Die Penis-Hypothese, oder: Auf jeden Zentimeter kommt es an

22. Juli 2011, 14:38
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Ein finnischer Student fand das bisher kaum für nötig gehaltene Verbindungsglied zwischen Ökonomie und Physiognomie

Dass es in der weiten Welt(wirtschaft) da draußen mitunter auch höchst unkonventionelle Markt-Indikatoren gibt, wussten wir ja schon. An anderer Stelle berichteten wir etwa vor wenigen Jahren, kurz vor dem Sommer 2008, über den so genannten "Lipstick Indicator". Dieser zeigt angeblich, dass Frauen in wirtschaftlich schlechten Zeiten weniger oft Kleider, dafür öfter Lippenstift kaufen. Auch über die legendäre, oft zitierte "Skirt Length Theory" schrieben wir damals, die - wir erinnern uns - in aller gebotenen Länge so lautet: Kürzere Röcke bringen die Aktienkurse zum Steigen.

Nun aber schaut ein sicher recht aufgeweckter junger Mann aus Finnland sozusagen noch ein wenig genauer hin, und zwar auf die menschliche Physiognomie - oder, noch konkreter gesagt: auf die männliche. Der Doktorand Tatu Westling von der Uni Helsinki stellte nämlich die These auf, dass männliche Geschlechtsorgane in Ländern mit stärkerem Wirtschaftswachstum tendenziell kürzer sind als in Ländern mit kleinerem Wirtschaftswachstum.

Wo der Mann das Zahlenmaterial zum Wirtschaftswachstum der Jahre 1960 bis 1985 her hat, können wir uns noch relativ leicht vorstellen. Interessant wird es, wenn es um die Quellen für den hier auf atemraubend seriös wirkende Art und Weise vollzogenen Penisvergleich geht. Ein online zugängliches Abstract von Westlings Arbeit, die der Autor selbst sowie ein Sprecher der Uni - höchstwahrscheinlich leicht errötet - gegenüber der Boulevardzeitung "Ilta-Sanomat" nur ein "Diskussionspapier" nannte, gibt uns über die harten Fakten Auskunft. Demnach bezieht sich der Doktorand auf eine Website namens www.everyoneweb.com/worldpenissize. Auf diesem Gratis-Website-Hosting-Server hat sich jemand die Mühe gemacht, zahlreiche einschlägige wissenschaftliche und journalistische Publikationen solange hinauf und hinunter zu zitieren, bis es nach seriöser Wissenschaftlichkeit riecht.

Und was hat er nun konkret herausgefunden? Jedenfalls soviel: Es gibt eine negative Korrelation zwischen Wirtschaftswachstum und der durchschnittlichen Penisgröße, zumindest im Untersuchungszeitraum (1960 bis 1985) und in 76 untersuchten Ländern. Das heißt: Länder mit kleineren männlichen Geschlechtsteilen hatten in diesem Zeitraum ein höheres Wirtschaftswachstum. Jeder Zentimeter mehr bedeutete fünf bis sieben Prozent weniger Wachstum. Die ideale, weil äußert wirtschaftswachstumsfördernde Penisgröße lag demnach bei 13,5 Zentimetern; ab einer Größe von 16 Zentimetern wurden auch die wirtschaftlichen Sorgenfalten immer länger.

Gilt nun also: "Je kürzer, desto besser?" - Nein, sagen Westlings Beobachtungen: "Bemerkenswert ist außerdem, dass Länder mit einer Penisgröße von weniger als zwölf Zentimetern generell weniger entwickelt sind." Er will seine - vor allem Aufsehen, aber sicher nicht nur - erregende Arbeit in nur "halbernster" Absicht, "mit einem Augenzwinkern" begonnen haben, gibt Westling in einem E-Mail-Interview mit Globalpost.com zu Protokoll. Doch das änderte sich recht schnell: Mit Fortgang der Arbeit sei ihm deren Bedeutung immer offensichtlicher geworden, "ich habe ehrlicherweise nicht erwartet, dass die Korrelation so stark sein würde, wie sie sich herausgestellt hat". Mit seiner "Penis-Hypothese" könnte er sozusagen ein Verbindungsglied zwischen Ökonomie und Physiognomie gefunden haben, allerdings ist er nicht hundertprozentig von der Kausalität seiner Entdeckungen überzeugt. Schließlich könnte auch alles nur Zufall sein.  (derStandard.at, 22.7.2011)

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