Forscher sieht bisherige Warnungen als übertrieben an, plädiert aber für Maßnahmen zum Schutz des Riffes
Sydney - Das größte Korallenriff der Welt vor der australischen
Ostküste wird nach einer neuen Studie nicht so schnell verschwinden wie bisher
befürchtet. Warnungen, das Great Barrier Reef könne durch den Klimawandel
innerhalb der nächsten 20 bis 30 Jahre absterben, seien übertrieben, meinte Sean
Connolly von der James Cook Universität am Wochenende.
"Es wird anders aussehen, es wird schlechter dastehen als heute, aber es wird
nicht innerhalb von 20 bis 30 Jahren verschwinden", sagte Connolly in einem
Interview mit der Zeitung "The Australian" (Samstag-Ausgabe). Die Korallen
könnten sich besser an Temperaturschwankungen anpassen als viele Forscher
annehmen, schließt er unter anderem aus Analysen der vergangenen Erdzeitalter.
Ähnliche Schlussfolgerung
Seine Schlussfolgerung ähnelt jedoch der anderer Wissenschaftler: Wenn die
Treibhausgasemissionen reduziert und der Klimawandel verlangsamt werde, könnten
auch weitere Schäden am Great Barrier Reef verhindert werden.
Außerdem solle das Gebiet vor lokaler Verschmutzung geschützt und nicht
überfischt werden. Dann habe es auch eine größere Chance, den steigenden
Temperaturen und der zunehmenden Meeresversauerung zu widerstehen, schreiben
Connolly und Kollegen in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals "Science". Auch
das ist eine weit verbreitete Forderung.
Warnungen
Zwei bekannte Korallen-Experten hatten in diesem Jahr Alarm geschlagen. Ove
Hoegh-Guldberg vom Zentrum für Meeresforschung an der Queensland University
sieht keine Chance für das Great Barrier Reef, wenn die Emissionen nicht
innerhalb der nächsten zehn Jahre massiv reduziert werden. Auch Ray Berkelmans,
der die Korallenbleiche untersucht, warnt, dass die Korallen bis 2025
abgestorben sein könnten, wenn die Wassertemperaturen weiter steigen.
Korallen sind Tiere, die eine Symbiose mit Algen eingehen. Wenn das Wasser zu
warm wird, trennen sich die beiden. Übrig bleiben die weißen Korallenstöcke - deshalb sprechen Experten von Korallenbleiche. Das Great Barrier Reef zieht sich
über eine Länge von rund 2.600 Kilometern entlang der Nordostküste Australiens
bis nach Papua-Neuguinea. Es lockt jedes Jahr zwei Millionen Touristen an. (APA)