Fastenblog: Wider die Gier und das Tier in mir

Blog24. Juli 2011, 20:31
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Das letzte Mal was Festes zu beißen – ab nun wird's in jeder Hinsicht flüssig

Der Einstieg in die Fastenwoche im aufgelassenen Kloster in Pernegg war recht geschmeidig. Ankunft Samstag um 15 Uhr, danach gleich eine Stunde geschlafen, weil der Schädel vom Nikotin- und Koffeinentzug doch heftig gebrummt hat. Um 17 Uhr Treffpunkt mit der Leiterin der Fastenwoche, Ingrid Höfinger, und den 12 anderen Fastenwilligen. 

Zum Abendessen wurde eine Gemüsesuppe mit festem Inhalt kredenzt, von der man sich sogar einen Nachschlag holen durfte. Auch Knäckebrot stand am Tisch. Zwei Stück pro Person waren vorgesehen. Weil aber so viele Scheiben übrig geblieben waren, habe ich mich einer dritten erbarmt. 

"Die Gier is' a Hund", heißt's dort, wo ich herkomme - und genau dieses Phänomen zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Wobei gar nicht so sehr die tierische Komponente die problematische ist, sondern die ritualisierte und daher kompliziert aufzulösende: Ob Essen, Trinken oder Rauchen - ich gebe mich gern der Maßlosigkeit hin und das in einem oft recht flotten Tempo. Von einem entspannten Genussfaktor bin ich dann zwar weit entfernt, trotzdem fühlt es sich in jenen Momenten immer recht gut an. Über den Tag danach reden wir ein anderes Mal. 

Einbremsen und Entschleunigen

Mittlerweile ist es Sonntag 18 Uhr und ich habe seit über 48 Stunden nicht mehr geraucht. Ich nehme auch kein Ersatznikotin zu mir, was mich zwischendurch ein wenig unrund macht. Immerhin trinke ich seit einigen Tagen keinen Kaffee mehr, was den Zigarettenverzicht wiederum erleichtert.

Aber gerade in diesem Moment fällt mir das Nichtrauchen am schwersten - jetzt eine genüsslich zu rauchen und dann noch einmal in aller Ruhe über den Text drüberzugehen, das wär's. Aber nein, das steh' ich durch, denn bereits in Kürze gibt es die abendliche Gemüsebrühe. Heute früh wurde ja noch ein ungesüßter Obstsalat und zu Mittag ungesalzenes, gedünstetes Gemüse serviert (siehe Foto).

Damit hat sich aber das Beißen für die nächsten Tage erledigt, denn ab morgen startet der "echte" Fastenabschnitt und da wartet nur mehr Flüssiges: Gleich zum Frühstück in Wasser aufgelöstes Glaubersalz, damit sich der Darm einmal ordentlich entleert, zu Mittag dann ein Vitamin-Cocktail aus verschiedenen Früchten und am Abend wieder die Gemüsebrühe. (Martin Obermayr, derStandard.at, 24.7.2011)

  • Ein Teller voller Gemüse war die letzte feste Nahrung bis Freitagmittag.
    foto: mob/derstandard.at

    Ein Teller voller Gemüse war die letzte feste Nahrung bis Freitagmittag.

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