Eine Wildsau von Wein

Harald Fidler, 27. Dezember 2011, 12:44
  • Klostergasthaus Thallern, schon ein paar oder mehr Tage her
    foto: harald fidler

    Klostergasthaus Thallern, schon ein paar oder mehr Tage her

  • Wiedermal Grünzeug mit Frischkäse
    foto: harald fidler

    Wiedermal Grünzeug mit Frischkäse

  • Leber vom Huhn, sehr anständig
    foto: harald fidler

    Leber vom Huhn, sehr anständig

  • Die Vegetarierin wusste nur noch, dass da viel Käse im Spiel war und viel Nährwert. Sie fand das jedenfalls gut
    foto: harald fidler

    Die Vegetarierin wusste nur noch, dass da viel Käse im Spiel war und viel Nährwert. Sie fand das jedenfalls gut

  • Mir schmeckte das Lammbeuschel ein bisserl zu wild, aber sonst sehr fein, das Tier
    foto: harald fidler

    Mir schmeckte das Lammbeuschel ein bisserl zu wild, aber sonst sehr fein, das Tier

Das wilde Lamm, die Japaner und die Lederhose: Harald Fidler, geschmacksverwirrt in Gumpoldskirchen, am Land des Lächelns

Vielleicht waren wir beide ein bisschen geschmacksverirrt, die damalige Vegetarierin und ich. Vielleicht aber auch die anderen, so genau weiß man das nicht.

Wenn das Jahr zu Ende geht, gilt es auf- und auszuräumen, loszuwerden. Da liegt noch einiges im Schmeck's-Depot. Zum Beispiel das. Ist schon eine Zeit her, wie Sie sich vorstellen können. Aber manche Fragen sind ja zeitlos.

Muss man Servierpersonal in Gumpoldskirchen mit Lederhosen ausstatten? Die Busladung Japaner am Ende des großen Raums schien sich jedenfalls hörbar wohlzufühlen, und immer wohler. Schon die Dimensionen des Klostergasthauses des an sich ja schmucken und schmuck gelegenen Freigut Thallern erinnern daran, dass hier einst eine Backhendelstation zuhause war. Kulinarisch wie optisch hat man seither einiges weitergebracht, scheint mir.

Ein Wildschwein von Wein

Wo stellten sich uns sonst noch Geschmacksfragen? Der Rotgipfler Selektion zum Beispiel vom Freigut-Weingut erinnerte die Vegetarierin an Wildschwein, mich vielleicht eher an Pferd, aber das kann auch ihre Jacke gewesen sein. Geschmeckt hat er übrigens dennoch - oder womöglich deswegen.

Definitiv keine Geschmacksfrage ist das Verbot der Vegetarierin, in ihrer Gegenwart einen Schneckenspieß zu speisen. Dabei weiß sie nicht, wie die schmecken. Aber weil das nun gar nicht ging, musste ich eben Hühnerleber verputzen. Damit hat sie kein Problem. Und ich schon gar nicht, eher im Gegenteil.

Vegetarische Amnesie

Dass die Vegetarierin, jedenfalls zu meiner Zeit, ihrer Frischkäse-Grünzeug-Kombination nicht überdrüssig wurde, muss wiederum mich nicht interessieren, sie wirkte von der Thallerner Version angetan. Und wo sie schon beim Käse war: Der spielte auch bei ihrem Hauptgang eine sehr wesentliche Rolle. Nur: Sie konnte sich selbst unter Vorhalt eines Beweisfotos (links) nicht mehr erinnern, was das war. Haben Sie eine Idee? Sachdienliche Hinweise bitte an unsere nächste Aufnahmestelle.

Japanerfett und wildes Beuschel

Ich indes konnte an der Kombination von Lammkotelett und Lammbeuschel nicht vorüberwählen. Schönes Kotelett, vielleicht nicht im neuesten Fett, aber womöglich zog da nur gerade eine steife Brise Schnitzelfett von der Japanertafel vorbei. Das Beuschel wiederum überraschte mich mit seiner sehr an Wild erinnernden Würze. Aber es gibt definitiv üblere Überraschungen im Leben.

Sie merken schon: Restlos begeistert waren wir nicht vom Klostergasthaus, aber durchaus zufrieden. Vielleicht lag's an den lärmenden Japanern. Vielleicht hatten wir auch einfach einen geschmacklosen Tag, damals.

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

und wieder sind die kannibalistischen barbaren um einen artikel reicher.

lammbeuschel

und lärmende japaner.

(viel schlimmer geht's ohnehin nicht)

noch schlimmer wäre für mich

lärmendes lamm und japanerbeuschel!;-)

"Jeder Klaps
ein Japs."

Dieses Wort hat heutzutage (seit dem Zweiten Weltkrieg) eine ziemlich stark verachtende, fast rassistische Konnotation. Da sollten Sie sehr aufpassen, falls Sie je nach Japan kommen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.