Einmal die volle Spülung bitte

Blog26. Juli 2011, 10:15
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Der Umstieg von Fest- auf Flüssignahrung ist ein recht vehementer

Das Faszinierende an dieser Fastenkur ist, dass ich wirklich noch immer kein Hungergefühl habe. Dabei habe ich in den vergangenen 44 Stunden nur vier Schalen abgeseihte Gemüsesuppe und einen Fruchtdrink (aus Apfel, Birne, Kiwi, Orange, Zucchini) konsumiert. Der Grund dafür soll vor allem am Glaubersalz liegen - einem etwas seifig schmeckenden Mineralsalz aus Natriumsulfat, das es aufgelöst in heißem Wasser am Montagmorgen zum Frühstück gab. 

Der Effekt des "Glauberns": Es strömen große Mengen Wasser in den Dickdarm, wodurch sich dieser dehnt und je nach Organismus mit einigen heftigen Kontraktionen mehrmals entleert. Ohne jetzt auf Details einzugehen, fühlt sich das wie Montezumas größte Rache an. Aber es ist ein Befreiungsschlag, den man sich ruhig einmal vergönnen sollte, auch wenn man sich danach ein wenig groggy fühlt.

Fasten ist keine Diät

Jedenfalls hat das Glaubersalz die Umstellung von fester auf flüssige Nahrung erleichtert. Kein Grummeln und kein Knurren im Bauchraum, keine Halbohnmacht vor lauter Leere im Magen. Wobei Kursleiterin Ingrid Höfinger immer wieder daraufhin weist, dass Fasten nicht für Hungern oder eine Diät stehen soll, sondern für das bewusste Zurücknehmen in mehrerlei Hinsicht: "Es geht darum, sich Zeit zu schenken und Ruhe vom Alltagsstress zu gönnen. Es ist eine Chance, sich völlig auf sich selbst zu besinnen." 

Genau dieses "Abstandgewinnen und Entschleunigen" war auch in der Vorstellungsrunde der 13 Fastenden immer wieder als Motivation für die Teilnahme genannt worden. Natürlich will auch jede und jeder einzelne ein paar Deka in Pernegg lassen - aber in Summe scheint es tatsächlich mehr um Gesundheit als um Schönheit zu gehen. Das sieht auch Kursleiterin Höfinger so: "Der Fastende verzichtet auf feste Nahrung, um den Körper von abgelagerten Stoffwechselprodukten zu entlasten. Vorhandene Körperreserven werden mobilisiert und das Wohlbefinden insgesamt wird gesteigert."

Damit der Organismus in dieser Reduktionsphase aber nicht schlapp macht und ein komplettes Schonprogramm fährt, sind viel Trinken (Wasser und verschiedene Tees) und ausreichend Bewegung an der frischen Luft nötig. Letzteres aber mit Maß und Ziel, weil der Blutzuckerspiegel niedrig ist, was wiederum den Kreislauf aus der Bahn werfen kann. Übrigens: Rauchfrei bin ich auch noch - und täglich nimmt die Gier danach ab. (Martin Obermayr, derStandard.at, 26.7.2011)

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    foto: derstandard.at/martin obermayr
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