"Ich will, dass er weiß, dass es Orte gibt, an denen ihm seine Macht nichts nützt"

25. Juli 2011, 09:08
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Zimmermädchen gibt Interviews über angebliche Vergewaltigung durch Ex-Währungsfondschef

New York - Nach mehr als zwei Monaten völliger Anonymität hat das angeblich von Dominique Strauss-Kahn angegriffene Zimmermädchen sein Schweigen gebrochen. In langen Interviews für "Newsweek" und ABCnews ging Nafissatou Diallo am Sonntag in die Offensive und berichtete ihre Version der Geschichte. Dabei bleibt die 32-Jährige dabei, dass der damalige Währungsfondschef sie angegriffen und zum Oralsex gezwungen habe. Der französische sozialdemokratische Politiker habe "wie ein verrückter Mann auf mich gewirkt".

"Ich hatte solche Angst", sagte die im westafrikanischen Guinea geborene Frau, die laut "Newsweek" weder lesen noch schreiben kann, dem Blatt. Sie habe sich zweimal mit dem Ruf "Housekeeping" angekündigt und war davon ausgegangen, dass das Hotelzimmer leer sei. Plötzlich sei ein grauhaariger Mann nackt vor ihr gestanden. Er habe ihr gleich an die Brust gegriffen und die Tür zugeschlagen. "Er warf mich hart auf das Bett" und habe versucht, sie oral zu vergewaltigen.

"Ich wollte eigentlich nie an die Öffentlichkeit gehen", sagt sie im Interview mit ABC. "Aber mir wurde keine Wahl gelassen. Ich muss das jetzt für mich selbst tun. Ich muss erzählen, was wirklich passiert ist."

Quelle: ABC

Widersprüche

Strauss-Kahn war wenige Stunden später aus der Erste-Klasse-Kabine seines Paris-Fluges verhaftet worden. Er saß in Einzelhaft und in strengstem Hausarrest, seit drei Wochen ist er jedoch auf freiem Fuß, weil es erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit Diallos gibt. Sie soll mehrfach Widersprüchliches gesagt haben. So habe sie falsche Angaben in ihrem Asylantrag und über Einzelheiten des Ablaufs der behaupteten versuchten Vergewaltigung durch Strauss-Kahn gemacht.

"Ich will ihn im Gefängnis sehen", sagte Diallo im Interview. "Ich will Gerechtigkeit. Ich will, dass er weiß, dass es Orte gibt, an denen ihm seine Macht und sein Geld nichts nützt, wenn man soetwas tut." Gott möge ihn strafen, sagte die gläubige Muslimin. "Wir sind arm, aber wir sind rein. Ich denke nicht an Geld.""Gott ist mein Zeuge, ich sage die Wahrheit. Das weiß Gott. Und er (Strauss-Kahn, Anm.) weiß das auch."

William Taylor und Benjamin Brafman, die Anwälte Strauss-Kahns, weisen die Vorwürfe gegen ihren Klienten weiterhin zurück. Das was passiert sei, sei im beidseitigen Einverständnis geschehen. "Es ist offensichtlich, dass da die Absicht dahinter steckt, die öffentliche Meinung gegen einen Beklagten in einem noch offenen Strafverfahren aufzubringen", gaben die Anwält in einem Schreiben bekannt.

Zivilklage gegen Strauss-Kahn

Die Anhörung des früheren IWF-Chefs wird am 1. August fortgesetzt. Die Staatsanwaltschaft in New York teilte mit, sie werde das Interview nicht weiter kommentieren, da es sich um ein laufendes Verfahren handle, teilte die Sprecherin Erin Duggan mit. Kenneth Thompson, der Anwalt Diallos kündigte derweil eine Zivilklage gegen Strauss-Kahn an.

Zuletzt waren erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugin bekannt geworden.  Der Hausarrest gegen Strauss-Kahn wurde daraufhin aufgehoben. Trotz anderslautender Berichte hatte die Staatsanwaltschaft aber betont, dass die Anklage nicht fallengelassen und weiter ermittelt werde.

In Frankreich hat zudem die Journalistin Tristane Banon wegen versuchter Vergewaltigung Anzeige gegen Strauss-Kahn erstattet . Der 62-Jährige bestreitet auch diesen Vorwurf und kündigte eine Verleumdungsklage an. Die Staatsanwaltschaft hat in der Zwischenzeit mit den Ermittlungen begonnen. (red, derStandard.at, 25.7.2011)

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    foto: newsweek
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    Diallo (links) bei einem Interview mit der Journalistin Robin Roberts.

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    Newsweek-Cover.

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    Strauss-Kahn bestreitet alle Vorwürfe.

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