Biedere Retrotollerei

24. Juli 2011, 19:55
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Ein geschniegelter Kai Pflaume präsentierte Gäste, die diverse Show-Aktionismen über sich ergehen lassen mussten

Alberne Studiospiele, Erraten von Bildmotiven, die sich langsam aufdecken, bei "Dalli-Klick", die Kulisse mit Wabenelementen, Moderator Hans Rosenthal, der beim Sprung in einem gefrorenen Bild steckenbleibt und "Das ist spitze" ruft: So hat sich der deutsche Showklassiker "Dalli Dalli" ins Gedächtnis jener gebrannt, die 1986 schon fernsehen konnten.

Das alles, natürlich bis auf Hans Rosenthal, der 1987 starb, ist mehr oder weniger authentisch zurückgekehrt: Am Samstagabend, etwas versteckt um 22 Uhr im NDR, entführte die Neuauflage von "Dalli Dalli" erstmals in die alten Showzeiten zurück. Behutsam wurde achtgegeben, das biedere Ambiente und die lockere Stimmung von früher zurückzuholen. Ein geschniegelter Kai Pflaume präsentierte Gäste, die diverse Show-Aktionismen über sich ergehen lassen mussten: mit dem Mund Kugeln fangen, die im Luftstrom eines Föhns schweben; Eier auffangen, die aus einer Hühnerstallkulisse fallen.

Der fehlende Ernst des Ganzen war der größte Vorteil, der vor allem dank der Kandidaten Uwe Ochsenknecht und Heiner Lauterbach einkehrte. Lauterbach löste sogar beim Moderator Lachkrämpfe aus, wie er die Föhnbälle zu fangen versuchte. Ochsenknechts Antworten bei einem anderen Spiel waren so blödsinnig, dass Lauterbach, daneben hängend an einem Trapez, nicht mehr konnte. Eine Fritteuse ist eben keine "Fettschmelze". Die Kontrahenten, Schauspielerin Jenny Jürgens und Polittalker Peter Hahne, waren viel zu seriös, um da nicht zu gewinnen.

"Dalli Dalli" ist anno 2011 zu einer biederen Retrotollerei und zu einem kleinen Lichtblick in den zeitweilig Glanzlosigkeit ausstrahlenden deutschen Regionalprogrammen geworden. (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 25.7.2011)

  • Kai Pflaume.
    foto: ndr

    Kai Pflaume.

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