Goethes "Faust" an die Wand gespielt

22. Juli 2011, 19:56
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Publikumsfreundliches Dreistundenprogramm im Steinbruch in Krastal bei Villach

Seit 2005 dient der malerische Steinbruch in Krastal bei Villach als Aufführungsstätte für klassische Theaterstücke. Die Synthese aus Naturgewalt und menschlichem Gestaltungswillen bildet die idealen Voraussetzungen für ein Theater vom Guten und Bösen.

Manfred Lukas-Luderer inszeniert das Opus magnum mit der Sicht auf das Wesentliche: Er komprimiert den Text des Faust I auf ein publikumsfreundliches Dreistundenprogramm, reduziert das Ensemble auf sechs Schauspieler, die Doppel- und Dreifachrollen übernehmen (müssen), und belässt die abenteuerliche Kulisse großteils in ihrer schroffen Monumentalität. Bruchstückhafte Utensilien verstärken das Bühnenbild einer menschlichen Baustelle auf der Suche nach Erfüllung und Vollendung. Die mächtigen Abstufungen des Steinbruchs – gekonnt mit Lichteffekten sowie Videoinstallationen verfremdet – verleihen dem Geschehen abwechselnd intim gespenstischen und archaisch drohenden Charakter.

Der Regisseur gibt den Faust und wählt für den Widerpart des Mephisto Peter Uray, mit dem er schon vor 30 Jahren zusammengearbeitet hat. Lukas-Luderer zeichnet seine Figur als ein weniger nach Erkenntnis als vielmehr nach Trieberfüllung strebendes Wesen: Wortgewaltig nähert er sich den menschlichen Schwächen. Peter Uray verkörpert einen Teufel des Zynismus und der Süffisanz, der sich an den Schwächen seines Opfers eher verhalten weidet.

Beeindruckend verfährt Katrin Hauptmann, die mit allen Sinnen und höchstem Einsatz als Gretchens agiert. Open-Air-Theater mit all seinen Meriten, eindrucksvoll in Szene gesetzt. (bay/ DER STANDARD, Printausgabe, 23./24.7.2011)

Krastal bei Villach, 04242/27 34, bis 13. 8.

  • Peter Uray, Manfred Lukas-Luderer (v. li.).
    foto: kandler

    Peter Uray, Manfred Lukas-Luderer (v. li.).

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