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In der Mitte ruht der gehackte Hirsch
Zweimal drei Gänge mit Apfelsaft, Wein, Wasser, Kaffee: 134,29 Euro

Küchengruß, vegetarisch: Karfiol auf Gurkensalat

Küchengruß, weniger vegetarisch: Kalbsbutterschnitzelchen, ebenfalls auf Gurkenpolster

Schafkäse, wurstlos

Saibling, prächtig, roh und ordentlich bezwiebelt

Melone, weiß die Vegetarierin noch, und: sehr gut!

Hardcore für Fidler: Gänseleber auf Kutteln. Sehr, sehr, sehr gut, ich muss es leider sagen

Gnocchi mit Eierschwammerl, erinnert sich die Vegetarierin voller Freude - und mein gewaltig gutes Kotelett finden Sie im Text
Manche Wirte machen's mir wirklich schwer (die Leier kennen Sie schon). Nicht schwer, sie zu mögen. Aber sie zu besuchen, und das ist ja doch eher eine Voraussetzung für's Mögen. Nehmen wir Mike Johann. Der hat einige schwere Hürden eingebaut.
St. Aegyd am Neuwald streife ich ja wenigstens ab und an. Nein, nicht auf dem Weg zu allfälligen Raimundspielen in Gutenstein oder gar auf einen Hirschen bei Frau Dr. Lindner. Bis 2006/7 hätte ich ohnehin gesagt, ein Besuch wäre zu gefährlich. Bei den Sommerspielen natürlich. St. Aegyd liegt motorradtechnisch günstig, also auch das Blumentritt, wo Mike Johann aber schon länger nicht mehr zugange ist.
Nach Bruck und z'ruck, wenn man in einem Tag möglichst viele Kurven unterzubringen sucht? Eher nein, und Mike Johann hat seit dem Blumentritt schon noch einige Gänge zugelegt. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich danach noch einspurig unterwegs sein möchte - oder das so sähe.
Also müsste ich gezielt die Obersteiermark besuchen, um in Johanns Johanns in Bruck ordentlich zu essen. So reizvoll mir die Gegend wirkt, mehr zu besuchende Menschen (und Winzer) kenn ich in der Südsteiermark und in der Südweststeiermark. Und die S6 scheint mir dorthin nicht die Idealroute.
Und wo der Raum schon hakt, passt die Zeit oft auch nicht recht: Montag bis Freitag hat der Johann sein Minilokal offen. Samstags bringt er Bruck und Umgebung, auch der weiteren, Kochen bei. Mach ich gern auch, aber alles der Reihe nach: erst einmal essen.
Also müsste ich für einen Wochenendausflug Freitagabend ansteuern, und trotz formidablen Ausbaus der S6 - bei mir ist nix mit Frühschluss vor dem Weekend, und die Tangente ist Freitagspätnachmittags auch kein reines Vergnügen.
Aber sonst ist alles ganz einfach
Aber sonst ist es eigentlich ganz einfach, bei Johann zu essen. Wenn man einen Tisch bekommt von den vieren, deren Unterkunft er wahlweise als Wohn- oder Esszimmer vorstellt. Das geht natürlich auch nicht immer.
Zum Beispiel, als die Vegetarierin die gemächlichere Rückreise vom Millstätter See plante, um den gerade aus ihr unerfindlichen Gründen schief gewickelten Carnivoren auf sozial verträgliche Betriebstemperatur herunterzukühlen. Das Mariazellerland schloss sie wegen großen Geweses aus, wie Sie wissen, wobei ich gerade noch einen wesentlichen Grund gehört habe, den Franzlbauer zu besuchen. Davon ein ander Mal, sonst brauchen wir noch länger zum Essen.
Dienstags gerne
Johann zierte sich ein wenig: Montagabend? No way. Bis Donnerstag nur noch Dienstagmittag Platz für Fidler. Danke, nein. Bis die Vegetarierin, wofür ich ihr (schon wieder) praktisch ewig dankbar bin, Montagabend eins und eins und noch eins zusammenzählte: 1) Wir essen heute abend in Liesing, dem bei Kammern. 1) Sie muss Dienstagfrüh nicht gleich zu ihrem Augenstern und würde eigentlich doch noch gern in der Gegend bleiben, wenn's sein muss, sogar mit mir. 1) Gegessen muss werden, und das gut. Genau. Und Herr Johann hatte Dienstagmittag noch Platz für zwei, gar an drei Tischen, wie sich zeigte. Merke: Dienstagmittag geht man in Bruck an der Mur einfach nicht wunderbar essen. Das war unsere Chance: Endlich zu Tisch!
Styrian.Sushi.Saibling.Lauch
"Styrian.Sushi.Saibling.Lauch": An die Schreibe muss man sich vielleicht ein bisschen gewöhnen, aber das kennen Sie ja gut von Schmeck's, und da folgt dem Lesen nichts annähernd so Schönes. Wie der, klar, rohe Saibling mit vielleicht ein bisschen viel Schärfe, die ich frühlingszwiebelig in Erinnerung habe. Soll dem Prachtfisch und mir nichts Schlimmeres widerfahren.
Hardcore-Küche, boykottverdächtig
Wenn ein Wirt Speisen in der Rubrik "Hardcore Kitchen Klassiker" anbietet, kann der Fidler nicht daran vorbeiessen. Ich gebe es zu, prügelposten Sie mich, und ich meine nicht die Schreibweise: Ich hatte "Kalbs.Kutteln.Gänseleber". Gegen meinen Vorsatz (nämlich alle Gänsefett-, also ziemlich sicher -stopfleber Herrn Hilberg zu überlassen). Aber von Hilberg haben wir schon lange nichts gelesen, also muss ich seinen dirty job übernehmen. Ich sage nur: f*****g schlüssig, die Kombination. Wieder was gelernt. Mit schlechtem Gewissen halt.
Es kommt noch fetter
Aber es kommt noch fetter. Als Herr Johann abseits der für manche/n ohnehin schon recht versauten Karte ein Kotelett vom Mangalitzaschwein mit, jedenfalls roh und gut abgelegen, sieben Zentimeter Fett. Was soll ich Ihnen sagen: Ich denke nur an Johanns fette Brüste, aber diese Sau kommt von Thomas Faul aus Kirchberg an der Raab, und eben Kotelett, nicht Brust. Aber nicht weniger fett.

Ich gebe zu: Ich hab nicht alle Zacken dieser Krone vollständig verputzt (manch Poster/in wird sich dennoch um meinen Cholesterinspiegel sorgen, und das zu Recht). Aber habe ich jemals Fett, und ich meine wirklich reines Fett, auf der Gabel so genossen?
Zehn Autostunden zum Noma
Johanns WC-Spiegel relativiert dann noch die Anreiseproblematik: Einer von vielen sachdienlichen Hinweisen darauf versichert, es wären nur 10 Autostunden von Bruck ins beste Restaurant der Welt, ins Noma. Na dann schaff ich's dorthin auch noch*.
PS: A propos Erinnerung: Den gehackten Hirsch hab ich noch nicht erwähnt. Das sympathische Tier kommt, praktisch als Gedeck, in kleine, feine, trocken-rauchige Späne gehackt.
PPS: Ja, der Vegetarierin hat's auch geschmeckt. Mehr dazu in der Bildleiste. Damit die Gschicht nicht noch länger wird.
*) Bis dahin empfehle ich weiterhin Katharina Schells Eindrücke in Wort und Bild. Wobei die schon wieder im nächsten großen Ding war. Bleiben Sie dran.
Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
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Im südburgenländischen Gasthaus Sampl sorgte man sich ernstlich um des Schmecksologen Kapazität - leider
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dass er vor lauter fetten, abgeschleckten Fingern keine g'scheiten Sätze mehr tippen kann. Im Ernst - dieses "Geschreibsel" macht weit mehr Lust aufs Essen als ein trockener Bericht im Gault Millau (in dem Ich gerade bei einem mir bekannten Lieblingsbeisl als Negativpunkt "zu große Portionen" gelesen habe *pffff*).
hat Herbert Hufnagl im Kurier geschrieben, wie eine Gruppe im Blumentritt telefonisch reservieren wollte. Man hat geantwortet, daß man keine Gruppe im Haus haben möchte. Und auf die Frage, was wäre, wenn man in mehreren kleineren Einheiten reservieren würde, war die Antwort: "Wir werden auch das zu verhindern wissen".
Hufnagl hat das Blumentritt als Musterbeispiel bezeichnet, wie sich ein Lokal erfolgreich gegen Gäste wehrt.
Es ist zu hoffen, daß diese Stategie nicht mitgenommen wurde.
Durchaus nicht, aber so viel Teller für so wenig Speise? ;-)
Sind wunderschön angerichtete Speisen, keine Frage. Jedoch allein beim Kalbsbutterschnitzelchen (Gut dass ein CHEN angehängt wurde) müsste ich mir schon die Frage stellen, ob ich das Messer dafür überhaupt anpatzen soll.
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