Willkommen in der Transferunion

Kommentar | Andreas Schnauder , 22. Juli 2011, 19:30

Die neuen Griechenland-Kredite werden nicht die letzten Opfer für den Euro sein

Etwas schwummrig brüten zahlreiche Experten und Finanzpolitiker über dem Abschlussdokument des Euro-Gipfels, bei dem neue Hilfen für Griechenland, eine Beteiligung privater Gläubiger und eine Aufwertung des Rettungsfonds EFSF beschlossen wurden. Selbst eingefleischte Kenner können nicht erklären, wie die dicken Zahlen über den Beitrag der Finanzindustrie zustande kommen. Der bei den Verhandlungen in Brüssel zu Rate gezogene internationale Bankenverband spricht von einem Volumen von 135 Milliarden Euro bis 2019, die Staats- und Regierungschefs von 106 Milliarden.

Fragt sich nur, warum angesichts dieses gewaltigen Aderlasses die Bankaktien so in die Höhe schnellten. Monatelange wurde die Politik von höchster Bankenseite, namentlich der Europäischen Zentralbank, vor neuen Finanzturbulenzen gewarnt, die eine Umschuldung nach sich ziehen würde. Die Erschütterungen würden sogar den Kollaps an den Märkten nach der Lehman-Pleite in den Schatten stellen, ereiferte sich EZB-Chefökonom Jürgen Stark. Wenige Stunden nach der Einigung am Gipfel preist Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny die Beruhigung an den Märkten.

Doch man sollte nicht kleinlich sein. Immerhin gibt es im Paket drei wesentliche Errungenschaften. Die Konditionen für die Hilfen werden aus der Sicht Griechenlands, Irlands und Portugals besser; die drei Staaten erhalten zudem mehr Zeit zur Sanierung ihrer Staatsfinanzen. Zudem wird die Verschuldung Athens mit den Maßnahmen auf einen Schlag gedrückt, wodurch sich die Chancen, dass das Manöver glücken wird, steigen. Und der EFSF wird stark ausgebaut: Präventive Hilfe, bevor ein Land illiquid ist, wird ebenso ermöglicht wie die Rekapitalisierung von Banken. Man kann das durchaus als Beginn eines Europäischen Währungsfonds betrachten.

Doch genau darin liegt auch schon das Problem - zumindest für zahlreiche Steuerzahler: Die jetzigen Schritte sind zwar nicht die ersten, aber doch sehr große in Richtung Transferunion. Wenn der Rettungsfonds Kredite, die er mit Haftung der Trägerstaaten aufnimmt, um 3,5 Prozent an die Mitglieder weiterreicht, geht die Differenzierung zwischen Nehmer und Geber verloren. Dass der Schlendrian in der Finanzpolitik belohnt wird, indem man rasch unter einen komfortablen Schirm schlüpfen kann, widerspricht allen Ankündigungen zur strengeren Budgetgebarung. Da könnte man gleich die in Berlin und Wien so verpönten Eurobonds einführen, mittels derer die Kreditaufnahme vereinheitlicht würde. Und wenn wir schon dabei sind: Warum nicht gleich ein einheitliches Steuer-, Budget- und Sozialsystem einführen?

Darüber zu diskutieren wäre durchaus sinnvoll. Doch stattdessen spricht man von einer Stabilisierung des Finanzsystems. Die ist - das weiß auch Herr Nowotny - nicht gewährleistet, weil drei Tage lang Euro und Bankkurse steigen. Das griechische Experiment ist noch lange nicht aufgegangen, bleibt doch die Schuldenlast exorbitant hoch. Von den heutigen Politikern wird niemand mehr im Amt sein, sollte Athen die Kredite letztlich nicht begleichen können. Und wer kann sicher sagen, dass Italien nicht doch noch Hilfe benötigen wird? Dann wäre die jetzige Lösung schon wieder hinfällig, weil die notwendigen Kredite den EFSF heillos überfordern würden.

Die Bedenken sollten erörtert werden, wenn sich die Freude über den Big Bang erst einmal gelegt hat. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.7.2011)

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also dann ...
00
26.7.2011, 00:29
den besten kommentar las ich hier :

VEREINT EUCH ... gegen den wirtschaftsfaschismus und ...
http://www.theintelligence.de/index.php... ratie.html

generell voll Empörter
00
24.7.2011, 18:23

Es ist richtig, dass der Schlendrian mit der Einführung der Transferunion durch die Hintertür tendenziell gefördert wird.

Dem kann man nur entgegen wirken, indem man die notwendigen Konsequenzen bei Verletzung der Stabilitätskriterien nicht politischen Machtspielchen opfert. Und das ist nur möglich, wenn man die Durchsetzung dieser Konsequenzen in eine wirklich demokratisch legitimierte Institution transferiert, die oberhalb der Mitgliedsstaaten angesiedelt ist.

metacomet
00
24.7.2011, 18:02
unser verständnis von kapitalismus ist doch nur eine

andere form eines antipoden des kommunismus

umverteilung von unten nach oben - wer nicht mitmacht ist denen ausgeliefert welche die gesetze machen.

bist du dagegen, musst du aufpassen was du sagst - weil es in der zwischenzeit einen paragraphen §§ 278 ff gibt, mit dem lassen sich alle kritischen stimmen zu diesen ungerechten umverteilungssystem abstellen, bzw. verfolgen.

umverteilung von der mehrheit an eine elitäre einheit, ansonsten verfolgung wie unter stalin.

benjohnson1988
00
24.7.2011, 16:52

Was soll die Griechenlandrettung mit dem Euro zu tun haben? Griechische Unternehmen schulden österreichischen Unternehmen und Banken einen Haufen Geld. Wenn sie pleite gehen wird als nächstes deren Bonität angezweifelt und müssen verstaatlicht werden. Und die Sorge ist dass der österr. Staat diese erstaatlichungen und Einlagensicherungen nicht derhebt.
Es ist in unserem eigenen Interesse sie nicht pleite gehen zu lassen, weil wir sonst überhaupt keine Chance auf unser Geld haben. Mit dem Euro hat das Null zu tun.

zeitfuchs
00
24.7.2011, 17:54
Sie plädieren also mit einem Wort,

für ein Schrecken ohne Ende, anstelle eines Endes mit Schrecken?

benjohnson1988
00
24.7.2011, 18:55

als aller erstes plädiere ich dafür, das her nicht als Diskussion über den Euro zu inszenieren. Der hat ziemlich wenig damit zu tun. Wir müssen uns mit Griechenland befassen weil europäische Großbanken drohen die europäischen Volkswirtschaften mitzureissen weil wir diese zu groß werden ließen.

zeitfuchs
00
24.7.2011, 20:27

Da haben Sie allerdings recht. Und der größte politische Fehler war der, diese zu systemrelevanten Banken zu erklären.

cannery row
00
24.7.2011, 16:19
dieses ganze gelabere..

puncto transferuniion, weiterer hilfen etc. erübrigt sich, solange nicht in den einzelnen mitgliedstaaten mit den privilegien aufgeräumt wird. ich meine, es ist schon ein witz: griechenland pfeift aus dem letzten loch, aber die beamtengewerkschaften sträuben sich spektakulär gegen das unvernünftig niedere pensionsalter, senkung von 18 gehältern. es mag in den gehirnen des volkes angekommen sein, dass es ernst ist, aber scheinbar nicht in denen der privilegienritter.

lieschen müller4
01
24.7.2011, 15:12

Eine Transferunion die Budget-Steuer- und Sozialsysteme vereinheitlichen würde,wäre das garantierte Ende der EU.Da eine satte zweidrittel Mehrheit von konservativen und vor allem neoliberalen Parteien die EU Politik bestimmt,würden die Sozialsystem gegen Null und die Steuersysteme für Arbeitnehmer noch mehr in die Höhe tendieren.Neoliberale machen Arbeitnehmern weder Zugeständnisse noch "Geschenke",sie ordnen alles dem angebliche freien Markt unter der doch immer nur den oberen Zehntausend zugute kommt.Überbezahlte Journalisten wie A.Schnauder haben keine Ahnung was das für katastrophale Folgen für die durchschnittlichen Arbeitnehmer Europas hätte und man kann nur hoffen,dass sein Wunsch reine Utopie bleibt.

frau_anna
00
24.7.2011, 14:13

Griechenland an die Chinesen verkaufen. Und dabei Sirtaki tanzen.

Schwarz Grün
32
24.7.2011, 08:33
zur transferunion ......

natürlich ist der beschluß als weiterer schritt richtung transferunion zu werten. das ist als solches auch richtig - selbst das kleine österreich "umverteilt" etwa 3% des BIPs zwischen armen und reichen regionen und die US umverteilen ein vielfaches der EU.
wichtig ist dabei, dass die regeln von allen gemacht und eingehalten werde. und die umverteilungsmaßnahmen sind ja kein automatismus. beschlossen wurde, was der fonds darf, gemacht wird es nur auf basis einstimmiger beschlüsse der mitgliedsstaaten, d.h. der druck für reformen bleibt aufrecht .......

natürlich gäbe es elegantere lösungen, aber im rahmen der derzeitigen verträge ist dies ein sehr vernünfitger weg.

Atlantis-Couple
00
24.7.2011, 10:32
Haben Sie Quellen für die Umverteilung

in Österreich und den USA? Wie läuft das technisch ab?

Schwarz Grün
01
24.7.2011, 10:39
wifo studien zur AUT regionalpolitik, etc.

technisch funktioniert das durch höhere steuer/abgaben einnahmen in reichen regionen und höheren ausgaben (sozial, bedarfszuweisung, etc.) in ärmeren.

das gibt es auch in der EU (regionalfonds, kohäsionsfonds) aber das macht derzeit nur etwa 0,4% vom BIP aus.

Hoffe damit geholfen zu haben

Atlantis-Couple
00
24.7.2011, 16:26
Sorry, aber nicht überzeugend

Kein Wort zu USA, nicht näher bezeichnete WIFO-Studien. Mechanik ist auch eine andere als bei Griechenland.

Schwarz Grün
00
25.7.2011, 09:09
ich kann dich nur hinführen

denken musst schon selber

zeitfuchs
31
24.7.2011, 09:04
sind Sie total übergeschnappt?

wenn das so weitergeht landen wir im Kommunismus.

lieschen müller4
00
24.7.2011, 15:14

Wie soll eine von überwiegend neoliberal konservativen Parteien regierte EU im Kommunismus landen?

zeitfuchs
00
24.7.2011, 16:10
Kommunismus ist, wie wir aus historischer Dimension wissen:

1. Maximale Umverteilung, jeder soll seinen "equal share" bekommen.
2. Da jeder ohnedies seinen "equal share" bekommt, braucht man sich nicht mehr anzustrengen.
3. Die Trauben wachsen stets in den Mund.
4. Die Umverteilung ist immer willkürlich und zentralistisch, kennt Freunde und Feinde.
5. Die Umverteilung führt daher automatisch zu Korruption.
6. Am Ende steht der Staatsbankrott, diesmal jedoch nicht der der UdSSR, sondern der der Europäischen Union.
5. Die Folge ist Frondienst und Sklaverei.

Jofun
00
24.7.2011, 15:01

sehr leichtfertig wie sie dieses wort welches ein wirtschafts- und polit- und wertesystem beschreibt verwenden

metacomet
00
24.7.2011, 15:14
so viel unterschied ist da aber nicht mehr

wooos iiiis?
 
00
24.7.2011, 11:55
innerhalb österreichs

sind wir auch eine Transferunion. Ärmere Bundesländer werden hier unterstützt. Sollen wir das ihrer Meinung nach beenden? Ist das bereits Kommunismus in ihren Augen?
Das bestehende System würde sozusagen nur auf Europa umgelegt werden. Das bringt Stabilität und Länder wie Deutschland und Österreich würden langfristig wieder die Gewinner sein. So wie sie es schon durch die Einführung des Euros sind.

Schwarz Grün
20
24.7.2011, 09:13
danke für ihren intelligenten kommentar

zeitfuchs
00
24.7.2011, 12:01
die EU hat 2011 bereits ein Budget von 126,5 Mrd. EUR,

ein Budget, das es vorher nicht gab. Hier handelt es sich eindeutig um Transfers und Geld, das aus den Steuermitteln der einzelnen Mitgliedsstaaten geschöpft wird und diesen nun als nationale Manövriermasse fehlt. Nur ein Bruchteil dieser 126,5 Mrd € fließt zurück in die einzelnen Geberländer, den Rest frisst die überbordende Verwaltung.

Mit der Entscheidung vom 21. Juli 2011 sind nun die Dämme zu einer weiteren willkürlichen Umverteilung der Steueraufkommen von "reichen" Mitgliedsstaaten (denn in Wahrheit gibt es die gar nicht) gebrochen. Es ist anzunehmen, daß mit dieser Grunsatzentscheidung Tür und Tor für weitere Transfers geöffnet wurde, und zukünftig auch anderen Staaten der PBIIGS-Gruppe kräftig unter die Arme gegriffen wird.

Schwarz Grün
00
25.7.2011, 09:13
woher haben sie diesen unsinn????

EU Budget ist 126,5 Mrd - stimmt, dass ist 1,03% vom Bruttoinlandsprodukt (AT Budget knapp 50%, US Bundesbudget mehr als 20%) .... ..

Von diesen 126,5 Mrd fließen mehr als 110 Mrd an die Mitgliedsstaaten zurück - Agrarförderung, Regionalförderung, Kohäsion, Forschungsförderung, Arbeitsmarktförderung (Sozialfond) .....

BITTE BITTE informieren sie sich oder hören sie auf uns anzulügen

wooos iiiis?
 
00
24.7.2011, 12:25
Lektüre

und hier noch ein Artikel über die Nettozahler:
http://www.rp-online.de/politik/a... 11932.html

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