Nachfrage nach iPads und iPhones wird zum Teil mit unkonventionellen Methoden gedeckt
In einem der stark besuchten Märkte mitten in Shenzen diskutiert der Ladenbesitzer mit einem zigarettenrauchenden Kunden über den Preis der Ware. Es geht dabei nicht um eine gefälschte Rollex oder eine nachgemachte Luxushandtasche, sondern um iPads und iPhones. Frische Schmuggelware aus der Freihandelszone Hongkong.
Echte Ware aus der Bauchtasche
"Die sind garantiert echt. Wir haben sie gerade erst aus jemandes Bauchtasche erhalten", sagt der Verkäufer mit dem Nachnamen Xu, während der Kunde mit einem dicken Bündel Geldscheine sein starkes Interesse bekundet, ein Dutzend iPhone 4 kaufen zu wollen. Xus Geschäft mit seinen bescheidenen Glasvitrinen ist weniger als ein müder Abklatsch der durchgestylten Apple Stores. Doch iPhones und iPads verkaufen sich hier aufgrund der Diskontpreise wie Baozis (Dampfnudeln) an den Snackständen.
Stautssymbol
Apple-Geräte sind in China zu einem Statussymbol geworden. Um der unstillbaren Nachfrage zu begegnen, bedienen sich Geschäftsleute wie Xu illegal aus Hongkong eingeführter Geräte. Die Währung der ehemaligen britischen Kronkolonie ist schwächer als der Yuan, Zollgebühren so gut wie nicht vorhanden. Xu und andere seiner Kollegen wissen den Preisunterschied von Apple Produkten in Hongkong und China für sich zu nutzen. Zum Beispiel kostet ein iPad2 in einem autorisierten Apple-Geschäft in Hongkong 3888 Hongkong-Dollar, das sind etwa 3215 Yuan (rund 347 Euro). Der offizielle Preis in China beträgt hingegen 3688 Yuan (rund 398 Euro). Die Straßenhändler verlangen einen Preis dazwischen.
Garantie
Natürlich fragen Kunden von Xu auch immer wieder danach, wie es sich mit Garantie und Wartung der Geräte verhält. "Wir sagen ihnen dann, dass sie sich keine Sorgen zu machen bräuchten. Schließlich sind das ja echte Apple-Produkte und nicht fehleranfällig", sagt Xu.
Gefälschte Shops
Nicht nur mit dem Verkauf und Kauf geschmuggelter Tablets und Smartphones gehen manche Chinesen mitunter nonchalant um. In großen Städten sprießen Geschäfte aus dem Boden, die bis auf wenige Details den echten Apple Stores gleichen (der WebStandard berichtete) - aber offenbar keine Lizenz des US-Konzerns haben. Allein in der Stadt Kunming im Südwesten des Landes sichtete in der Vorwoche eine US-Bloggerin drei davon, ihr Bericht machte die Runde und rief die Behörden auf den Plan. Zwei davon wurden jetzt geschlossen. Berichten zufolge nicht, weil sie Apples Markenrecht verletzt hätten, sondern weil ihnen eine Betriebsgenehmigung seitens der chinesischen Behörden gefehlt habe. (Reuters, kat/ DER STANDARD Printausgabe, 26. Juli 2011)