Immer mehr Somalier auf der Flucht

25. Juli 2011, 15:23
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Die Situation in den Flüchtlingslagern in Kenia und Äthiopien spitzt sich zu

Addis Abeba/Nairobi - Die Dürre am Horn von Afrika hat zur schlimmsten Hungersnot seit 60 Jahren geführt. Laut UN-Angaben haben in Ostafrika rund zwölf Millionen Menschen nichts zu essen. Zehntausende sind bereits gestorben. Hunderttausende Menschen sind bereits aus Somalia in die Nachbarländer Kenia und Äthiopien geflohen. Die beiden Länder sind ebenfalls von der Katastrophe betroffen.

Die Hungerkatastrophe am Horn von Afrika

"Wenn die Kamele sterben, dann ist es aus", erzählt ein Viehbauer aus dem Norden Kenias Andreas Zinggl, Katastrophenhelfer der Caritas. Da die Weideflächen nichts mehr hergeben, sind seine Kühe, Schafe und Ziegen zum Großteil verendet. Jetzt, da auch die Kamele sterben, hat der Bauer nur noch wenig Hoffnung: Denn mit einem Kamel, das Milch gibt kann man viele Wochen ohne einen Tropfen Wasser und ohne Nahrung überleben.

Auch in Äthiopien sei die Lage laut Berichten Zinggls dramatisch: Die lange Dürre und die folgenden sintflutartigen Regenfälle ließen dort die Landwirtschaft zusammenbrechen. "Zuerst wird das Vieh verkauft, dann wird das Saatgut gegessen und am Schluss versuchen die Familienväter ihr Glück in der nächsten Stadt und lassen ihre Familie zurück. Das ist dann das Ende", erzählt Pater Temesgen.

Die Flüchtlingslager sind überfüllt

Der Flüchtlingsstrom aus Somalia in die Nachbarländer Äthiopien und Kenia hält weiterhin an. Die Lager sind in beiden Ländern völlig überfüllt. Immer wieder werden Todesfälle aus den Camps gemeldet. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) kommen in den Camps Dadaab in Kenia nach wie vor täglich 1.5000 Flüchtlinge an. Seit Beginn dieses Jahres sind 100.000 Somalis nach Kenia geflohen. Insgesamt sind im größten Flüchtlingslager der Welt 400.000 Menschen untergebracht.

Ein weiteres Camp in Kenia

Ein weiteres Camp in unmittelbarer Nähe zu Dadaab ist bereits fertiggestellt. Jetzt wartet man darauf, dass die kenianische Regierung das Hilfslager freigibt. "Da Kenia selbst ein armes Land ist macht sich die kenianische Regierung Sorgen, dass die Ressourcen für die eigene Bevölkerung immer knapper werden. Man befürchtet, dass ein weiteres Flüchtlingslager weitere Flüchtlinge anzieht", sagt Ruth Schöffl, Pressevertreterin des UN-Flüchtlingshilfswerks in Österreich.

Die Situation in Äthiopien

In Äthiopien kommen in der Dollo Ado Grenzregion täglich hunderte neue Flüchtlinge an. Seit Januar insgesamt 78.000. Nach Angaben des UNHCR ist das Camp Kobe in Dollo Aldo mit 25.000 Menschen überfüllt. Das UNHCR will in den kommenden Woche ein viertes Lager in Äthiopien eröffnen. Dort sollen bis zu 60.000 Menschen aufgenommen werden können. (Elisabeth Mittendorfer, derStandard.at, 25.7.2011)

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    Hunderttausende Flüchtlinge aus Somalia sind bereits in Äthiopien und Kenia angekommen.

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    Die Flüchtlinge bauen Zelte aus zusammengesuchten Materialien.

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    unhcr/usaid
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