Wagner-Festspiele fanden für 2013 Ersatz für Wim Wenders
Berlin - Frank Castorf soll den Jubiläums-"Ring" im
Jahr 2013 in Bayreuth inszenieren. Darüber verhandelt wurde schon länger, die nunmehrige Entscheidung gab die Co-Leiterin der
Wagner-Festspiele, Katharina Wagner, am Donnerstag in Berlin
bekannt.
Der 60-jährige Intendant der Berliner Volksbühne habe wenig
Opernerfahrung, sei aber "sehr musikalisch" und verstehe, welche
Bedeutung eine Inszenierung des vierteiligen "Ring des Nibelungen" im
Jahr des 200. Geburtstags Richard Wagners (1813-1883) in Bayreuth
hat, sagte die-Urenkelin des Komponisten bei der Vorstellung des
Programms für das Jubiläumsjahr in Berlin.
Die Wagner-Schwestern Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier
waren unter Zugzwang geraten, weil der ursprünglich für den "Ring"
vorgesehene Filmregisseur Wim Wenders absprang. Bei einem Gespräch am
vergangenen Sonntag habe Castorf zu ihr gesagt: "Ja, ich möchte es
machen", sagte Wagner vor Journalisten. Es seien nur noch einige
Fragen im Vertrag offen.
Wagner verteidigte die Entscheidung für den Berliner
Theatermacher. "Man muss Castorf nicht mögen", jede künstlerische
Entscheidung sei auch eine ästhetische Wahl. Castorf arbeite aber
handwerklich sauber, er sei "ein Vollprofi". Die musikalische Leitung
wird der russische Dirigent Kirill Petrenko übernehmen.
Die rund 16-stündige Wagner-Tetralogie "Ring des Nibelungen" mit
den Opern "Das Rheingold", "Die Walküre, "Siegfried" und
"Götterdämmerung" gilt als Höhepunkt der Bayreuther Festspiele, die
jedes Jahr Wagner-Fans aus aller Welt nach Franken locken. Bereits
bei der vorangegangenen "Ring"-Inszenierung hatte es Probleme bei der
Regiebesetzung gegeben. Nachdem der dänische Regisseur Lars von Trier
abgesagt hatte, sprang der Dramatiker Tankred Dorst ein.
Zum Jubiläumsjahr wollen Wagners Geburtsstadt Leipzig und
Bayreuth, seit mehr als 100 Jahren die Pilgerstätte der Wagnerianer,
an den Komponisten mit Konzerten, Opernaufführungen sowie einem
wissenschaftlichen Wettbewerb erinnern. Das Geburtstagskonzert wird
am 22. Mai 2013 von Christian Thielemann dirigiert. Die Oper Leipzig
wird Wagners Frühwerk "Die Feen" inszenieren, die Produktion soll
dann konzertant in Bayreuth aufgeführt werden. Für die Bayreuther
Oberfrankenhalle ist eine Produktion der Oper "Das Liebesverbot"
sowie von "Rienzi" geplant. Auf dem Jubiläumsprogramm steht außerdem
ein Filmwettbewerb für Jugendliche sowie ein Sänger-Meisterkurs.
Castorf wurde am 17. Juli 1951 als Sohn eines Eisenwarenhändlers
in Ost-Berlin geboren. Als Außenseiter in der DDR-Theaterprovinz
machte er früh auf sich aufmerksam. Anfang der 80er Jahre machte er
mit frechem, oppositionellem Theater in Anklam Furore. Seit 1989
inszenierte Castorf auch in Westdeutschland. 1992 wurde er Intendant
der Berliner Volksbühne. Schon ein Jahr später wurde das Haus zum
"Theater des Jahres" gewählt. In den vergangenen Jahren hat sich
Castorf zum Spezialisten für Adaptionen von Dostojewski-Romanen
entwickelt - zuletzt inszenierte er bei den Wiener Festwochen "Der
Spieler". Sein Vertrag läuft noch bis 2013. Am kommenden Sonntag hat
Castorf am Münchner Residenztheater Premiere: Er inszeniert Ödön von
Horvaths "Kasimir und Karoline" mit Birgit Minichmayr und Nicholas
Ofczarek. (APA)