Heidelberger Studie für Menschen mit Cochlea Implantat
Heidelberg - In Deutschland gibt es jährlich ca. 16.000 Neuerkrankungen des Innenohrs, die zu einseitiger oder beidseitiger Ertaubung führen. Eine Behandlungsmöglichkeit stellen Hörschnecken-Prothesen, so genannte
Cochlea-Implantate dar. Ein Cochlea-Implantat ist eine
elektronische Innenohrprothese, die Menschen mit Schädigungen des
Innenohres ein neues Hören ermöglicht. Das CI übernimmt die
ausgefallenen Funktionen des Innenohres. Es leitet elektrische Reize
direkt an den Hörnerv und überbrückt somit die Störung beziehungsweise die
Unterbrechung der Weiterleitung.
Am Viktor-Dulger-Forschungsinstitut im Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung beginnt jetzt eine Studie für Menschen, die solche Implantate tragen. Die Studie wird in enger Kooperation mit der HNO-Uniklinik Heidelberg durchgeführt. Ziel ist die Entwicklung eines musiktherapeutischen Förderprogramms zum Erlernen von Sprechen und Hören für Cochlea Implantat-Träger, die nach normalem Spracherwerb Schwerhörigkeit oder Taubheit erworben haben.
Defizite bleiben
Nach Abschluss der medizinischen Erstanpassung müssen die Betroffenen das Sprechen und Hören nahezu völlig neu erlernen, da sich das Hören mit dem Cochlea-Implantat deutlich vom normalen Hören unterscheidet. Hörtraining und Sprachtherapie helfen den Patienten, die neuen, ungewohnten Höreindrücke richtig zuzuordnen. Doch auch wenn ein gutes Sprachverstehen eintritt, bleiben für viele Patienten oft die Lebensqualität erheblich beeinträchtigende Defizite: Große Schwierigkeiten bereiten vor allem das Hören und Verstehen von Musik und der emotionale Sprachausdruck.
Ziel der Heidelberger Studie ist es, in Ergänzung zu den bereits bestehenden therapeutischen Hilfen, wie Logopädie, das Hören und Sprechen wieder für die persönliche Emotionalität zu erschließen. Das heißt den Weg von der "Computerstimme" und dem "Frequenzhören" hin zum spontan-emotionalen Hören und Sprechen zu eröffnen.
Vorsprachlicher Dialog
Den therapeutischen Ausgangspunkt hierzu bildet der in der Musiktherapie eingesetzte so genannte "frühe", vorsprachliche Dialog. Kleinkinder erlernen spielerisch in der Interaktion mit ihren Eltern die Grundlage für die spätere verbale Kommunikation. Über musiktherapeutische Übungen können auch Cochlea Implantat-Träger spielerisch ihre Fähigkeiten, Musik und Sprache zu hören und zu verstehen, trainieren. Weiterhin sollen sie erlernen, Musik nicht mehr als "lärmend", sondern (wieder) als schön und ästhetisch zu erleben. (red, derStandard.at)
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Hinweise zur Studienteilnahme
An der Studie teilnehmen können zunächst 30 postlingual ertaubte
Cochlea Implantat-Träger. Das heißt Menschen, die eine erworbene
Schwerhörigkeit oder Taubheit haben, jedoch vor der Erkrankung normal
Hören und Sprechen konnten und deren medizinische Erstanpassung an der
Heidelberger HNO-Uniklinik mit Cochlea-Implantat oder vergleichbarem
Hörgerät abgeschlossen ist. Das musiktherapeutische Angebot umfasst drei
Therapie-Blöcke mit einer Dauer von je zwei Tagen. Neben
Gruppenangeboten werden auch individuelle Einzelsitzungen angeboten, um
auf die jeweiligen Bedürfnisse der Teilnehmer eingehen zu können.
Mehr Informationen sind telefonisch erhältlich unter +49-6221-83 38 60
oder per E-Mail unter dzm@dzm-heidelberg.de.
Link
Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut)