"Die FPÖ unter Strache ist brutaler geworden"

Interview25. Juli 2011, 18:25
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Integrationsstaatssekretär Kurz sieht bei den Freiheitlichen mehr „hassgeladenen Pauschalangriffe" als bei anderen Parteien - Diese Hetze schaffe Vorurteile und ein feindseliges Klima

Standard: Extremismus-Forscher Hajo Funke hat im Standard-Interview gesagt, Rechtspopulisten schaffen durch ihre Agitation ein Milieu, das die Hemmschwelle für Taten wie in Oslo herabsetzen kann. Sehen Sie das ähnlich?

Kurz: Es ist klar: Jede Form von Hetze schürt Hass und Vorurteile. Es leistet keinen Beitrag dazu, solche Taten zu verhindern. Damit kann die Bereitschaft im Kopf für den nächsten Schritt steigen.

Standard: Wenn etwa Heinz-Christian Strache in Reden gegen Muslime hetzt? 

Kurz: Ja. Ich meine damit alle, die Hetze betreiben. Ich glaube, dass in Österreich immer wieder in verschiedenen Bereichen feindseliges Klima herrscht. Das ist etwas Bedenkliches. Hetze ist immer schlecht - gleich, ob sie in der Moschee oder im Bierzelt stattfindet.

Standard: Strache schafft ein Klima, dass sich Islamhass in der Gesellschaft festsetzt?

Kurz: Ich finde es problematisch, wenn man Religionen per se verurteilt. Man darf keine gesellschaftliche Gruppe, keine Religion als Ganzes verurteilen, sondern nur die Person die etwa Religion missbraucht. Und hassgeladene Pauschalangriffe gibt es von der FPÖ häufiger als von anderen Parteien. Die FPÖ unter Strache ist da definitiv brutaler geworden.

Standard: Pummerin statt Muezzin?

Kurz: Ist ein Beispiel dafür, ja.

Standard: Machen Ihnen solche Aussagen den Job als Integrationsstaatssekretär schwerer?

Kurz: Wenn man versucht, alle gegeneinander aufzuhetzen und Vorurteile zu verbreiten, wird das Zusammenleben unterschiedlicher Religionen sicher nicht einfacher. Das ist schon klar.

Standard: ÖVP-Chef Spindelegger ruft zum „verbalen Abrüsten" auf.

Kurz: Damit hat er recht. Unser Ziel muss es sein, in einer offenen und vielfältigen Gesellschaft zu leben. Es braucht Respekt gegenüber anderen Menschen.

Standard: Es wäre die Aufgabe der anderen Parteien, diesem Klima der Angst entgegenzutreten.

Kurz: Alles schönzureden bringt nichts, aber Hass kann nur dann geschürt werden, wenn es eine Grundaufmerksamkeit gibt, die entsteht, weil es in bestimmten Bereichen wirkliche Probleme gibt. Die gehören angesprochen. Aber nicht mit dem Ziel, eine Welle der Angst durch das Land rollen zu lassen, sondern mit dem Ziel, diese Probleme zu lösen.

Standard: Kann Sicherheitsbestimmungen zu verschärfen der richtige Weg sein?

Kurz: Zu sagen, alles sei eitel Wonne, ist der falsche Weg. Terrorbekämpfung ist richtig, Hetze falsch.(Saskia Jungnikl, DER STANDARD; Printausgabe, 26.7.2011)

SEBASTIAN KURZ (24) ist seit 2011 Integrationsstaatssekretär. Im Juni legte er einen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung von Integration vor. Seit 2009 ist er Obmann der Jungen ÖVP.

  • Sebastian Kurz: "Ich glaube, dass in Österreich immer wieder in verschiedenen Bereichen 
feindseliges Klima herrscht."
    foto: der standard/corn

    Sebastian Kurz: "Ich glaube, dass in Österreich immer wieder in verschiedenen Bereichen feindseliges Klima herrscht."

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