Wo Ungarn am Meer liegt

24. Juli 2011, 16:51
11 Postings

Wie eine Zeitreise in die 60er-Jahre mutet eine Reise nach Siofok an - Doch Neues entsteht

Es sind vor allem Jugendliche aus der ganzen Welt, die Siofok am Balaton im Sommer als Party-Destination stürmen. Am Südufer gelegen, drei Autostunden von Wien entfernt, ist Siofok eine kuriose Mischung aus Miami, Caorle und Bad Ischl, gepaart mit dem Ost-Flair der 1960er-Jahre.

Am Seeufer stehend, eröffnet sich das Panoptikum auf einen Blick, mit einem Schwenk vom alten Hafen über den modernen Yachtclub, den Strandpark und das öffentliche Bad bis zur kleinen Reihe der vier Hochhaus-Strandhotels, die parallel zueinander und im rechten Winkel zum Seeufer in den blauen Himmel ragen. Sie sind Zeugen der kommunistischen Nachkriegsära, als Siofok zum Zentrum der von den Gewerkschaften organisierten Ferien wurde, erbaut in den 1960er-Jahren.

Ihre Architektur ist ebenso original erhalten geblieben wie ihre klingenden Namen: Club Hotel, Lido, Pannonia Europa und Venus. Ein Genuss leider nur von außen, wie man hört, denn die dringend anstehenden Renovierungen haben noch nicht stattgefunden, derzeit dienen die Hotels den jugendlichen Sommergästen als Billigabsteige.

Minimalistische, aber mediterrane Atmosphäre

In den schmalen Gassen hinter dieser Waterfront wechseln einander Privatvillen aus der Kaiserzeit mit schlichten Bungalows der Moderne ab. Dazwischen viel Grün. Man setzt auf minimalistische, aber mediterrane Atmosphäre. Sukkulenten, Palmen, hie und da mal ein üppiger Oleander. Keine Gartenzwerge, keine bunten Blumenbeete. Je größer die Vorgärten, desto monumentaler die von der Straße zurückgerückten Villen, zumeist in makellosem, renoviertem Zustand, aber dennoch nicht protzig.

Mit dem Bau der Südeisenbahn 1861 wurde das damals staubige Dorf mit einem Schlag zu einem der Zentren der k. u. k. Badekultur des Landes. Das Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Badehaus mit prunkvoll geschnitzter Fassade, einem Aussichtszimmer im Obergeschoß und der stolzen Aufschrift "Das ungarische Meer" gibt es leider nur noch auf Ansichtskarten. Hingegen wurde der damals erbaute Strandpark vor kurzem originalgetreu wiederhergestellt.

Zahlreiche Zeitzeugen hat auch die kommunistische Moderne hinterlassen: aus 1950 etwa das meteorologische Observatorium, das Sturmwarnungen für den ganzen See aussendet, oder das Imre Kalman Open Air Theater, das 2010 renoviert wurde.

Bilbao in spe

Ein weiteres interessantes Projekt ist das 320fok Kulturzentrum, das in einer ehemaligen Brotfabrik aus den 1950er-Jahren untergebracht ist und derzeit umgebaut wird. Mit dem Ausbau des vorhandenen Gebäudes zu einem Kultur- und Bildungszentrum auf 10.000 Quadratmeter Fläche will man eines der bedeutendsten Investitionsprojekte am Balaton umsetzen.

Manche vermuten hier schon das nächste Bilbao, obwohl das Siegerprojekt des internationalen Architekturwettbewerbes, gewonnen vom ungarischen Architekten Tarnóczky Tamás Attila, abge- sehen von seiner Dimension nichts Außergewöhnliches verspricht. Investoren wittern jedenfalls auch andernorts in Siofok ihre Chancen. In unmittelbarer Nähe des Yachthafens ist ein weiteres großangelegtes Immobilienprojekt geplant: das "Waterside Resort" mit Luxusapartments, Wellness-Hotel, Schönheitsklinik und Marina. (Doris Rothauer/DER STANDARD/Printausgabe/23.07.2011)

Hotel Janus Atrium Best Western

Fö u. 93-95: Vier-Sterne-Hotel und Spa im Zentrum mit individuell gestalteten Zimmern. Zur Auswahl stehen etwa indischer Stil, Paris, Venedig, Gotik mit Drachen, Barock, japanischer Stil, Retro oder die Suiten Amor, Gustav Klimt, Cleopatra, 1001 Nacht, Marokko, Gaudi, Oase.

janus@bestwestern.at

www.bestwestern.at/janus

Mala Garden Hotel & Restaurant

Petofi sétány 15/a: Kleines Boutiquehotel in einem modernen Bungalow mit Blick auf den See, asiatisches Styling, Gartenanlage, Lounge, ausgezeichnete Küche.

info@malagarden.hu

www.malagarden.hu

  • Retrocharme aus den 60er-Jahren: In Siofok heißen die Hotels noch 
Lido, Pannonia, Europa und Venus - und sehen auch so aus.
    foto: rothauer

    Retrocharme aus den 60er-Jahren: In Siofok heißen die Hotels noch Lido, Pannonia, Europa und Venus - und sehen auch so aus.

Share if you care.