Der achte Bezirk prämiert Klimaschutzinitiativen und will mit Carsharing- und Radwegprojekten umweltfreundlicher werden
Der achte Wiener Gemeindebezirk soll grün werden. Es ist allerdings kein politischer Wechsel, der ansteht, sondern einer, mit dem sich alle Fraktionen identifizieren können – auch die Bezirksvorsteherin von der ÖVP, Veronika Mickel: "Wir sind seit dem Vorjahr Klimabündnisbezirk und möchten nachhaltige Umwelt- und Klimaschutzinitiativen vor den Vorhang bitten", sagt sie gegenüber derStandard.at über den heuer erstmals vergebenen Josefstädter Klimaschutzpreis.
Naturgemäß stehen auch die Grünen hinter dem Projekt, wie Bezirksvorsteher-Stellvertreter Alexander Spritzendorfer verrät: "Der Preis soll Ideen zum Klimaschutz
auszeichnen und damit ein Bewusstsein zum Umdenken schaffen." Alle Parteien würden an einem Strang ziehen, wenn es um den
Kampf für einen besseren Klimaschutz geht, sagt die Klubobfrau der SPÖ-Josefstadt,
Stefanie Vasold. Und so unterstützt auch die FPÖ das Projekt - wenngleich mit einschlägigen Motiven: "Klimaschutz
ist angewandter Umweltschutz, der die Liebe zu einer lebenswerten
Heimat mit weltumspannender Verantwortung verknüpft", so Klubobfrau Birgit Ossberger in einem Statement.
Sonnenkollektoren und thermische Sanierung
Bei allem Optimismus, den die Politik ausstrahlt, halten sich die Einreichungen zahlenmäßig bisher noch in Grenzen. Eines der fünf gemeldeten Projekte möchte die Handelsakademie beim Hamerlingpark umsetzen: Aus Sonnenkollektoren auf den Dächern soll ein Teil der benötigten Energie gespeist werden. Das Studentenheim in der Pfeilgasse wiederum verfolgt bei seiner momentanen Renovierung ein Konzept mit einer thermischen Sanierung und einem dementsprechend gesenkten Energieaufwand im laufenden Betrieb.
Die Frist für Einreichungen läuft noch bis 22. August, dann wird eine Jury über die Gewinner der drei Kategorien "Unternehmen", "Privatpersonen" und "Organisationen/Vereine" entscheiden. "Wir haben die Jury sehr hochrangig besetzt haben", erklärt Mickel. Juroren sind etwa Ingmar Höbarth, der Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds,
Martin Treberspurg, der den Lehrstuhl für ökologischen Wohnbau an der
Boku innehat und Gerhard Heilingbrunner, der Präsident des
Umweltdachverbands.
Der Bezirk mit dem geringsten Grünraumanteil
5.000 Euro werden insgesamt vergeben, die Hauptpreise in den drei Kategorien sind mit jeweils 700
Euro dotiert und an keinen Zweck gebunden. Daneben wurde noch ein Sonderpreis in der Sparte
"Grünraum im Bezirk" ausgeschrieben. "Heuer ist internationales Jahr des Waldes. Wir haben zwar keinen Wald im Bezirk", meint Veronika Mickel augenzwingkernd, "wollen
aber trotzdem für mehr Grünraum im Achten werben. Wir sind derzeit der Bezirk mit dem geringsten Grünraumanteil und wollen das ändern."
Am Klimaschutzpreis teilnehmen können auch Nicht-Josefstädter, wenn ihr Projekt Bezug zum Bezirk hat. "Und wenn ein Josefstädter eine Idee hat, die er aber woanders verwirklicht, sollte das auch berücksichtigt werden können", übt Mickel Nachsicht. Zeit dafür haben die Teilnehmer noch bis zum Ende der Einreichfrist am 22. August.
Lust auf Klimaschutz machen
"Es geht uns darum, Lust auf Klimaschutz zu machen." Das soll allerdings auch vermehrt abseits des Klimaschutzpreises geschehen. Ein besonderes Anliegen ist der Bezirksvorsteherin das Konzept Carsharing, also die gemeinsame Nutzung von Pkws, die nebenbei auch den Parkplatzmangel im Bezirk dämmen soll. "Wir haben fünf Stellplätze in der
Josefstadt definiert und beim Magistrat einen Antrag gestellt. Damit die Bewohner das Angebot, Autos zu teilen, auch annehmen, wollen wir die Stellplätze bewusst in den öffentlichen Raum integrieren und nicht in Garagen verstecken."
Um das Parkplatzproblem zu lösen und gleichzeitig die täglich in die Luft gelangenden Abgase zu reduzieren, soll den Josefstädtern auch ein Umstieg auf das Fahrrad schmackhaft gemacht werden. "Wir stehen in Gesprächen mit der Frau Vizebürgermeisterin betreffend der Pfeilgasse, die eine fahrradfreundliche Gasse ohne Nachrang für die Radler werden soll. Wir werden uns über den Sommer anschauen, wie wir diese Frage mit Augenmaß lösen können, sodass es für die Radfahrer eine wirklich sichere Lösung ist", so Mickel. (mm, derStandard.at, 24.7.2011)