Von Chauffeuren und Charmeuren

  • Türen zu und abfahren, damit der einherhechelnde Fahrgast nur mehr dem 
hämischen Grinsen im Spiegel nachsehen kann - das hat was.
    foto: derstandar.at/trautner

    Türen zu und abfahren, damit der einherhechelnde Fahrgast nur mehr dem hämischen Grinsen im Spiegel nachsehen kann - das hat was.

Wohl wurden die legendär mürrischen Amtskappler abgeschafft, getarnt als Straßenbahn-Zugführer kurven sie aber munter weiter

Das verregnete Sommerloch ist genau richtig, um eine aussterbende Spezies zu würdigen. Wohl wurden die legendär mürrischen Amtskappler abgeschafft, getarnt als Straßenbahn-Zugführer kurven sie aber munter weiter. Und machen anderen Verkehrsteilnehmern das Leben mit einer Hingabe schwer, die fast schon wieder bewundernswert ist. Türen zu und abfahren, damit der einherhechelnde Fahrgast nur mehr dem hämischen Grinsen im Spiegel nachsehen kann - das hat was.

Wissend, dass sie mit ihrer Masse (und der Macht des Rathauses) immer gewinnen, zwängen sich Straßenbahner auch prinzipiell so weit in einen Stau hinein, bis auch ihr natürlicher Feind, das Auto, ausgebremst ist. Radfahrer werden sowieso niedergebimmelt und mit dem Staub des Bremsschotters eingenebelt - vermutlich, weil sie schneller als die Bim sind.

Deutlich entspannter sind da die Linienbuschauffeure. Sie sind teils wirklich witzig (solang sie nicht aussteigen müssen, um einen Kinderwagen in den Fahrgastraum hineinzuwuchten). Unlängst hat mich einer durch die Innenstadt gehetzt, um mich beim Schwarzenbergplatz zu ermahnen, ich möge die Geschwindigkeit in der 30er-Zone nicht ständig übertreten.

Und beim General-Motors-Werk in Aspern hupte einer, um mir zu bedeuten, dass er bei der Bushaltestelle zweihundert Meter weiter auf mich wartet. Da hab ich die alte Oma-Regel, frau möge Straßenbahnen und Männern grundsätzlich nie nachrennen, über Bord geworfen und eine Viertelstunde Wartezeit auf den nächsten Bus erspart. Das nennen wir Service. (Luise Ungerböck/DER STANDARD/Automobil/22.07.2011)

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