"Volksmarsch der Empörten" auf Madrid

24. Juli 2011, 09:30

Protestbewegung demonstriert erneut gegen Sparpolitik, Arbeitslosigkeit und für mehr Demokratie

Madrid - Zwei Monate nach den international Aufmerksamkeit erregenden Protestcamps unzufriedener Spanier ist die Puerta del Sol in Madrid erneut zum Mittelpunkt von Massendemonstrationen gegen Arbeitslosigkeit und Sparpolitik geworden. Mehrere Tausend Spanier versammelten sich am Samstagabend auf dem Zentralplatz der spanischen Hauptstadt, um gegen die Kürzungen in der Sozialpolitik, die zunehmende Korruption in der Politik und die ausufernde Arbeitslosigkeit zu demonstrieren. Die Protestbewegung "Echte Demokratie Jetzt!" hatte bereits Mitte Juni landesweit zum "Volksmarsch der Empörten" aufgerufen und sie kamen in einem Sternmarsch aus allen Teilen des Landes in die spanische Hauptstadt.

Mit Tränen in den Augen erreichen auch Andrea Portela und Miguel Gonzalez die Puerta del Sol. Die Architektin und der Betriebswirt aus dem nordspanischen Oviedo sind erschöpft, ihre Füße schmerzen. Mit 150 weiteren "Empörten" sind sie auf der Nordroute über 500 Kilometer in die spanische Hauptstadt gewandert, um am "Volksmarsch der Empörten" teilzunehmen. "Wir müssen den Politikern zeigen, dass die Proteste vor den Wahlen im Mai nur der Anfang waren, und sie nicht einfach so weiter machen können wie bisher", begründet Andrea gegenüber der APA ihre Teilnahme am "Volksmarsch".

Die Blasen an den Füßen sind die Strapazen wert. Der Weg sei vor allem wegen der heißen Sommertemperaturen sehr anstrengend gewesen, sagt Andrea, die sich bereits am 25. Juni auf den Weg gemacht hat. "Doch die Blasen an den Füßen sind die Strapazen wert. Wenn wir sitzen bleiben und den Mund nicht aufmachen, wird sich auch nichts ändern", so die 29-Jährige Architektin, die sich seit über zwei Jahren von einem Praktikum zum nächsten hangelt, ohne auch nur eine wage Aussicht auf eine Festanstellung zu haben. Und ändern müsse sich in Spanien eine Menge, meint auch ihr Begleiter Miguel. Zwar gehört er nicht zum großen Heer der Arbeitslosen, die in Spanien bereits 21 Prozent der Bevölkerung ausmachen, aber den Weg, den Spanien wirtschaftlich, politisch wie sozial einschlägt, hat ihn zum Protest bewegt. "Gerade wurden die Pensionen eingefroren, das Pensionsalter von 65 auf 67 Jahre erhöht, Entlassungen gesetzlich vereinfacht. Ich fürchte um eine sichere Zukunft", sagt der 33 Jahre alte Spanier.

Andrea und Miguel sind längst nicht die einzigen, die aus diesem Grunde die Strapazen der langen Wanderungen auf sich genommen haben. Rund 600 "Empörte" sind nach mehreren Wochen Wanderungen am Samstagabend aus allen Himmelsrichtungen in die spanische Hauptstadt eingezogen, um für "neue Wege der demokratischen Teilnahme und soziale Veränderungen" zu demonstrieren, so Maria Torano, eine der Sprecherin der Protestbewegung im APA-Gespräch. Weitere Zigtausend Demonstranten kamen mit Bussen, der Bahn und Privatautos aus allen Landesteilen nach Madrid, wo am Sonntag neben einer Art nationalen Vollversammlung der "Empörten" am Abend eine erneute Massendemonstration stattfinden wird, zu der bis zu eine halbe Million Teilnehmer erwartet werden.

Politiker nahmen Bewegung anscheinend zu wenig ernst. "Unsere Demonstrationen an diesem Wochenende werden den Politikern zeigen, dass unsere Bewegung an Stärke zunimmt und wir nicht mehr bereit sind, uns manipulieren zu lassen", verdeutlicht die 29-jährige Journalistin Maria Torano. Dennoch gibt sie zu, dass Spaniens Politiker und vor allem die regierenden Sozialisten die Protestbewegung anscheinend wenig ernst genommen haben. "Bisher gingen sie vereinzelt auf einige unserer Forderungen ein. Doch handelte es sich dabei eher um politischen Opportunismus und wahlkampfpolitische Strategien als um eine wirkliche Annäherung an die Protestbewegung und ihre Forderungen", so Torano weiter.

So riefen am Samstagabend auch Zigtausende Demonstranten in Sprechchören "Sie repräsentieren uns nicht!" und forderten mehr Mitbestimmungsrecht der Bevölkerung durch Volksabstimmungen. Vor allem protestierten sie für eine Reform des Wahlrechts, das in seiner jetzigen Form die beiden großen Parteien bei der Sitzverteilung begünstigt. Der Protestmarsch kritisierte dabei sowohl die regierenden Sozialisten (PSOE) als auch die konservative Opposition (PP) durch soziale Kürzungen die Bevölkerung für die wirtschaftliche Krise bluten zu lassen, während die Gehälter von Spitzenmanagern und Bankern unangetastet bleiben. Weiterhin forderten die Demonstranten mehr Transparenz in der öffentlichen Verwaltung sowie eine bessere Trennung von Justiz und Politik. (Manuel Meyer/APA)

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Posting 1 bis 25 von 39
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eknaD
00
24.7.2011, 23:43

war hier nicht gerade irgendwo ein Artikel mit dem Titel "wir sind gekommen um zu bleiben" in dem es auch um den Marsch nach Madrid ging? ich finde den Artikel gerade nicht mehr.

Mein Grossvater hiess Israel Blank
30
24.7.2011, 22:19
hoffentlich ufert es in die bewegungen , wie in Aegypten aus.

Jepedaia Springfield
26
24.7.2011, 19:29
In Europa haben nur die Schweiz und Island eine echte Demokratie!

alle anderen sind nur representatieve Demokratien. Die Bürger können nur zusehen nicht entscheiden.

Sebastian Jacobs
00
25.7.2011, 09:56

In Griechenland und Portugal wurde die Demokratie durch die Übereinkünfte mit dem IWF und der EU quasi auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Dort hat das Volk praktisch keine Gestaltungsmöglichkeiten mehr und kann an dem vorgegebenen Fahrplan auch nichts durch irgendwelche Wahlentscheidungen ändern. Auf Portugal trifft dies im Besonderen zu da sich auch die Oppositionskräfte ausländischen Geldgebern verpflichten musste...einfach so.

Menahem Zitzesbeisser
31
25.7.2011, 00:00
Die Bürger können nur zusehen nicht entscheiden.

Um Entscheidungen treffen zu können, muss man die nötigen Kenntnisse haben, die Leute wie sie offenbar nicht haben. Also fürs Allgemeingut ist es wohl besser wenn Typen wie sie besser zuschauen als entscheiden.

phischi
02
25.7.2011, 09:25
Weil

Politiker die nötigen Kenntnisse haben???

Welcher Politiker ist denn bitte ausgewiesener, studierter, mit jahrzehntelanger, ressortspezifischer Berufserfahrung qualifizierter Spezialist?

Es geht heutzutage in der Politik um Machterhalt, Klientel - Interessensvertretung und die Befriedigung persönlicher Eitelkeiten.
Die Behauptung der persönlichen Bereicherung stelle ich hier NICHT auf...
Mehr DIREKTE Demokratie würde nicht schaden - zumindest nicht der Gesellschaft.

Ihr Posting ist wirklich sagenhaft dumm und präpotent...

eknaD
12
24.7.2011, 23:35
Schweiz - rechtsfreier Raum während der Bilderbergkonferenz in St. Moritz

auch bei der Schweiz ist vieles anders als man denkt, ein Beispiel:

"Für mich ist klar, in St. Moritz wurde für die Bilderberger ein rechtsfreier Raum geschaffen und es gab eine enge Verbindung zwischen den Sicherheitskräften und dem Veranstalter der Bilderberg-Konferenz, dem Gastgeber Daniel Vasella."
http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2011/06/b... ellas.html

noch ein Artikel dazu in der Zeitung Südostschweiz mit dem Titel "Vasella borgte der Bündner Polizei seinen Helikopter": http://www.scribd.com/doc/59561... iz-Seite-4

p c2
00
25.7.2011, 10:14
auch bei der Schweiz ist vieles anders als man denkt

mit sicherheit.

aber immer noch mit viel abstand besser als der gesamte eu-raum.

ganz einfach weil es (noch) die möglichkeit gibt, politiker auf demokratische weise zu bremsen.

im eu-raum ist hierfür der zug längst abgefahren.
hier müssten schon ganz andere methoden angewandt werden.

Ernst Kratochwil
40
24.7.2011, 20:08
Es macht nur wenig Sinn, wenn auf direktem Weg, Freibier für alle

gesetzlich durchgesetzt wurde und keiner die Kohle dafür aufbringt und (so wie jetzt) es dafür auch keine Kredite mehr gibt.

märchenonkel
02
24.7.2011, 21:33
Stimmt, da ist's besser Freibier für wenige auszurufen und alle dafür blechen zu lassen!

Ernst Kratochwil
30
24.7.2011, 21:59
Das würde wenigstens, im Gegensatz zu dem anderen System,

nicht im Bankrott enden.

Am besten wärs aber, wenn man die Verteilung von Lasten und Erträgen halbwegs fair aushandelt.

Also, Klassenkampf in der guten alten Art mit Verhandlungen, Streik, Streickdrohungen, und politischen Druck wäre also angebracht.

Aber Geld das nicht vorhanden ist, mittels Volksabstimmung oder dem Diktat der Strasse zu verteilen, wird nicht gehen.

In Griechenland und Spanien (und sonst in der EU) gibt es eine gewaltige Arbeitslosikgkeit, gleichzeitig erscheinen laufend in den Medien Berichte über den angeblichen Manngel an Fachkräften.
Auch hier im Standard relativ oft.

Sich mit diesem Widerspruch zu beschäftigen wäre weit ökonomischer als endlose und vor allem teure Massendemos abzuhalten .

märchenonkel
13
25.7.2011, 01:29
Aehm, das Sytem ist bereits bankrott.

Jürgen Rembremerding
00
24.7.2011, 18:01
Komische Armhaltung dieser "Empörten"!

märchenonkel
02
24.7.2011, 13:33
Demokratie wollen die? Ja spinnen die denn? Allesamt Terroristen, das Pack! Schnell, härtere Gesetze müssen her!

Papiertiger
09
24.7.2011, 14:46
auch wenn ihr beitrag ironisch gemein ist

unsere politikerInnen basteln leider genau an diesem maßnahmen

märchenonkel
01
24.7.2011, 16:46
Ich weiß, nur ist mit Ernst der Sache nicht mehr beizukommen. Also bleibt nur, die Verursacher ins Lächerliche zu ziehen.

harry haller1
 
02
24.7.2011, 13:10

Ich finde es interessant, wie hier mit den Zahlen gespielt wird:
Am Anfang heißt es "Tausende", dann wird länger von kleineren Gruppen (150 bzw. 600) gesprochen. Erst weiter unten wird zugegeben, dass es eigentlich "Zigtausende" waren.

Auch die Assambleas, die Organisationsstrukturen der Protestierenden, findet keine Erwähnung, man liest von "den Demonstranten", die als mutige Einzelakteure erscheinen.

Wenn dieser Artikel objektiv geschrieben worden wäre, würde die Bewegung stärker wirken. Ein Schelm, ...

-blos so-
01
24.7.2011, 12:11
die Reichen Manager, Politiker und Industriemagnaten nehmen es sich wenn die Wirtschaft läuft

geben aber nix mehr her, wenn die Wirtschaft kracht...

leider ist das allgemeine arbeitende Volk... der Pöbel, wie die Reichen zu sagen pflegen... zum Glück der Reichen zu dämlich um das zu unterbinden...

die Parasiten setzen sich ab und werden abgewählt (was für eine harte Strafe *g*) und die Müllmänner der Politik werden dann geprügelt für die Reformen die sie dann machen müssen...

man sollte seinen Frust und Zorn immer dort abladen wo er hin gehört... und diese Leute gibt's auch bei uns... die Soziopathie ist prozentuell genau so überall vertreten wie es zB jede sexuelle Ausrichtung immer geben muß - egal wie abartig sie auch sein mag...

...aber wie kann man die Soziopathen effektiv kontrollieren?

Ernst Guevara
218
24.7.2011, 11:09
finde es immer wieder spannend,

wie hier von seiten der medien versucht wird, die problematik als rein spanisches phänomen zu vereinfachen, damit nur ja niemand auf die idee kommt, dass es sich um systemimmanente probleme handelt, von denen alle mehr oder weniger betroffen sind, die im kapitalismus leben. der umgang ist ja ganz ähnlich wie im falle von griechenland, wo auch versucht wird, die ereignisse möglichst als "griechisches problem" darzustellen. natürlich dürfen auch idiotische klischees nicht fehlen, die die griechen als faule und korrupte säcke imaginieren, die über ihre verhältnisse gelebt haben. da hinkt die mediale und politische propaganda bei spanien noch etwas hinterher, obwohl es doch relativ einfach wäre, die siesta zur wurzel allen übels zu erklären.

p c2
00
25.7.2011, 10:25
von denen alle mehr oder weniger betroffen sind, die im kapitalismus leben

wir leben schon längst nicht mehr im kapitalismus.

das ist ja auch gerade das problem.

falls sie das nicht so sehen, empfehle ich ihnen sich ganz einfach mal damit zu befassen, was kapitalismus wirklich ist.

HrMili
12
24.7.2011, 14:20
Ich bin von den Medien immer mehr enttäuscht

Sie dienen nur noch mehr dem Propaganda der Trennung und lenken von den gemeinsamen Problemen ab. Somit erkennen wir auch nicht den Ursprung der Probleme. Das Geldwirtschaftssystem selber. Siehe die Doku "Zeitgeist Moving Forward" auf Youtube!

Kapitalismus Luege
10
24.7.2011, 13:31
Rosa Luxemburg Stiftung

zeigt genau die von dir angeschnittene Problematik auf:

http://tinyurl.com/3thtg2p

Karl Heiden1
05
24.7.2011, 10:51
Schöner Erfolg für Stéphane Hessel: "Indignez vous!"

Selbständiger
16
24.7.2011, 10:45
Wir müssen den Politikern zeigen, ...... dass sie nicht einfach so weiter machen können wie bisher.

Beschämend für Österreich.

Hier kuschen und a...kriechen die Leute noch immer für ein paar Cent Beihilfen, Förderungen und Privilegien. Bei uns schreien die mehrheitlichen Neider nur immer, neht diesen und jenen noch mehr weg und gebt es mir.

In der Hoffnug auf Unterstützung durch das politische Gesindel, biedern sie sich an, kriechen und lassen für die paar Cent Schweigegeld zu, dass diese sich und ihre Parteien ungeniert berreichern. Meist auf Kosten ihrer Kinder.und Enkelkinder.

Bei uns gehen nur die Handaufhalter und Nehmer auf die Strasse, wenn sie weniger bekommen und mehr Selbstverantwortung für sich übernehmen sollen.

Normand geht auf die Strasse um unseren politischen Verbrechern und Verschwendern Einhalt zu gebieten

vinzenzheim
13
24.7.2011, 14:23

den politikern? die sind doch nur die marionetten des großkapitals.

warum also nicht gleich die ursache bekämpfen?

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