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Hat Grund genug, ihrem Vater (Alan Ewing) etwas vorzujammern: Tina (Emma Bell, li.) im Stationenmärchen "Achterbahn".
Bregenz - Tina ist eine moderne, verträumte Prinzessin auf der Erbse, vor der ein Börsencrash nicht Halt macht - und er kommt, wie immer, plötzlich und unerwartet: Just während einer Party gehen Tinas Eltern, Lord (profund Alan Ewing) und Lady Fortune (etwas schrill Kathryn Harris) pleite, da sie zu viele Dukaten auf eine Aktienkarte gesetzt haben. Statt einfach zu jammern, entschließt sich Tina (etwas forciert Emma Bell) allerdings, in die echte Welt zu ziehen und es mit Arbeit zu versuchen.
Wobei: Auch da herrscht zunächst Murphys Gesetz. Was schiefgehen kann, geht also schief; wo ein Unglück möglich ist, schlägt auch schon das Pech mit Baseballschlägern zu. Also: Die Nähfabrik, in der Tina Böden schrubbt, wird verwüstet. Der Kebabstand, in dem sie landet, wird Feueropfer und Budenbesitzer Hassan (solide Noah Stewart) dadurch mittellos. Auch in der Wäscherei, in der Tina schließlich bügelt, ist allerdings nicht gerade der Himmel zu finden.
Tja. Was Wunder, dass die junge Dame mit der roten Kurzmähne in Judith Weirs Achterbahn (Miss Fortune) einige gewichtige Fragen an das Schicksal hat, das hier, in diesem Stationenmärchen, auch immer wieder persönlich zugegen ist (etwas blass Andrew Watts als Fate).
Dass diese nett dahinplätschernde Geschichte, an deren Ende Tina mit dem reichen Simon (tolles Timbre Jacques Imbrailo) einer neuen Zukunft entgegengeht, nachdem sie einen Lottogewinn verschenkt hat, ohne sonderliche Höhepunkte auskommen muss, das hat sie sich selbst, aber auch der Regie zu verdanken. Regisseur Chen Shi-Zheng arbeitet mit filmischen Mitteln, was heißt: Auf dem flügelartigen, immer wieder sich umpositionierenden Zentralelement (Bühnenbild: Tom Pye) projiziert er Aktienkurven und -kurse, urbane Skylines und Farben.
Statt in dieser abstrakten, atmosphärisch starken Bildtonart zu verweilen, mixt er jedoch Konkretes hinein. In Form von zahllosen Näh- und Waschmaschinen, aus denen das Schicksal herauskommen kann. Ein Atmosphärekiller. Am schwersten wiegt allerdings die etwas uninspirierte, mit eher verlegen wirkenden, gestischen Spielereien angereicherte Personenführung. Breakdancer sind da noch das dynamischste Element. Weniger berückend indes das Heer der Arbeiter und verarmter Reicher, deren Gehabe mehr einer Beschäftigungstherapie ähnelt als einer stringenten Theateridee.
Überhaupt wird hier viel getanzt, und dazu hat Weir auch rhythmisch prägnante Momente ersonnen. Allerdings liegen die Stärken ihrer Musik, die sich stilistisch und handwerklich tadellos zwischen Bernstein und Britten bewegt, im Bereich der Ausgestaltung poetischer, illustrativer Momente. Das hätte man auch szenisch betonen können.
Es fehlen dramatische Zuspitzungen jeglicher Art - das Ganze bleibt ein Gesamtkunstwerk des Schüchtern-Schönen. Dennoch: Dass in Bregenz nun auch Uraufführungen im Festspielhaus Einzug halten, ist ein Substanzgewinn für das Festival. Man hat ja mit den Wiener Symphonikern ein tadelloses Orchester, das Oper kann und dies hier unter Paul Daniel in Form klangvoll-sanfter Arbeit unter Beweis stellt. (Ljubisa Tosic / DER STANDARD, Printausgabe, 23./24.7.2011)
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