Spindelegger-Vorschlag

Studiengebühren: Unis erteilen ÖVP-Chef Absage

22. Juli 2011, 12:38

Variable Studiengebühren, wie sie sich Spindelegger vorstellt, sind administrativ unmöglich, heißt es an den Unis

Der Vorschlag von Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP), höhere Studiengebühren für überlaufene Studien einzuführen (derStandard.at berichtete), stößt bei den Universitäten und der Studierendenvertretung auf breite Ablehnung. Die Administration einer solchen Regelung wäre unmöglich und eine monetäre Bewertung der unterschiedlichen Studien würde dem Bildungsauftrag widersprechen, heißt es von den Universitäten. Die ÖH zeigt sich in einer Aussendung über den Vorschlag verärgert. "Er hat von Bildungsfragen offensichtlich keine Ahnung", heißt es.

Einzig Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl findet die Idee gut. "Mit variablen Studienbeiträgen, die von den Universitäten selbst innerhalb eines vorgegebenen Rahmens festgesetzt werden, kann ein längst überfälliger Lenkungseffekt am Bildungsstandort erzielt werden", sagt er. Die Studienbeiträge sollen sich an der Intensität der Nachfrage nach Studienrichtungen und auch am Bedarf des Arbeitsmarktes und der Wirtschaft orientieren, meint Leitl.

Sünkel für anglo-amerikanisches Modell

Hans Sünkel, Rektor der TU Graz, spricht sich im Gespräch mit derStandard.at für variable Studiengebühren aus. Er stellt sich aber ein anderes Modell als Spindeleggers vor. Sünkel schlägt vor, ein ähnliches System wie im anglo-amerikanischen Raum einzuführen, wo die Universitäten Studiengebühren selbst in einer bestimmten Bandbreite einheben können. Die Höhe der Studiengebühren entspreche dort der Qualität der Uni, so Sünkel. "Diese Steuerung erscheint mir zielführender als der Bedarf des Marktes", sagt der Rektorenchef.

Dass variable Studiengebühren einen Lenkungseffekt bringen würden glaubt Vizerektor Martin Polaschek von der Uni Graz nicht. "Das ist ein politisches Statement, wenn manche Studien mehr Wert sind als andere, das ist einer Universität nicht entsprechend", so Polaschek. Der Vorschlag Spindelegger komme zum falschen Zeitpunkt. "Das Pferd wird von hinten aufgezäumt, man sollte sich erst für Studiengebühren entscheiden und dann überlegen, was man damit bezwecken will", sagt der Vizerektor. 

Vorschlag "unausgegoren"

Josef Smolle, Rektor an der Med Uni Graz, ist für zwar für Studiengebühren, "die Uni-Finanzierung, soll aber meines Erachtens nicht als Instrument der Zugangssteuerung verwendet werden". Heinz Engl, designierter Rektor der Uni Wien, hält den Vorschlag von Spindelegger für "unausgegoren". "Aber immerhin kommt die Diskussion jetzt in Bewegung", so Engl in einer Stellungnahme. 

Klassengesellschaft an der Uni

"Das ist verwaltungstechnisch unmöglich - was ist, wenn jemand zwei Studien hat oder das Studium wechselt? Es ist auch nicht okay, jemanden zu 'bestrafen', der aus persönlicher Motivation ein Studium auswählt. Das wäre eine 4,5,6-Klassengesellschaft", heißt es aus der Universität für Bodenkultur in Wien. Auch der Vizerektor der Universität Salzburg hält von dem Vorschlag "wenig bis gar nichts". "Wir haben bereits jetzt schon sehr viele komplizierte Regelung, der administrative Aufwand ist unerträglich", sagt Rudolf Mosler. Er wünscht sich stattdessen eine einfache Regelung von Studiengebühren zwischen 350 und 500 Euro.

Jedes Jahr andere Studiengebühren

Auch die Umsetzung von variablen Studiengebühren kann er sich nicht vorstellen. "Die Arbeitsmarktdaten ändern sich ständig", sagt er. Man müsste dann Studiengebühren jährlich anpassen und ändern. Zudem sei die Arbeitslosigkeit bei allen Akademikern sehr gering. "Wir haben eine Bildungsaufgabe und können uns nicht nur am Berufsbild orientieren", so der Vizerektor. "Das wäre eine Vernichtung der Universität."

An der TU Wien findet man Zugangsregelung wesentlich wichtiger als Studiengebühren. "Für uns machen Studiengebühren nur einen kleinen Beitrag der Finanzierung aus. Ob null oder 363 oder 500 Euro für überlaufene Studien, ist im Endeffekt egal, wir haben davon nichts, es trägt nichts zum Budget bei", heißt es aus dem Pressebüro.

Realistisch sieht die Debatte der Rektor der Montanuni Leoben: "Jetzt findet ein Ausloten zwischen den Koalitionspartnern statt, weil der VfGH das Gesetz gekippt hat. Die Situation für die SPÖ ist dabei eine bequeme. Die ÖVP versucht nun den Koalitionspartner zu ködern. Beide sind auf alle Fälle gut beraten, die Frage der Uni-Finanzierung zu lösen und nicht nur über Studiengebühren zu reden."

Zustimmung mit Vorbehalten aus Klagenfurt

Der Rektor der Universität Klagenfurt kann sich mit Spindeleggers Vorschlag anfreunden, allerdings mit Vorbehalten. Die Gelder müssen dann aber auch in die entsprechenden und oft weniger gut ausgestatteten Studienrichtungen fließen. Trotzdem sollen die Einnahmen aus Studiengebühren keinesfalls den Bundesanteil an der Finanzierung von Universitäten reduzieren. (lis, rasch, fs, derStandard.at, 22.7.2011)

Kommentar posten
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Studiengebühren, Ja bitte sofort

und zwar 1.500,- pro Semester ABER in Österreich steuerlich über 10 Jahre voll anrechenbar für den Erhalter des/der Studierenden bzw. durch diese/n selbst.
Überlaufende Studienrichtungen dauern länger, daher zahlt man dort in Summe mehr, erfolgreich studierende verdienen mehr und/oder früher, zahlen daher fürs Studieren im Endeffekt weniger, Universitätstouristen können es in Österreich nicht absetzen, usw.
Was ist daran so schwierig?

Red88
01
26.7.2011, 14:15
oppositionspartei-övp

wenn die övp nicht schön langsam sich bei irgendeiner anderen zielgruppe als bei der oberen schicht beliebter macht, wird die partei im keller versinken.
ich denke, wenn sie nicht einmal die gruppe der zukünftigen akademiker unterstützt, die im normalfall jetzt fleißig lernt und als leistungsbereit gilt, und in diesem land nach berufseinstieg auch mehr steuern zahlt, hat sie spätestens in 10 jahren keine reale überlebenschance mehr. die spö versucht wenigstens die pensionisten für sich zu gewinnen, die fpö die arbeiter und die zulaufenden spö/övp wähler, die grünen die gender/umwelt-besorgten und das bzö anscheinend unzufriedene fpö wähler, aber die geniale , langfristige zukunfsstrategie der övp ist mir noch nicht klar geworden. in einer

Red88
00
26.7.2011, 14:16
teil 2

sozialen marktwirtschaft wird es nicht reichen nur den mittelstand abzubauen.

Queen of Sheba
 
01
26.7.2011, 06:17
Hat eigentlich jemand Spindeleggers Magisterarbeit gelesen ?

b.monkey
01
25.7.2011, 11:03

was sonst .. manche vorschläge sind einfach völlig daneben.

SterzinOz
02
24.7.2011, 23:57
Sünkel für anglo-amerikanisches Modell - ich auch!

"Sünkel schlägt vor, ein ähnliches System wie im anglo-amerikanischen Raum einzuführen, wo die Universitäten Studiengebühren selbst in einer bestimmten Bandbreite einheben können. Die Höhe der Studiengebühren entspreche dort der Qualität der Uni, so Sünkel."
Nach diesem Kriterium zahlen österreichische Universitäten solange jeder/m Studierenden 2000 Euro pro Semester, bis sie in irgendeinem internationalen Ranking auf den vorderen Plätzen auftauchen.

mauer und stein zirkelt
01
24.7.2011, 14:46

effizient bilden ,anstatt ineffizient alles zu tode verwalten

nick morgenland
 
03
24.7.2011, 14:06
spindelegger

ist aufgestellt worden, weil ... (keine ahnung) ... und er als außenminister den vorteil gehabt hat, ein ressort geleitet zu haben, bei dem die gefahr relativ gering ist, sich feinde zu schaffen. erinnert mich an die joschka fischer. zeitweise sehr hohe sympathiewerte. auch bruno kreisky hat auf diesem weg karriere gemacht. wenn ich die wahl habe zwischen spindelegger und fekter: fekter wäre mir (aus einer ganzen reihe von gründen) lieber gewesen (obwohl ich ihre ansichten (thema migration) nicht teile). sie ist im kreuzfeuer der kritik gestanden. spindelegger hat (vergleichsweise) in einer geschützten werkstätte gearbeitet. die art und weise, wie jemand in österreich bundeskanzler oder vizekanzler wird: darüber sollte nachgedacht werden.

Otsch1
 
00
24.7.2011, 11:49
Pro und Contra

wird es immer geben! Ich erwarte jedoch von einem Minister, dass er seine eigene Überzeugung als Gesetzesvorschlag im Parlament zum Beschluss vorlegt. Dazu gibt es nämlich Minister und ein demokratisch gewähltes Parlament! Die Meinung aller anderen Wichtigen mag interessant sein, ist aber unerheblich.

Der Knecht
02
24.7.2011, 11:28
die leistungsträger

wenn ich so etwas höre, frage ich mich warum jemandem so eine wortkreation einfällt (und diese dann wie ein mantra wiederholt wird).

- zweifel an der eigenen leistung und aus angst sich mit der eigenen unfähigkeit auseinanderzusetzen, den angriff nach vorne wählen?

- in scheinheiliger doppelmoral von der eigenen bagage ablenken? (man vergleiche an die vergehen der moralapostel in der kirche...)

- man hält sich für etwas besseres und sieht es als legitim an damit unfrieden zu stiften und einen keil in die gesellschaft zu trieben. schließlich hält sich der großteil der arbeitenden bevölkerung selbst für leistungsträger, wie wohl unser herr vizekanzler nur eine elite meint

herr spindelegger, bitte ankreuzen, mehrfachnennungen erlaubt!

tock tock tock
15
24.7.2011, 10:15
Wie wär es mit einer ÖVP-Gebühr

statt Studiengebühren?

Entfesselter Prometheus
28
24.7.2011, 07:09
Warum so kompliziert?

Warum stellt sich nicht nun endlich ein Politker hin und spricht aus was alle wissen: Wir wollen keine Bildung, egal was es kostet, es wird immer zu viel sein, selbst wenn es gratis wäre. Das Volk soll genau so dumm bleiben wie es ist oder besser noch dümmer.

Nach dem was sich die Politik in den letzten Jahren an Lügen, Vertragsbrüchen und rausgeschmissenen Geld geleistet hat würde das vermutlich sogar noch als ein letzter Anflug von Redlichkeit positiv aufgenommen.

weg
12
24.7.2011, 04:16
"Die Höhe der Studiengebühren

entspreche dort der Qualität der Uni, so Sünkel."

Ich glaube die oesterreichischen Politiker und die Rektoren der oesterreichischen Universitaeten sind irgendwie auf die weltfremde Idee gekommen, sie koennten Gebuehren in der Hoehe der amerikanischen Spitzenuniversitaeten einheben. Die Qualitaet der Lehre an der TU Graz liegt aber eher im Bereich eines community colleges in den USA.

Schurli Schorsch
 
20
25.7.2011, 09:44

selten so einen mist gelesen...

MrNO
03
25.7.2011, 08:16
Also ich wüsste nicht, ob ich an einer „Elite-Uni“ mehr gelernt hätte.

Sicher wäre vielleicht die Betreuung hin und wieder besser gewesen, aber auch ich könnte mich nicht über mangelnde Betreuung beschweren. Ich habe auch in den USA nicht mehr Zeit am Tag zum Lernen zur Verfügung, also wie soll es möglich sein, dass ich dort um „Welten“ mehr lerne.
Ich habe mir schon einige Online-Streams (Elektrotechnik) von den Elite-Unis angeschaut, jedoch ist das Niveau fast gleich. Ich muss jedoch zugeben, manche Vortragenden sind extrem gut und können den Stoff gut aufbereiten.
Es sind auch in Österreich nicht nur „Trottel“ daheim. Es liegt an jedem selbst, wie viel man von der Uni mit nach Hause nimmt oder ob man nur für die Prüfung lernt.

weg
00
26.7.2011, 07:29
Natuerlich

gibt es auch an der TU Graz Professoren, auf die auch Elite-Unis stolz sein koennten. Allerdings erinnere ich mich mit Schaudern an das Elektrotechnik-Einfuehrungslabor, das zur Gaenze von frustrierten Assistenten abgehalten wurde, und wo nicht gelehrt, sondern nur geprueft wurde (den Umgang mit den Geraeten kann man ja ohnehin aus dem Skriptum lernen, oder?). Die mathematischen Einfuehrungsvorlesungen hatten 150 Studenten und einen Assistenten fuer die Uebung, und der Assistent der fuer Lineare Algebra zustaendig war hat muendliche Pruefungen bis 3 in der Frueh abgehalten. Sicher, der zweite Studienabschnitt war besser, aber der erste war katastrophal.

MrNO
01
26.7.2011, 08:23

Ich bin jedoch davon überzeugt, dass es an jeder Uni solche Lehrveranstaltungen gibt, die nicht zu 100 Prozent in Ordnung sind. Aber ich finde es schade, dass es keine Artikel gibt, wo die positiven Leistungen der Unis hervorgehoben werden (es gibt nur negative Artikel in der Kategorie Bildung), wie soll man da der breiten Bevölkerung klar machen können, dass das investierte Geld nicht beim Fenster rausgeworfen ist!? Also wenn ich das so lese, kommt es mir eher vor, wie wenn das Geld rausgeworfen ist, wenn alles schlecht ist (Da ich jedoch selber studiert habe, weiß ich das es eben beide Seiten gibt!).
Bis 3 Uhr in der Früh, da scheint es so als ob dieser kein Privatleben hat. Aber für die Uni nicht schlecht, weil das waren sicher unbezah

Otsch1
 
02
24.7.2011, 11:59

Sie haben keine Ahnung vom Niveau des amerikanischen Bildungsstandes. Der "Level" ist weitaus flacher als bei uns. Spitzen in jeweils ganz engen Bereichen sind natürlich vorhanden. In Silicon Valley arbeiten nicht von ungefähr so viele Europäer und Inder!

weg
00
24.7.2011, 20:56
Europaer und Inder

Die Abstammung der Spitzenkraefte in Silicon Valley ist irrelevant, relevant ist wo sie ausgebildet worden sind. In Indien z.B. gibt es relativ (im Verhaeltnis zur Bevoelkerung) wenige Universitaeten, die PhDs ausbilden. Viele der Elitestudenten aus Indien und China studieren daher an amerikanischen Eliteuniversitaeten.

ravenna
11
24.7.2011, 09:59

Im besten Fall haben Sie eine Ahnung zur Qualität der Lehre an der TU Graz, aber ganz offensichtlich nicht den blassesten Schimmer über Communitiy Colleges in den USA.

nick morgenland
 
02
24.7.2011, 14:19

dass es in österreich rektoren gibt, die arrogant und weltfremd sind, ist ein faktum. die demokratische gesinnung dieser rektoren (sowie ihre soziale einstellung) passt gut zu dem umstand, dass anredeformen vom typ "magnifizenz" (rektoren) bzw. "spektabilität" (dekane) in gebrauch sind. das steht doch im widerspruch zu den werten der aufklärung (und passt gut zum system). universitäten sollten in erster linie serviceinstitute sein (forschung und lehre). davon sind sie weit entfernt. in erster linie geht es um das wohl der universitätsprofessoren.

tho_mi
00
24.7.2011, 05:05

Bitte nicht verallgemeinern, nicht alle sind wie der Herr Sünkel...

Gurkenhobel
26
23.7.2011, 16:53
Wieder ein schwachsinniger Vorschlag....

Ist denn den Vaupen jemals was Gutes/Gscheides/Konstruktives zum Thema Bildung eingefallen?

nick morgenland
 
01
24.7.2011, 14:22

eine kurze geschichte der taten der övp-bildungs-wissenschafts-unterrichtsminister(innen) zu verfassen, wäre verdienstvoll (zeitraum = zweite republik).

devianz
18
23.7.2011, 16:49

einen grösseren blödsinn gibts ja wohl nicht mehr, und jedes jahr wenn ein politikerkindl studiert wird jene studienrichtung plötzlich billiger usw. und wenns nach der vp geht gibts ohnehin nur mehr jus,bwl,it, med und vielleicht das eine oder andere technische studium.

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