EU-Kommissarin Georgieva ist auf dem Weg nach Kenia - UN: Können zwei Millionen hungernde Somalier nicht erreichen
Brüssel/Dadaab - Die Vereinten Nationen haben nach eigenen
Angaben keine Möglichkeit, mehr als zwei Millionen vom Hungertod
bedrohten Somaliern zu helfen. Möglicherweise müssten Lebensmittel
von Flugzeugen aus über einigen von Islamisten kontrollierten
Gebieten abgeworfen werden, erklärten Mitarbeiter des
Welternährungsprogramms (WFP) am Samstag. Der Zugang zu 2,2 Millionen
Menschen werde verwehrt, sagte WFP-Direktorin Josette Sheeran. Sie
beschrieb Somalia als den gefährlichsten Ort, an dem das WFP weltweit
im Einsatz sei. "Aber die Menschen sterben. Es geht nicht um Politik,
es geht jetzt darum, Leben zu retten."
EU stockt Hilfen auf
Die Europäische Union stockt ihre Hilfen für hungernde Menschen am Horn von Afrika auf. EU-Kommissarin Kristalina Georgieva sagte am Samstag zu Beginn ihrer Keniareise zu, dass die Kommission weitere 88 Millionen Euro für die Linderung der Not in dem Katastrophengebiet bereitstellen werde. Damit steigen die Hilfeleistungen der Kommission für die Region auf fast 160 Millionen Euro.
"Die Krise am Horn von Afrika hat ein bislang ungekanntes Ausmaß angenommen und erfordert daher Hilfe in einem noch nie erreichten Umfang", sagte die für Katastrophenhilfe zuständige Kommissarin Georgieva. In diesem Jahr hat die Behörde der Region bereits 70 Millionen Euro bereitgestellt.
Reise nach Kenia
Georgieva werde das Flüchtlingslager Dadaab besuchen und dort Familien treffen, die Somalia verlassen mussten, weil die jahrzehntelangen Konflikte und die schlimmste Dürre seit sechzig Jahren nun zu einer Hungersnot geführt haben, hieß es in Brüssel. Die Kommissarin werde außerdem Vertreter kenianischer Behörden treffen und mehrere EU-Projekte besuchen. Dürre, Massenvertreibungen und hohe Nahrungsmittelpreise am Horn von Afrika haben nach Angaben der Kommission die weltweit größte humanitäre Krise ausgelöst, die derzeit rund elf Million Menschen trifft.
Mit dem neuen Hilfepaket der Kommission werden Nahrungsmittel für die am stärksten gefährdeten Haushalte bereitgestellt. Zudem leistet die EU Unterstützung gegen Viehkrankheiten in Kenia, Äthiopien, Somalia und Dschibuti.
IKRK verteilte im Süden Somalias Lebensmittel
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz
(IKRK) hat nach eigenen Angaben 400 Tonnen Lebensmittelhilfe im von
der radikalislamischen Shebab-Miliz kontrollierten Süden Somalias
verteilt. Die Güter seien bereits am Samstag "ohne Zwischenfälle" im
Bezirk Bardera in der Provinz Gedo verteilt worden, sagte ein
IKRK-Sprecher in der kenianischen Hauptstadt Nairobi am Sonntag der
AFP. Es sei das erste Mal seit 2009, dass das IKRK in den von den
Shebab-Milizen kontrollierten Gebieten Nahrungsmittelhilfen direkt an
die Bevölkerung ausgegeben habe.
Die Provinz Gedo grenzt an die Provinzen Bakool und Lower
Shabelle, für die die UNO angesichts der Dürrekatastrophe am Horn von
Afrika offiziell eine Hungersnot ausgerufen hat. Die Shebab-Miliz
hatte angekündigt, keine internationale Hilfe für die hungernden
Menschen zulassen zu wollen; ausländischen Hilfsorganisationen werde
eine Wiederaufnahme ihrer Arbeit in der Region nicht erlaubt. Der
IKRK-Sprecher sagte nun, die Auslieferung der Lebensmittel sei "mit
vollständiger Transparenz" für die örtlichen Behörden abgelaufen,
also für die Shebab-Miliz. Die Hilfsaktion sei vollständig vom IKRK
selbst ausgeführt worden.
Den Angaben zufolge war die Lebensmittelhilfe für 4.000
Familien
und damit etwa 24.000 Menschen bestimmt. Jede Familie habe rund 100
Kilogramm Lebensmittel bekommen, darunter 20 Liter Speiseöl und mehr
als 40 Kilogramm Reis, sagte der IKRK-Sprecher. Weitere Lieferungen
sollten in den kommenden Tagen folgen.(APA)