14 von 29 europäischen Ländern hoben 2010/11 Studiengebühren ein - Vor drei Jahren laut ifo-Institut noch 18
Wien - Mit der Diskussion rund um die generelle Wiedereinführung der Studiengebühren an öffentlichen Unis steuert Österreich gegen den europäischen Trend der vergangenen Jahre: Hoben im Studienjahr 2007/08 noch 18 von 29 EU-Ländern (inklusive Norwegen und Schweiz) Studiengebühren ein, taten dies 2010/11 laut einer Vergleichsstudie des Münchner ifo-Instituts nur noch 14 von 29. Neben Ungarn, Slowenien und Griechenland fiel in der Zwischenzeit auch in Österreich die Entscheidung zur Abschaffung - doch wenn es nach der ÖVP geht, soll das möglichst bald rückgängig gemacht werden.
Während VP-Parteichef und Vizekanzler Michael Spindelegger variable Beiträge nach Studienfächern vorschlägt, kann sich Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) auch vorstellen, die Entscheidung über die Höhe der Gebühren den autonomen Unis zu überlassen. Beide Varianten sind in jenen 15 EU-Ländern, die derzeit Studiengebühren einheben, vertreten. So legen laut ifo sowohl in Portugal als auch in Belgien, Italien, Litauen, Schweiz und Großbritannien die Universitäten selbst die Beitragshöhe fest.
Nicht direkt nach Fächern, aber nach deren ECTS-Punkten unterscheidet man indes beispielsweise in Estland und Spanien. Im Rahmen von 1.023 bis 6.730 Euro pro Studienjahr bewegen sich die Gebühren in Estland - je mehr ECTS-Punkte ein Fach umfasst, desto teurer wird das Studium. Ähnlich ist es in Spanien, wo sich die Gebühren sogar erhöhen, wenn man an einer Prüfung scheitert und diese im kommenden Jahr wiederholen muss. Je nach Region und Studienfach zahlen die Studenten an öffentlichen Universitäten hier laut ifo zwischen 550 und 900 Euro jährlich.
"Neuregelung mit dynamischen Elementen"
Nachdem die de-facto-Abschaffung der Studiengebühren in Österreich durch SPÖ, Grüne und FPÖ von 2008 kürzlich aufgrund mangelnder Präzision vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) aufgehoben wurde, wird nun im Wissenschaftsministerium an einer "Neuregelung mit dynamischen Elementen" gearbeitet. Diese soll auch "sozial und ausgewogen" sein. In Österreich sind derzeit all jene von den Studiengebühren in Höhe von 363,36 Euro pro Semester befreit, die in der vorgesehenen Mindeststudiendauer pro Studienabschnitt plus zwei Toleranz-Semester liegen. Damit zahlen 85 Prozent der Studenten keine Gebühren.
Befreiungen und Stipendien sind in dem Großteil jener Länder, die Gebühren einheben, üblich. Unter anderem in Belgien, Bulgarien, Estland, Lettland und der Schweiz besteht die Möglichkeit auf Ansuchen von Stipendien; in Italien, Litauen und Rumänien werden Studenten mit besonders guter Leistung mit einer Reduktion oder Befreiung der Gebühren belohnt. Eher kritisch werden die vielerorts üblichen, von der Regierung vergebenen Studentenkredite gesehen. Vor allem in Staaten wie Großbritannien, in denen keinerlei Stipendiensystem existiert, sind Studenten gezwungen, Kredite aufzunehmen und diese oftmals ihr Leben lang zurückzuzahlen.
200 bis 10.200 Euro
Großbritannien (mit Ausnahme von Schottland) sticht mit dem Beschluss, die Studiengebühren von derzeit rund 3.000 Pfund (umgerechnet etwa 3.400 Euro) ab Herbst zu verdreifachen, in Europa heraus. In Deutschland, wo derzeit laut Informationsnetz zum Bildungswesen in Europa "Eurydice" in sechs Bundesländern Gebühren von maximal 500 Euro pro Semester erhoben werden, rudern indes einige Länder zurück: Laut "Tagesspiegel" werden bis zum Studienjahr 2012/13 nur noch Bayern und Niedersachsen Studiengebühren einheben. In Schweden werden ab Herbst erstmals Nicht-EU-Bürger beim Studieren mit 97 Euro pro Semester zur Kasse gebeten - in einigen Staaten bereits üblich und ein äußerst geringer Beitrag, wenn man auf andere Länder blickt. So zahlen Bürger aus Drittstaaten in Dänemark bis zu 16.000 und in Irland bis zu 36.000 Euro pro Jahr.
Die Palette an Beitragshöhen für Staatsbürger des jeweiligen Landes (und zumeist EU-Bürger) ist zwischen 200 Euro jährlich in Luxemburg und künftig 9.000 Pfund (etwa 10.200 Euro) in Großbritannien breit. Maximal 1.000 Euro Studiengebühren sind derzeit laut ifo in Belgien, Bulgarien, Luxemburg, Portugal, Deutschland und Spanien zu zahlen. Teurer kann es in Estland, Italien, Lettland, Litauen, Niederlande, Rumänien, Schweiz und Großbritannien werden. Gratis studiert man derzeit in Zypern, Tschechien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Ungarn, Irland, Malta, Norwegen, Polen, Slowakei, Slowenien, Schweden und - zumindest vorerst noch - in Österreich. (APA)