Zwölf Millionen Menschen sind vom Hungertod bedroht, Bank gibt 12 Millionen Soforthilfe - 488 Millionen Dollar für längerfristige Projekte
Rom -Die Weltbank will mehr als 500 Millionen Dollar (348 Millionen Euro) an Hilfen für die von der Dürre betroffenen Regionen am Horn von Afrika bereitstellen. "Die Soforthilfe hat oberste Priorität, und es kommt darauf an, schnell zu handeln, um das menschliche Leid zu verringern", erklärte Weltbankpräsident Robert Zoellick am Montag.
Daneben müsse es aber auch langfristige Lösungen geben. Der Großteil des Geldes soll deshalb in auf längere Zeit angelegte Projekte investiert werden, während zwölf Millionen Dollar in die Soforthilfe für die vom Hungertod bedrohten Menschen fließen sollen. Derzeit sind laut UN-Angaben zwölf Millionen Menschen vom Hungertod bedroht - es handelt sich also um einen Dollar Soforthilfe für jeden akut gefährdeten Menschen.
Von der schlimmsten Hungersnot seit 60 Jahren sind in Somalia, Kenia, Dschibuti, Äthiopien, Kenia und Uganda insgesamt rund zwölf Millionen Menschen betroffen. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) kam am Montag zu Beratungen zur Lage in der Region zusammen. Zu Beginn des Treffens in Rom sagte FAO-Chef Jacques Diouf, die "katastrophale" Dürre verlange "massive und dringende internationale Hilfe". Es gehe darum, Leben zu retten.
"Skandal des Jahrhunderts"
Frankreichs Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire warnte, der Hunger werde "der Skandal des Jahrhunderts", wenn nicht die notwendigen Maßnahmen getroffen würden. Das FAO-Treffen sei "eine Frage von Leben und Tod für zehntausende Menschen".
Vor dem von der UNO organisierten Krisentreffen zur Hungersnot am Horn von Afrika hat die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) zur mehr Hilfen für die Region aufgerufen. "Wenn wir im 21. Jahrhundert eine Hungersnot ausrufen müssen, dann sollten wir das als etwas Unmoralisches betrachten", sagte die Leiterin der FAO-Nothilfeprogramme in Afrika, Cristina Amaral, am Sonntag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. Geberländer müssten jetzt nicht nur mehr Geld für sofortige Nahrungsmittelhilfe, sondern auch Mittel für langfristige Hilfe zur Verfügung stellen.
Zehntausende Opfer
Zehntausende Menschen starben demnach bereits in den vergangenen Wochen. Betroffen von der Dürre sind Äthiopien, Kenia, Somalia, Dschibuti, Uganda und der Sudan. Vertreter von UNO, nichtstaatlichen Hilfsorganisationen und den Regierungen einiger der betroffenen Staaten sollen am Montag in Rom zusammenkommen, um über eine Koordinierung der Hilfen zu beraten.
Die Hungersnot sei auch Ergebnis der jahrelangen Vernachlässigung des Problems der wiederkehrenden Dürren in der Region, sagte Amaral der AFP. Zwar könnten Projekte für einen besseren Umgang der Viehbesitzer mit dem Weideland, zur Verbesserung der Gesundheit der Tiere und zur Einführung widerstandsfähigerer Getreidesorten Abhilfe schaffen; häufig fehlten dafür aber die Mittel. "Die Finanzierung funktioniert nur, wenn man die Aufmerksamkeit der Medien hat. Das ist das Problem."
Besonders kritisch sei die Lage im Süden Somalias, sagte Amaral. Für zwei Regionen dort hat die UNO eine Hungersnot ausgerufen. "Ohne Zugang zum Süden Somalias sehen wir nur die Spitze des Eisbergs - die Flüchtlinge, die in Kenia und Äthiopien ankommen", warnte Amaral. "Es gibt noch viel mehr, wir gehen von 3,7 Millionen Menschen aus, die sofortige Hilfe benötigen." Besonders problematisch sei dabei die Weigerung der in der Region herrschenden radikalislamischen Shabaab-Miliz, ausländischen Hilfsorganisationen Zugang zu gewähren. "Wir hoffen, dass die politischen Verhandlungen sich entwickeln und dass die herrschende humanitäre Situation dazu führt, dass die somalischen Clans den Zugang zu den Menschen in Not freigeben", sagte Amaral. (APA/AFP)