang der raucherhetze mit den interessen der pharmaindustrie plötzlich gewärtig.

die copd ist vor allem eine klinische diagnose und kann nicht an einzelnen parametern oder einer lungenfunktionsprüfung festgemacht werden.

Deshalb wird auch jedem bladen Österreicher, sofern er raucht, eine COPD unterstellt.

Nicht wirklich richtig.

Die COPD kann sehr wohl "eindeutig" identifiziert werden und zwar indem Sputum gewonnen wird und dort genau geschaut wird, welche Zellen bei dieser Entzündung beteiligt sind. Die Lungenwerte sind lediglich ein Hinweis auf einen Vorgang und dienen der Verlaufskontrolle. Aber auch schon nicht mehr und nicht weniger.
Von daher wäre nur folgender Weg für eine Diagnose geeignet: 1. Lungenfunktionstest --> fällt dieser schlecht aus, dann als 2. Schritt eine Sputumkontrolle und Ausschlussdiagnose ob Probleme mit dem Herzen vorliegen.

Das Problem in Öst. ist, dass man hierzulande bei Lungenkrankheiten schon an der Diagnose scheitert. Das Herz interessiert nur wenige Lungenfachärzte und eine eigentlich nötige Sputumkontrolle hat Seltenheitswert.

woher haben sie diese weisheit? ich halte das für völligen unsinn. eine sputumdiagnostik ist siher nicht zur diagnosestellung einer copd hilfreich. aber sie können mich gern auf diesbezügliche studien hinweisen:-)

ansonsten siehe:
http://www.pneumologie.de/fileadmin... df?cntmark

Woher ich das habe, aus einer Studie, habe mir das also

nicht selber aus den Fingern gesogen. Ging damals darum ob man COPD und Asthma eindeutig voneinander unterscheiden kann, da oftmals die Lungenfunktionstests keine eindeutige Unterscheidung zulassen (weiß ich aus meiner eigenen Gesundheitslaufbahn). Bei beiden findet ja eine Entzündung in der Lunge statt. An dieser sind ganz spezielle Zellen (in einem speziellen Verhältnis) beteiligt. Und das kann man eben messen.

es ging bei der o.g. diskussion aber nicht um die differenzierung zwischen asthma und copd, sondern generell um die diagnosesicherung der copd. und die ist durch eine sputumdiagnostik nicht möglich. und auch die differenzierung zwischen asthma und copd bedarf üblicherweise keiner sputumdiagnostik.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.