Fotografen auf Bewährung frei

22. Juli 2011, 17:36

Journalisten hatten gestanden, für Russland spioniert zu haben - Zweifel an Rechtmäßigkeit des Verfahrens

Tiflis - Drei Fotoreporter, die in Georgien wegen angeblicher Spionage für Russland seit zwei Wochen eingesperrt waren, sind nach einem umstrittenen Geständnis wieder frei. Auch der Hauptangeklagte Zurab Kurtsikidze von der European Pressphoto Agency (epa) mit Sitz in Frankfurt/Main verließ nach einer Absprache mit der Staatsanwaltschaft am Freitag das Gefängnis. Kurtsikidze erhielt zwei Jahre Haft auf Bewährung, wie das Gericht in Tiflis mitteilte.

Es stehe jedoch die Frage im Raum, ob die Reporter die Vorwürfe aus freien Stücken oder auf Druck zugaben, sagte Rechtsanwalt Schalwa Schawgulidse. Kurtsikidze soll misshandelt worden sein, wie seine zeitweilige Anwältin Nino Andriaschwili sagte. Jeder in Georgien wisse, dass die Männer unschuldig seien.

Laut georgischer Staatsanwaltschaft haben alle drei Fotografen angeblich angesichts einer erdrückenden Beweislast ein Geständnis abgelegt. Sie hätten wertvolle Hinweise für Ermittlungen gegen russische Spione gegeben. Im Gegenzug kämen sie mit Bewährung davon. Präsidentenfotograf Irakli Gedenidse sowie ein weiterer Bildreporter erhielten drei Jahre Haft auf Bewährung. Die Fotografen waren wegen Spionage für den russischen Militärgeheimdienst GRU verhaftet worden.

Der von der epa beauftragte Anwalt Schawgulidse betonte, dass er keinen Zugang zu dem Fotografen erhalten habe. "Dieses ganze Verfahren stinkt vom Anfang bis zum Ende. Wenn jemand tatsächlich spioniert hat, kommt er nicht mit zwei Jahren Haft auf Bewährung davon. Diese einmalig milde Strafe zeigt nur, dass es überhaupt kein Verbrechen gegeben hat", sagte Schawgulidse. Nach seinen Angaben besiegelten staatstreue Anwälte den Deal.

Kurtsikidze hat Schawgulidse zufolge zwei Wochen Zeit, das Urteil anzufechten, zum Beispiel wenn er nur unter Druck alles zugegeben habe. In der Ex-Sowjetrepublik Georgien kritisieren Menschenrechtler oft, dass Ermittlungsbehörden auf Angeklagte psychischen oder physischen Druck ausübten oder sogar Beweise fälschten.

In Georgien, aber auch in der Ukraine und Russland war es in den vergangenen Tagen zu Protesten gegen die Festnahmen gekommen. Das Außenministerium in Moskau hat die Spionagevorwürfe Georgiens als "antirussische Hysterie" zurückgewiesen. Die Inhaftierten seien die "jüngsten Opfer der Willkür der georgischen Behörden".

Die Opposition in Tiflis wirft Präsident Michail Saakaschwili vor, die Vorwürfe konstruiert zu haben - als Rache dafür, dass die Fotografen im Mai Bilder von blutig aufgelösten Protesten weltweit veröffentlicht hatten. Der in den USA ausgebildete Saakaschwili müht sich, sein Land als Vorzeigedemokratie unter den Ex-Sowjetstaaten darzustellen. Seine früheren Weggefährten beklagen jedoch autoritäre Tendenzen. Die georgische Führung weist dies entschieden zurück. (APA)

tramtatam
04
23.7.2011, 01:49
"Der in den USA ausgebildete Saakaschwili müht sich, sein Land als Vorzeigedemokratie unter den Ex-Sowjetstaaten darzustellen."

echt jetzt? der Saakaschwili müht sich?

bis vor kurzem hatte man eher den Eindruck, dass es die europäischen Volksvertreter - hand in hand mit Qualitätsmedien - sich gemüht hatten, Saakschwilli s Regime als Vorzeigedemokratie darzustellen.

macht doch nicht Saakschwili auch noch zum Sündenbock - er musste auch so schon seine Krawatte essen - sondern jemand sollte sich selbst an die Nase fassen.

Girgl Galgenstein
40
23.7.2011, 09:52
Sie haben recht

die Russen z.B. sind nicht so blöd missliebige Journalisten festzusetzen. Die werden dort einfach so gesterbt. Erspart langwierige Verfahren und sorgt dafür, dass erst gar kein Gericht auf die Idee kommt, den Fall zu verhandeln.

tramtatam
04
23.7.2011, 12:35

schon blau um diese Zeit und die richtige Schaltfläche nicht getroffen ? -
wo wäre denn der Bezug auf mein Posting ^^

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