Wohngespräch

Wir haben Marillenbäume im dritten Stock

Wojciech Czaja, 22. Juli 2011, 20:15
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    foto: lisi specht

    Michael Diewald und sein Avocadobaum: "Ich habe kein großes Bedürfnis, mich einzurichten. Ob ein Kasten so oder so ausschaut, ist mir ziemlich wurscht."

    (Foto: Lisi Specht)

Michael Diewald, Besitzer des Wiener Schokogeschäfts "Blühendes Konfekt", hat einen Dachgarten in der Sargfabrik

Michael Diewald führt das Wiener Schokogeschäft "Blühendes Konfekt". Die meisten Blumen baut er eigenhändig in seinem Dachgarten an. Wojciech Czaja war schnuppern.

***

"Ich wohne in der Sargfabrik, und die Stimmung hier in der Anlage ist sehr entspannt. Früher wurden hier tatsächlich Särge produziert. Als die Fabrik dann geschlossen wurde, hat das Wiener Architekturbüro BKK-3 hier ein Wohnhaus geplant - mit Schwimmbad, Dachgarten, Café und diversen nachbarschaftlichen Aktivitäten. Es gibt einen Chor, eine Kochgruppe, Tanzseminare, Car-Sharing und so weiter. Dafür gibt es keine Garage im Haus. Ich finde das sehr gut.

Ich wohne hier mit meiner Frau Kerstin und meiner kleinen Tochter Mira. Das Schöne ist: In der Sargfabrik ziehen alle an einem Strang. Die klassischen Nachbarschaftsstreitereien über die Schuhe am Gang und die Thujenhecke, die über den Zaun wächst, oder irgendwelche Anrufe bei der Polizei, weil wieder jemand zu laut feiert, die gibt es hier nicht.

Ich persönlich nutze am liebsten das Schwimmbad. Meist lege ich mich spät am Abend für eine Viertelstunde ins Wasser und lasse die Gedanken passieren. Und im Winter, wenn es draußen kalt ist, gehe ich ins Tepidarium. Das ist eine Art Dampfkammer mit weniger Hitze und weniger Dampf, dafür aber mit einer fantastischen Akustik. Meistens bin ich da allein, und so hat es sich ergeben, dass ich im Tepidarium vor mich hin singe und je nach Lust und Laune mit meiner Stimme experimentiere.

Nach dem Singen gehe ich dann meist bloßfüßig in den Dachgarten und mache ein paar Minuten Qigong. Aber natürlich ist der Dachgarten nicht nur eine Qigong-Sitzwiese, sondern vor allem ein wunderschöner Garten. Es gibt Wiesen, Obst- und Gemüsebeete, ja sogar Pfirsich- und Marillenbäume. Und das im dritten Stock! Manchmal schnapp ich mir das Tablett und setze mich zum Frühstücken in die Wiese.

Doch vor allem nutze ich den Dachgarten zum Anbau von Kräutern und Blumen. Für mein Geschäft Blühendes Konfekt brauche ich ja frische Blüten, die dann zu kleinen Bonbonnieren verarbeitet werden. Manche dieser Pflanzen gibt es in Österreich nicht, also bestelle ich mir manchmal ein paar Samen und setze sie am Dach selbst ein. Das ist mein persönliches Experimentierfeld. Letztes Jahr habe ich mexikanische Duftnesseln, sogenannte Agastachen, angebaut. Heuer habe ich verschiedene Minzsorten und Himbeersträucher. Ja sogar Wildpflanzen wachsen hier oben! Es gibt wilden Oregano, wilden Thymian und Johanniskraut. Damit kann ich bereits einen Teil meines jährlichen Blütenbedarfs abdecken.

Auch in der Wohnung habe ich Pflanzen. Der Avocadobaum ist 25 Jahre alt und hat schon einige Übersiedelungen überstanden. Er hört einfach nicht auf zu wachsen. Inzwischen ist der Baum so groß, dass wir quer übers Wohnzimmer Schnüre spannen müssen, um die Äste festzuhalten. Zum Glück ist das Wohnzimmer fast fünf Meter hoch. Da geht sich das gut aus. Der Rest der Wohnung hat dafür nur 2,26 Meter Raumhöhe.

Wir haben fast nur alte Möbel. Ich mag neue Möbel nicht, außerdem bin ich ein Verfechter des Wiederverwendens und des Recyclings. Ich würde niemals in ein Möbelhaus reingehen. Mir graut davor. Und so ist das Wohnzimmer ein ziemliches Sammelsurium. Das Bücherregal ist von unserer Vormieterin, die Sitzbank und die Küchenkredenz sind aus meiner alten Junggesellenwohnung, und die kleinen Kastln sind von irgendwelchen Tandlern.

Das meiste ist billigst gekauft. Ganz ehrlich: Ich habe kein großes Bedürfnis, mich einzurichten. Die Möbel sind nur Gebrauchsgegenstände. Ob ein Kasten so oder so ausschaut, ist mir wurscht. Und wenn's mir daheim mal nicht gefällt, dann gehe ich rauf in den Dachgarten oder fahre in die Stadt, setze mich auf eine Bank und nutze die Stadt als erweitertes Wohnzimmer." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.7.2011)

 

Michael Diewald, geb. 1964 in Wien, studierte Betriebsinformatik an der Universität Wien und Raumplanung an der TU Wien. Nach einigen Jahren als Software-Spezialist bemerkte er, das Falsche studiert zu haben. Er begann, Trommelunterricht zu geben und ein Wildpflanzen-Catering ins Leben zu rufen. 2003 erschien das Kochbuch Die besten Wildfruchtrezepte (mit Elisabeth Mayer, Stocker Verlag). 2006 gründete er in Wien-Mariahilf das Geschäft Blühendes Konfekt, in dem er Blüten zu Schokoladekonfekt verarbeitet. Diewald lebt mit seiner Frau Kerstin Bartel und seiner Tochter Mira (3) in der Sargfabrik in Wien.

Link

www.bluehendes-konfekt.com

Kommentar posten
25 Postings
Kra Wuzikabuzi
01
26.7.2011, 09:18
Wir haben Marillenbäume im dritten Stock

Wir habern Cucarachas im 4. Stock.

Mama Breitfuss
00
16.8.2011, 09:31
Vielleicht solltest endlich amoi...

...an Zimmerjäger kommen lassen!?!?!
Oder willst warten bis sich die Viecher im ganzen Haus verbreiten?

Die Ratte Beate
01
26.7.2011, 08:35
Habe auch schon

"M-Pflanzen" im 3. Stock gehabt...

derPolizist
10
25.7.2011, 21:59
Ich wohne in der Sargfabrik,..... Früher wurden hier tatsächlich Särge produziert.

Na echt!? Das hätt ich mir NIE gedacht...

violavioletta
 
31
25.7.2011, 17:25
es gibt eine menge...

menschen in wien die haben gar nix nicht mal ein dach über dem kopf, vielleicht sollte man denen mal einen artikel widmen...

Hinterwirth
00
10.8.2011, 08:29
Die haben nicht nur einen Artikel, sondern

eine ganze (recht gute) Zeitung. Kauf die, dann hilfst du einem sogar.

Heavyweather
00

Wozu?
Die haben ja auch keine Wohnung...
Kannst ja einmal einen Kommentar schreiben...

Dr Don Tango
41
25.7.2011, 17:04

bei "Tanzseminare, Car-Sharing" hab ich zu lesen aufgehört

pipi pipifax
01
25.7.2011, 22:06

na und?

Norbert Dichand
32
25.7.2011, 16:22
Bobo-Zoobesuche?

Die Serie hier erinnert irgendwie an die kleinen Taferl die in Schönbrunn an jedem Gehege hängen.

lanebbia
13
25.7.2011, 15:32

Ich habe auch einen Marillenbaum, zweimal Pfirsich und Zwetschken, Himbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren, Erdbeeren, Weintrauben, Holler usw., alle blühen, alle fruchten, es gibt Marmelade draus und Kompott und Saft und alles in der Stadt.
Krieg ich jetzt auch einen Gratis-PR-Artikel in der Zeitung?

Heavyweather
00

bist super.

ordo templiorientis
00
23.7.2011, 23:40
hmmmm!

blühendes konfekt... ein luxus den sich jeder ab und zu mal gönnen sollte um zu genießen!

nuts'n'fruits
05
23.7.2011, 17:49
Der Avocadobaum..

..braucht dringend Düngung bzw. einen größeren Topf! Sieht man an den gelben Stellen zwischen den Blattadern (Interkostalfelder) und der dürftigen Belaubung. Das Problem hatte ich auch, habe selbst zwei kleine Avocados. Avocados haben einen hohen Nährstoffbedarf. Mit halber Düngermenge anfangen, dann alle 2 Wochen Normaldosis Volldünger. Ich empfehle einen organischen Flüssigdünger.
Die Pflanze wird es Ihnen danken.

Heavyweather
00

Wachsen da auch Avocados drauf?
Ich kaufe meine bis jetzt immer im Supermarkt.

joschka07
01
25.7.2011, 09:30
Meine Avocado ...

dünge ich inzwischen alle drei Wochen - allerdings sehr vorsichtig: nicht nur Unterdüngung, auch Überdüngung ist eine Gefahr.

Mein Avocado und ich haben uns auf ein Düngeverfahren geeinigt - und er dankt es mir prächtig, nachdem mein 3 Meter Baum vor 2 Jahren beinahe abgestorben wäre und am Ende nur mehr gezählte 12 Blätter hatte. Inzwischen wächst er - aufgrund der sparsamen Düngung - aber prächtig und hat Monsterblätter von einem halben Meter Länge :-)))

nuts'n'fruits
00
25.7.2011, 19:29

Ja, mein Tip war leider nicht detailiert genug. :)
Bei einer Pflanze, die schon merklichen Mangel hat, kann man, mit einem sanften(!) Einstieg, schon 3-4 mal volle Dosis düngen. Aber mit vorsichtigem Düngen ist man natürlich immer gut beraten. Und meine Dosierungsangabe bezieht sich natürlich nur auf die Hauptwachstumsphase, also Sommer.
Versteh ich das richtig, dass Ihr Baum beinahe an Überdüngung gestorben wäre? Wie haben die Blätter da ausgesehen, rein aus Interesse?

joschka07
00
26.7.2011, 11:15
Nein, nicht an Überdüngung:

Ich hatte eine Umbauphase in der Wohnung und bin wochenlang kaum an meine Avocado herangekommen. Sie ist interssanterweise zwar weiter gewachsen, hat mir danach aber die Vernachlässigung "sehr krumm genommen" und Blatt für Blatt abeworfen.

Ich hab dann sicher auch den Fehler gemacht, dass ich dachte, ich sollte sie nach dem Blattverlust gar nicht düngen - weil ich Angst hatte, ich würde sie sofort überdüngen (was ein Blödsinn war).

Die Blätter vertrockneten dabei teilweise - waren jeweils etwa zur Hälfte noch am Leben, zur anderen Hälfte trockenes Laub. Ich hab dann alles kräftig zurückgeschnitten - und heuer mich doch getraut, sie wieder zu sparsam düngen. Praktisch über Nacht ist sie dann richtig explodiert - zu meiner Freude!

Berufsfähige Frau
00
24.7.2011, 22:48
Avocadobaum - Pflegetips bitte

Wie gross soll denn der Topf sein fuer einen Avocadobaum? Habe es erstmals geschafft, einen halben Meter hohen "Baum" zustandzubringen. Nun fallen unten die Blätter ab; der Stamm ist dünn. Der Topf ist ca. 30 cm hoch, passt das? Ab wann topft man um?
Danke für alle Tips!

nuts'n'fruits
00
25.7.2011, 19:40
nachtrag

Dass Blätter weiter unten, also die älteren, irgendwann Abfallen ist vollkommen normal. Wichtig ist das gesamte Erscheinungsbild. Wenn Blätter allgemein gelblich werden, ohne sichtbaren Schädlingsbefall auf selbigen, dann hats meistens was mit den Nährstoffen oder der Vitalität der Wurzeln (Nährstoffmangel, Überdüngung, Staunässe, Schädlinge). Wenn die Spitzen austrocknen, dann könnte es zu wenig Wasser sein (kommt selten vor, "man" neigt ja eher dazu, zu viel zu giessen). Ein halber Meter ist ja noch nicht sooo groß für eine Avocado, und diese Pflanze braucht ihre Zeit, um an Stammumfang zuzunehmen. meine sind in etwa 120cm groß und die Stämme sind auch alles andere als dick.

nuts'n'fruits
00
25.7.2011, 19:21

Also die Topfgröße richtet sich - bei jeder Pflanze - nach dem Wurzelballen. Wenn der Topf gut durchwurzelt ist, kann man umtopfen. Bei einem Exemplar wie auf dem Bild braucht es schon einen recht großen Wurzelballen, um das Bäumchen mit genug Wasser und Nährstoffen versorgen zu können. Um die Wurzeln beurteilen zu können, muss man vorsichtig den Ballen aus dem Topf heben, was bei einem guten, kompakten Ballen normalerweise nicht schwer sein sollte. Für die Größe des nächsten Topf gibt es keine allgemeine Regel, einfach nach Gefühl handeln. ;) Übrigens sollte man nach dem Eintopfen einige Wochen bis zu einem Monat nicht düngen, da eine zu hohe Nährstoffkonzentration das Wurzelwachstum hemmt. Und Dünger generell nur in der Wachstumsphase.

Joe Jo
01
23.7.2011, 10:24
Das blühende Konfekt schaut super aus,

aber schmecken tut es nicht so gut wie es aussieht. Leider.

elderem
00
25.7.2011, 11:15

das hab ich leider auch erfahren müssen. der geschmack ist bei dem preis indiskutabel.

jumpingjack flash
00
25.7.2011, 18:24

zuviel zutaten erschlagen sich. das beste was ich dort kosten durfte war der rosenkrokant. vielleicht wär eine linie mit weniger verschiedenen geschmacksrichtungen in einem einzigen bonbon für manche erfüllender.

wizenstain
01
23.7.2011, 07:52
Ob ein Kasten so oder so ausschaut, ist mir wurscht.

dafuer haengen anscheinend schoene bilder und teppiche herum, wie auf dem foto zu sehen

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