„Diabetes der bärtigen Frauen"

  • Das Haarproblem ist für Frauen mit dem PCOS eine große psychische Belastung.
Foto: Andrea Damm/www.pixelio.de
    foto: andrea damm/www.pixelio.de

    Das Haarproblem ist für Frauen mit dem PCOS eine große psychische Belastung.

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Haare im Gesicht, Unfruchtbarkeit und ein erhöhtes Risiko an Diabetes zu erkranken - Das PCOS ist für die betroffenen Frauen mitunter eine große Belastung

Weit verbreitet, aber wenig bekannt: Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS). Allein in Österreich sind zwischen zehn und zwanzig Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter davon betroffen. Wodurch die endokrinologische Erkrankung im Detail ausgelöst wird, darüber herrscht immer noch Unklarheit. Die familiäre Häufung von PCOS-Fällen lässt aber einen genetischen Hintergrund vermuten. Und eine bestehende Adipositas scheint die Erkrankung zu triggern.

Zyklusunregelmäßigkeiten, zu viele männliche Geschlechtshormone (Hyperandrogenämie) im Blut und Eierstöcke, die haufenweise Zysten ausbilden (polyzystisches Ovar) sind typisch für das polyzystische Ovarialsyndrom. Den männlichen Hormonen haben viele erkrankte Frauen Akne, einen männliches Behaarungsmuster mit Bartwuchs und Glatzenbildung, und eine tiefere Stimmlage zu verdanken. „Man muss aber keine polyzystischen Ovarien besitzen, um ein polyzystische Ovarialsyndrom zu haben", erklärt Barbara Obermayer-Pietsch von der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Nuklearmedizin der Medizinischen Universität in Graz und ergänzt, dass auch die Erfüllung der beiden anderen Kriterien für die Diagnose PCOS ausreicht.

Fehlende Eizellreifung

Viele der betroffenen Frauen haben keine Regelblutungen mehr oder aber einen deutlich verlängerten Menstruationszyklus. Ursache dafür ist eine Reifungsstörung der Eizelle, die ebenfalls durch den erhöhten Androgenspiegel verursacht wird. Der Eisprung bleibt aus, die heranwachsenden Eizellen verkümmern und zurück bleiben „Zysten". "Eigentlich sind es keine Zysten, sondern Follikel mit Eizellen drinnen", erklärt Gernot Tews, Leiter des Kinderwunschzentrums an der Landesklinik Linz und hält die Bezeichnung "Polyfollikuläres-Ovarialsyndrom" für passender. Die kleinen Pseudozysten sind perlschnurartig an den Eierstöcken aufgefädelt und im Ultraschall leicht zu erkennen. Vom PCOS-Syndrom sprechen Experten aber erst dann, wenn ein Eierstock mindestens zehn Milliliter Volumen hat und sich wenigstens zwölf Eibläschen zwischen zwei und neun Millimeter Größe darin befinden.

Die Konsequenz der fehlenden Eizellreifung ist denkbar logisch: Die Patientinnen leiden oft unter einem unerfüllten Kinderwunsch. Im Kinderwunschzentrum in Linz lässt rund ein Viertel der Patientinnen mit PCOS die Unfruchtbarkeit behandeln. Vorweg wird zwischen dieser Erkrankung und einem isolierten Auftreten polyfollikulärer Ovarien unterschieden. Bei letzteren wird mit Follikel-anregenden Hormonen (FSH) versuchsweise nachgeholfen. „Es gibt aber immer wieder Fälle, wo trotz geringer Dosis entweder zu viele Eibläschen heranwachsen oder gar keine", klärt Tews über die Schwierigkeiten dieser Behandlung auf. Fingerspitzengefühl ist also gefragt, da die Eierstöcke auf dieses Glykoprotein sehr empfindlich reagieren.

Steckt hinter dem unerfüllten Kinderwunsch ein polyzystisches Ovarialsyndrom, dann steht die Verdrängung der männlichen Hormone und die Regulierung des Zyklus mit Hilfe einer antiandrogenen Antibaby-Pille im Vordergrund. Die wieder eintretende regelmäßige Blutung beugt einer dauerhaften Verdickung der Gebärmutterschleimhaut vor. Im Anschluß folgt meist eine medikamentöse Unterdrückung der Östrogenproduktion. Damit wird die Eizellreifung stimuliert und der Eisprung ausgelöst. Jetzt kann eine künstliche Befruchtung folgen. Hier ist besondere Vorsicht geboten. "Es gilt, eine Überstimulation (OHSS) zu vermeiden. Denn dann können die polyzystischen Ovarien auf Orangengröße anwachsen und einreißen", betont der Experte.

Hormoneller Teufelskreis

Aber nicht nur der unerfüllte Kinderwunsch, auch eine erhöhtes metabolisches Risiko kann Frauen mit PCOS, zu schaffen machen. "Die Hälfte aller Patientinnen ist adipös und viele Betroffene entwickeln eine Insulinresistenz beziehungsweise einen Diabetes mellitus Typ II", berichtet die Expertin für Endokrinologie aus Graz. Umgekehrt gibt es auch Hinweise darauf, dass die Insulinresistenz möglicherweise überhaupt erst der Grund für die Entstehung eines polyzystischen Ovarialsyndroms ist. Zwei französische Ärzte haben den Zusammenhang zwischen dem Kohlenhydratwechsel und der Hyperandrogenämie bereits 1921 erkannt und das Krankheitsbild als „Diabetes der bärtigen Frauen" bezeichnet.

Die Insulinresistenz bringt Frauen mit dem PCOS in einen hormonellen Teufelskreis. Die kompensatorisch erhöhte Insulinfreisetzung verstärkt nämlich noch die Hyperandrogenämie, einerseits durch eine gesteigerte ovarielle Androgenproduktion und andererseits durch vermehrte LH (luteinisierendes Hormon)-Freisetzung in der Hypophyse, die in den Eierstöcken ebenfalls zu einer gesteigerten Hormonproduktion führt.

"Schon mit einer Gewichtsabnahme von fünf bis zehn Prozent normalisiert sich der Stoffwechsel", beschreibt Obermayer-Pietsch, wie sich eventuell auch die Funktion der Eierstöcke wieder normalisieren lässt. Mit der Lebensstiländerung erfüllt sich unter Umständen dann auch der Kinderwunsch und das kardiovaskuläre Risiko reduziert sich natürlich auch.

Was trotz aller therapeutischen Maßnahmen manchmal bleibt, ist der Hirsutismus. Haare am Rücken oder im Gesicht sind für viele betroffene Frauen Grund für sozialen Rückzug und Auslöser von Depressionen. In Deutschland haben sich PCOS-Selbsthilfegruppen bereits etabliert. In Österreich wird erst nach und nach über die Erkrankung gesprochen. Obermayer-Pietsch zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass das Thema auch hierzulande enttabuisiert wird. (derStandard.at, 25.07.2011)

Wissen

Die beiden Hormone FSH und LH werden von der Hirnanhangsdrüse (Hypohyse) in einem monatlichen Rhythmus produziert und regulieren die Funktion der Eierstöcke (Ovarien). Aus unreifen Follikeln (Eizellen) werden unter dem Einfluss von FSH sechs bis zwölf größere reifere Follikel. Nur einer davon erreicht im Normalfall die volle Reife. Ein kurzer starker Anstieg von LH (Luteinisierendes Hormon) im Blut sorgt dann für die Auslösung des Eisprungs. Nach dem Eisprung wird aus dem Follikel das sogenannte Corpus luteum, in dem Östrogene und Progesteron produziert werden. Für die Bildung dieses Gelbkörpers (Luteinisierung) ist ebenfalls LH verantwortlich. 

Das polyzystische Ovarialsyndrom ist eine hyperandrogenämische Ovarialfunktionsstörung. Eine chronisch vermehrte LH-Freisetzung führt dabei zu einer vermehrten ovariellen Androgen-Sekretion und einem ausbleibenden Eisprung (Anovulation). Eine verminderte Bildung von SBHG in der Leber, bedingt ebenfalls einer Erhöhung der Androgene. 

Das PCOS ist auch mit einer gesteigerten Insulinausschüttung vergesellschaftet. Es findet sich eine Insulinresistenz, das Insulin verliert seine Wirkung und langfristig kann sich daraus ein Diabetes mellitus entwickeln. Der erhöhte Insulinspiegel verstärkt seinerseits die bestehende Hyperandrogenämie, durch die Steigerung der Produktion männlicher Geschlechtshormone im Eierstock und durch eine verstärkte LH-Freisetzung in der Hypophyse.

Typische Hormonbefunde beim PCOS: 

Erhöhte Androgene (Testosteron, Androstendion, Dehydroepiandrosteron)
Erhöher LH/FSH-Quotient: FSH ist im Normbereich, LH zwei bis dreimal höher
Erniedrigtes SHBG (sexualhormonbidendes Globulin)

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Guter Artikel! Was mich jedoch irritiert ist der Umstand, dass PCO fast automatisch mit der Behandlung von Unfruchtbarkeit in Verbindung gebracht wird. PCO muss auch behandelt werden, wenn kein Kinderwunsch vorliegt, da die Krankheit erhebliche gesundheitliche Probleme mit sich bringt (Diabetes, etc.). Und: Was soll denn dieses Foto?! Diese Krankheit kann auch junge, schlanke Frauen ohne Ganzkörper-Vliess betreffen. Finde das nicht besonders geschmackvoll...

was ich ja nicht verstehe,

ist, wie unter den migrantinnen sehr viele frauen mit mehr haaren auf den beinen unterwegs sein können, als ich aufweise - die aber dennoch mehr als drei kinder haben. vielleicht sollten die wissenschafterInnen mal dort nachforschen?

zum übergewicht neigen die oft auch.

und nein: das ist kein rassismus, sondern offen-sichtlich (im wahrsten sinn des wortes) und in keiner weise wertend gemeint.

Genetik

Das sind nunmal, natürlich je nach Bevölkerungsgruppe, genetische Dispositionen zu mehr (zB naher Osten) bzw zu weniger (Ostasien) Körperbehaarung. Ist nur halt therapeutisch nicht wirklich interessant und hat auch mit PCOS nichts zu tun.

wie sicher sind sie denn,

dass die genetische disposition von frauen nichts mit den hormonen zu tun hat? wie sicher sind sie, dass zb die genetische disposition einer arabischen frau mit vielen haaren auf den beinen nicht mit der einer frau aus mitteleuropa vergleichbar ist, die viele haare auf den beinen hat? sie müssen ja ein super-medizinischer forscher mit dem absoluten durchblick sein, wenn sie sich nicht nur beim genom sondern auch beim proteinom und den komplexen zusammenhängen von hormonen, genen und anderen wirkfaktoren (wie zb psychischen) auskennen. dann würde ich gerne bei ihnen in die lehre gehen,

ich zweifle jedoch daran, dass sie den durchblick haben

Nanana, wer ist denn da so schnell mit seinen Krallen...

Natürlich war das jetzt nun mal stark vereinfacht dargestellt und beruht auf Beobachtung im natürlichen Umfeld. Nein ich habe keine Primärforschung in dem Feld betrieben sondern eine Aussage nach bestem Wissen und Gewissen getätigt, die es nicht vorraussetzt Superforscher zu sein. Außerdem ist Ihr erster Satz, dass die genetische Disposition was mit dem Hormonpegel zu tun hat eine Umkehr von Ursache und Wirkung.

Da Sie aber auch auf ziemlich aggressive Weise klar gemacht haben, wie wichtig Ihnen Titel sind (oh du mein Österreich). Ich bin Biologe.

mann ey, voll aggro!

gibt sicher

einen fetisch für sowas....

schauen sie mal auf der pornoseite ihres vertrauens

unter dem stichnamen hairy. da lässt sich sicher was finden :-)

Ich kotz mich bei dem Gedanken fast an...ich traue es mich nicht eintippen.

Schämen Sie sich!

Als Betroffene bin ich bestürzt über Ihre entwertenden und vor allem unsinnigen Kommentare zu diesem Thema, Gerhard56, ATHARAXIS und h 90. Wenn Sie wüssten, wieviel Leid, Schmerz und Konsequenzen (Unfruchtbarkeit, erhöhtes Fehlgeburtenrisiko, Komorbidität, Dauermedikation mit Nebenwirkungen, etc.) diese oft jahrelang undiagnostizierte Krankheit mit sich bringt bzw. Sie eine Tochter / Schwester / Partnerin / Ehefrau hätten, die von PCO betroffen wäre, würden Sie vielleicht eher nachdenken, bevor Sie derartigen Stuss öffentlich von sich geben.

Ehefrau/Partnerin kann ich mal ausschliessen.

bei dem charme, den sie versprühen, glaub ich ihnen das.

tschuldigung, das rote Stricherl sollte da nicht hin

Oberflächlich und stolz drauf, hm?
Blöd halt, dass diese Erkrankung erst später auftreten kann, durch Gewichtszunahme etwa. Aber Sie sorgen schon dafür, dass Ihre Frau/Freundin nicht ein paar Kilo zuviel bekommt, gell?

hat eh weder ehefrau noch partnerin. schreibt er ja.

keine haarige.....

Dann sollte die Frau dringend zum Arzt! Ein komplett haarloser Kopf und Körper ist Anzeichen für eine enrsthafte Störung.

Scheinbar geht die Krankheit auch ganz schlimm auf den Hirnbereich der fuer Humor zustaendig ist.

Tja, Witze über Menschen mit Erkrankungen findet halt nicht jeder lustig.

hoffentlich gibts da bald Spasstabletten....
(Wer eine 50 Stueck Packung kauft, bekommt einen Rasierer fuer die Beine gratis dazu)

was haben diese Leute alle gegen behaarte Frauen

...samma frustriert, oder??? Außerdem kann eine übermäßige Körperbehaarung auch noch andere Ursachen haben (schlechte Nahrung, Pilzerkrankungen aufgrund eines überlasteten Immunsystems, etc...) Also aufgepasst:" Nur wegen eines kleinen, ja klitzekleinen Artikels samma nouch kahne expeatn, gea!!!!!! salve

Deine möglichen Ursachen lesen sich aber eher nach Eso/Naturheiler

Da werden oft Krankheitsursachen herbeigedichtet und mit überteuerten Placebos behandelt

.... Töchter mit behaarten Beinen ....

Dieser Text gehört auch noch in die neue Rauch-Kallat ..... äh, Bundeshymne

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