Pädagogen-Ausbildung

Strenge Selektionsverfahren in Finnland

25. Juli 2011, 13:12
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    foto: der standard/cremer

    Der Lehrberuf ist in Finnland begehrt und angesehen. Von über 6000 Bewerbern werden nur 660 für das Studium zugelassen.

Von 6.600 Bewerbern werden nur 660 zur Ausbildung zugelassen

Helsinki/Wien - PISA-Musterschüler Finnland wird in der Debatte um eine Reform der Pädagogen-Ausbildung in Österreich immer wieder als Vorbild genannt. Die Rektoren der Unis, die derzeit jeden zum Lehramtsstudium zulassen müssen, wollen wie auch Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl vor allem die strenge Selektion von Studenten übernehmen. Diese ist auch aus Sicht finnischer Bildungsexperten einer der Faktoren für das gute Abschneiden bei internationalen Bildungsvergleichen - neben der Ausbildung an den Unis und dem hohen Prestige des Berufs.

Im Sommer 2010 gab es 6.600 Bewerber für die Lehrerausbildung, nur 660 wurden bei den Aufnahmetests ausgewählt. "Es ist einer der beliebtesten Berufe, jeder fünfte Schulabsolvent will Lehrer werden. Es ist leichter Arzt oder Anwalt zu werden", sagt Pasi Sahlberg, finnischer Bildungsexperte,  bei einem Gespräch mit Journalisten.

Unterschiedliche Aufnahmeverfahren

Die Aufnahmeverfahren sind je nach angestrebtem Lehramt unterschiedlich. Für Kindergartenpädagogen und Klassenlehrer für die erste bis sechste Klasse besteht das Verfahren aus einem schriftlichen Test, einem Test zur beruflichen Eignung und einem persönlichen Gespräch. Fachlehrer müssen sich einerseits für das jeweilige Fachstudium und separat für die Lehrerausbildung bewerben, wobei neben einem Eignungstest auch die Noten berücksichtigt werden können. Um mit Schülern mit besonderen Bedürfnissen arbeiten zu können, muss man bereits ausgebildeter Klassenlehrer sein und für diese Zusatzqualifikation ebenfalls eine Aufnahmeprüfung machen.

Zum Vergleich: In Österreich gibt es derzeit Aufnahmeprüfungen an den Pädagogischen Hochschulen (PH), wo die Lehrer für Volks-, Haupt-, Sonder, Berufs- und Polytechnische Schulen ausgebildet werden. Für die Lehramtsstudien für AHS und berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS) an den Universitäten gibt es keinerlei spezielle Aufnahmekriterien. Andreas Schnider, Ex-VP-Bundesrat und Leiter der für die Empfehlungen zur neuen Pädagogen-Ausbildung zuständigen Arbeitsgruppe, hat das wiederholt kritisiert. Das Fehlen von Eignungstests an den Unis habe nämlich zur Folge, dass von den PH abgelehnte Interessenten für den Lehrerberuf sich einfach an der Uni ausbilden lassen.

Finnische Ausbildung dauert bis zu sechs Jahre

Künftig soll es laut den Empfehlungen in Österreich ebenfalls Eignungsverfahren für alle Pädagogen geben, allerdings nicht vor Beginn des Studiums sondern im Laufe der ersten beiden Semester.

Wer in Finnland das Aufnahmeverfahren geschafft hat, hat eine lange Lehrzeit vor sich: Mit der Umstellung auf das System der Gesamtschule in den 1970ern wurde auch die Ausbildung reformiert: Seit damals sind allein die Unis zuständig: Klassenlehrer besuchen sie fünf, Fachlehrer fünf bis sechs Jahre (beide Masterabschluss) und Kindergartenpädagogen drei Jahre (seit 1995 an den Unis; Bachelorabschluss). Davor gab es wie in Österreich eine getrennte Ausbildung für Volksschullehrer an Akademien und für Fachlehrer an den Unis.

Verpflichtende Fort- und Weiterbildung gibt es in Finnland nicht, laut Bildungsgewerkschafter Arra wird diese den Lehrern sogar erschwert. Es sei nicht gerne gesehen, wenn Lehrer unter dem Schuljahr deswegen vertreten werden müssen. Die Kommunen - in Finnland für Schulbau, -erhalt und Personalkosten zuständig - sind außerdem nicht verpflichtet, solche Qualifizierungsmaßnahmen zu finanzieren. Die Folge: Lehrer mit Interesse an Fortbildung machen das auf eigene Kosten im Sommer. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 61
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jana_einsteinova
00

in finnland gibts auch bildungsfernsehen!
und an jeder ecke bücher zum entnehmen wie zb. bibliotheken in zügen..

in finnland kann man eh nur lesen oder saufen!

lehrer
01
27.7.2011, 10:46
AHS _lehrer oft verlegenheitslösung

in österreich entscheiden/entschieden sich viele studierende zur ausbildung zum AHS lehrer, obwohl sie eigentlich "nur" anglisten, historiker, germanisten werden wollen, und aus mangel an jobalternativen plötzlich vor bis zu 30 jährigen pubertierenden stehen/standen und nicht so recht wussten/wissen was sie mit dem an der uni gelernten wissen eigentlich machen sollten!
einzige lösung: auswahlverfahren vor dem studium mit vielen praktika währende des studiums..!

D/E
04
26.7.2011, 16:51
Ich kann mir gut vorstellen, wie bei uns ein solches System aussähe:

Das nach dem Proporz besetzte Kollegium des Landesschulrates entsendet altgediente Schulfunktionäre in die "Hearing"-Kommissionen, die nach einem völlig objektiven Verfahren zu dem Ergebnis kommen, dass alle Kinder von Landespolitikern, deren Freunde oder die Kinder von persönlichen Freunden von Landespolitikern bestens für den Lehrberuf geeignet sind.

stall
00
26.7.2011, 16:37
die abbildung zeigt eine typisch finn. lehrerin

etwas anderes. bei uns müssen und werden die dinge noch viel schlechter werden bevor eine besserung in sicht ist.

LL MM
00
26.7.2011, 18:28

Ach was, dasselbe Bild gab es bei diesem Thread:

http://derstandard.at/131051172... -Ruhestand

Und der hat mit Finnland nix zu tun.

Eher Einfallslosigkeit in der Fotoredaktion. :-)

MASCH49
 
01
26.7.2011, 14:44
Vielleicht sind sie deshalb in PISA voran.

p1234
09
26.7.2011, 14:19
Leider irrelevant für Österreich

Um bei der Ausbildung selektiv zu sein braucht man erstmal genügend (gute) Bewerber. Damit man Bewerber kriegt braucht man klarerweise erstrebenswerte Arbeitsbedingungen (dazu zählt auch die soziale Anerkennung, nicht nur Geld & Urlaub).

In Finnland ist "[Lehrer] einer der beliebtesten Berufe, jeder fünfte Schulabsolvent will Lehrer werden." Wieviele sind es wohl in Österreich?

Die Verantwortung dafür ist imo in erster Linie bei der Politik zu suchen, die das Bildungssystem seit Jahrzehnten nur als negativen Budgetposten ansieht, sowie in einer anti-intellektuellen Medianlandschaft die Lehrer alleweil als arbeitsscheue, pragmatisierte Papiertiger porträtiert.

(Ich bin kein Lehrer.)

Dr_Olaf
 
12
26.7.2011, 15:59
Danke.

"Die Verantwortung dafür ist imo in erster Linie bei der Politik zu suchen, die das Bildungssystem seit Jahrzehnten nur als negativen Budgetposten ansieht, sowie in einer anti-intellektuellen Medianlandschaft die Lehrer alleweil als arbeitsscheue, pragmatisierte Papiertiger porträtiert."

selten dass das jemand derart präzise und knapp auf den Punkt bringt.

Hubert Ungeist
 
21
26.7.2011, 13:52
DARUM gibts dort Qualität

nicht weil es eine Gesamtschule ist, oder eine sonstige Organisationsform

harri678
10
26.7.2011, 12:34

Den Absatz über Fortbildung finde ich amüsant. Aus meiner Sicht ist es das Mindeste, dass man selbstständiges Aneignen von Wissen von studierten Lehrern verlangen kann. Verpflichtende Fortbildung bringt nichts, wenn es denjenigen nicht interessiert.

stall
02
26.7.2011, 16:39
verpflichtende fortbildung ist mist

auch die fortbilder sind meist schlecht.

Gerhard Rot
41
26.7.2011, 12:27
Bei uns kann jeder LehrerIn werden, der einen Job mit viel Freizeit sucht

Thomas Haele
02
26.7.2011, 17:12
interessant

dann scheinen aber ganz wenige österreicherInnen auf viel freizeit aus zu sein....

absurdistanerin
19
26.7.2011, 07:10
bedingungen IN der klasse

schön und gut, dass die finnen so eine tolle ausbildung haben, ich traue mich aber wetten, dass bei denen auch nicht auf einen lehrer 25 (in der oberstufe noch mehr) schüler kommen und die auch nicht ein schulsystem aus dem vorletzten jahrhundert mitschleppen, weil die politiker lieber über nichtigkeiten wie die umtextung einer hymne diskutieren, anstatt sich über die zukunft unseres landes konstruktive gedanken zu machen. darin liegt bei uns der wahre hund begraben!

Hubert Ungeist
 
11
26.7.2011, 13:55
Bestens ausgebildete Lehrer

bringen auch mit 25 Schülern mehr Qualität raus, als schlecht ausgebildete Lehrer mit 5 Schülern.

Die Faktoren Anzahl Schüler, Organiationsform sind für "noch" bessere Ergebnisse wichtig - aber die Grudnqualität kommt von den Lehrern (oder eben auch nicht)

D/E
01
26.7.2011, 18:09
So erfrischend der Streit um die Priorität von Henne und Ei auch sein mag,

fest steht, dass uns weder das finnische Auswahlverfahren, noch südkoreanischer Drill oder kanadische Integrationspolitik etwas bringen.

Nur, was im österreichischen Schulwesen passiert, bringt auch hier Veränderungen. Im Augenblick zeichnet sich eine Entwicklung ins Chaos ab, wie begeistert die Rezensenten der amtierenden Ministerin sich auch geben.

Schulreformen anzupreisen bedeutet eben mitnichten sie auch durchzuführen. Letztlich passiert ja auch nichts als ein verunsicherndes Loch-auf-Loch-zu-Spiel, das möglicherweise eine zahlungsunfähige Bank eine Weile am Leben kann, aber ganz sicher kein Bildungssystem.

D/E
03
26.7.2011, 18:21
Was die "Reform" der Ausbildung angeht:

Statt sich täglich ein paar neue Aufgaben für die nächste Lehrergeneration auszudenken, sollte sogar das am praktischen Unterrichts völlig desinteressierte Unterrichtsministerium bedenken, dass man Arbeitskräfte nicht gleichzeitig billiger und besser bekommt.

So lange nicht die simpelste aller Fragen geklärt ist, wie man nämlich die Wunderwuzzis, die man brauchen wird, finden und im Beruf halten wird, ist das alles nur ein großes Sommertheater.

Wunder Wuzzi
01
26.7.2011, 19:07
viele gibts ja nicht von uns....

absurdistanerin
02
26.7.2011, 17:37

sicher gehört die ausbildung reformiert! ich bin jetzt mal vom idealbild, d.h. dem motivierten lehrer ausgegangen, deren es einige in meinem freundeskreis gibt. sie haben noch nicht viele dienstjahre am buckel und geben ihr bestes, kämpfen aber (außer die in den privatschulen) stark mit den bedingungen, die leider vieles an motivation zunichte machen. und während früher die hauptaufgabe des lehrers tatsächlich noch wissensvermittlung war, bleibt jetzt an der schule aufgrund zunehmender unfähigkeit der eltern viel mehr erziehungsarbeit hängen, für die leider kaum zeit im lehrplan verankert ist, jedoch priorität hat.

Hubert Ungeist
 
00
27.7.2011, 11:37
Merkwürdigerweise habe ich es bei meinen Kindern andersrum erlebt

da haben Lehrer versucht mein kind zu erziehen - und darüber vergessen das sie es lehren sollten (also Fachwissen, und natürlich zum Teil durch Projektarbeit auch soziales Wissen)

Und Erziehen hiess allzu oft, unbedingte Anerkennung bis zur Selbstverleungung von Authorität (meine Kinder haben aber keine Probleme damit Anordnungen entgegenzunehmen und durchzuführen (solange sie nicht allzu unvernünftig sind - weil ich sie zu denkenden Menschen erzogen habe)

oder noch schlimmer Ihnen eine politishce Ausrichtung aufzudrücken.

Kann natürlich seinl, das ich ein Einzelfall bin

absurdistanerin
00
27.7.2011, 20:04

ich hätte da eher von den grundregeln des menschlichen zusammenlebens gesprochen, von denen kinder heute leider nicht mehr viel mitgegeben wird. wertevermittlung wie toleranz, höflichkeit, respekt, grenzen anderer wahrnehmen. von den konzentrationsschwächen, die viele schüler mittlerweile aufweisen (aufgrund der ernährung, medien, usw.) ganz zu schweigen. times are changing - leider nicht ungbedingt zum positiven

die zwei des
50
26.7.2011, 13:40

Die Diskussion um die Hymne war und ist ein sehr wichtiges Thema in der Gleichstellung von Menschen in Österreich.

Werner Oskar Nini
22
26.7.2011, 07:39
Nicht nur...

Keinesfalls bin ich ein Bildungsexperte oder Insider, aber ich denke nicht, dass es ausschließlich die hohen Schülerzahlen oder veraltete Schulsysteme sind, welche die österreichischen Schüler schlecht abschneiden lassen. Sich auch... aber nicht nur! Meine persönliche Erfahrung war schon, dass mir manche Lehrer viel beibringen konnten, dass oftmals gerade bei diesen auch mit hohen Schülerzahlen Ruhe, Aufmerksamkeit und ein gespanntes Interesse vorherrschten, während andere selbst interessanteste Themen, bei wenigen Teilnehmern und mit freiester Wahl der Mittel und Möglichkeiten nicht vermitteln konnten. Man kann es drehen und wenden wie man will... der Lehrer ist das Wichtigste...

Sam Deer
 
00
27.7.2011, 09:08

Ich gebe Ihnen schon Recht, der Lehrer ist extrem wichtig; allerdings kann der beste Lehrer kaum etwas ausrichten, wenn er mit verhaltensauffälligen Kindern (und deren gibt es leider immer mehr) allein gelassen wird. Hier ist einer der Knackpunkte im Vergleich mit Finnland zu sehen. Ein finnischer Lehrer kann im Bedarfsfall auf ein ganzes Bündel von Unterstüzungsmaßnahmen/-personal zurückgreifen.

Denker9
21
26.7.2011, 09:46

Solange in der Lehrerausbildung vor allem die Vermittlung von Wissen (an die Studenten) im Vordergrund steht, wird sich an der Qualität an unseren Schule nichts ändern. Faktenwissen kann sich heute jeder Student und Schüler sebst aneignen! Wichtig ist eine gute Didaktik und Einfühlungsvermögen- und diese zu vermitteln daran scheiterts in der Lehrerausbildung.

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