Lage ist "dramatisch"

Köche gesucht: Akuter Mangel in Wien

22. Juli 2011, 12:20
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    foto: apa/georg hochmuth

    Massiver Köchemangel: existenzbedrohend für Betriebe

Haubenkoch: "Sehr anstrengender Beruf" - WKÖ: "Fehlen locker zwischen 500 und 800 Köche" - Gewerkschaft: "Ordentliche Löhne zahlen" - mit Video

Wien - "Beim AMS sind 480 Betriebe gemeldet, die einen Koch suchen", berichtete der Obmann der Sparte Gastronomie in der Wirtschaftskammer, Willy Turecek. Manche würden mittels Inseraten auf Kandidatensuche gehen. Daher würden insgesamt "locker" zwischen 500 und 800 Köche in der Bundeshauptstadt fehlen, schätzte Turecek. Fazit: Die Wiener Gastronomen haben mit einem akuten Personalmangel zu kämpfen.

Der Wiener Haubenkoch Christian Petz bestätigt die Situation: "Leider müssen mittlerweile sogar Drei- und Vierhaubenrestaurants annoncieren, dass sie Mitarbeiter kriegen. Vor 20 Jahren haben sich die vor Bewerbungen nicht retten können, weil damals jeder versucht hat, in ein möglichst gutes Restaurant hineinzukommen." Petz zählt zu den renommiertesten Köchen Österreichs.

Lage wird immer schlimmer

Das Problem werde von Jahr zu Jahr akuter, erklärte der Spartenobmann. Inzwischen sei die Lage "dramatisch": "Für Betriebe ist die Situation teilweise existenzbedrohend." Insgesamt gibt es in der Bundeshauptstadt rund 8.000 Gastronomiebetriebe - vom Köchemangel sind sämtliche Kategorien betroffen - vom Wirtshaus bis zum Haubenlokal.

Einer der Hauptgründe dafür: Die Zahl der Lehrlinge sei zurück gegangen und große Unternehmen würden viel Geld in die Hand nehmen, um diese zu umwerben. "Da kommt der Wirt um die Ecke nicht mit", so Turecek. Zusätzlich erhielt Wien vom Wirtschaftsministerium für die heurige Sommersaison, die von Mai bis Oktober läuft, insgesamt nur 15 Saison-Arbeitsbewilligungen für Personal aus Drittstaaten. "Das erschwert diese Problematik noch zusätzlich", betonte der Spartenobmann.

Teilweise arbeiten die Betriebe mit extrem dünner Personaldecke: So habe ein Gastronom kürzlich um die Aufschiebung des Grundwehrdienstes seines Kochlehrlings ansuchen müssen, da man andernfalls die Versorgung der Gäste nicht hätte aufrechterhalten können, berichtete Turecek. Zudem könnten Betriebe zu Schwarzarbeit verleitet werden, warnte er. Das sei der Fall, wenn sich fähiges Personal aus Drittländern wie Rumänien oder Bulgarien bewerbe, für das es "schwer bis gar keine" Arbeitsbewilligung gebe.

Lösungsvorschlag: Mangelberufe

Um den Job in der Küche attraktiver zu machen, hat sich so manch ein Wiener Gastronom bereits Maßnahmen einfallen lassen: "Es gibt Betriebe, die am Sonntag zu oder kürzere Öffnungszeiten der Küche haben", berichtete Turecek. Doch um die Situation tatsächlich zu entspannen, bräuchte es mehr: Köche müssten in die Liste der Mangelberufe aufgenommen werden, für die eine Rot-Weiß-Rot-Card beantragt werden kann. "Das wäre ein Lösungsvorschlag", erklärte er.

Zudem müsste der Beruf Koch mehr beworben werden, konstatierte Turecek. Doch dafür fehle das Geld. Denn eigentlich habe der Beruf ein "tolles Image" - auch dank der österreichischen Starköche. Zudem handle es sich um einen krisensicheren Job, denn: "Die Menschen müssen immer Essen und Trinken."

Petz: "Ein sehr anstrengender Beruf"

Petz kennt die Gründe für den eklatanten Mangel an Köchen: "Zum einem ist es natürlich ein anstrengender Beruf und ein Beruf, der eigentlich sehr lange Ausbildung verlangt." Es gehöre schon guter Wille mit dazu, in die Ausbildung zu investieren - das gehe ihm in letzter Zeit etwas ab, konstatierte er. Denn die dreijährige Kochlehre sei nur die Basis für den Job. "Es ist ein relativ mühsamer Weg", weiß Petz. Auch verdiene man man während der Ausbildung auch relativ wenig. Hinzu komme auch, dass die Gastronomie nicht familienfreundlich sei, denn: "Weil man halt - das ist das Wesen der Gastronomie - dann arbeiten muss, wenn die anderen frei haben. Sonst gibt es keinen Cent." Außerdem hapere es inzwischen teilweise auch bei der Ausbildung.

"Irgendwie sind wir in der Gastronomie in einer Zwickmühle", so Petz. Die Mitarbeiterkosten würden immer mehr steigen. Grund dafür seien vor allem die Lohnnebenkosten, die kaum mehr zu bewältigen seien und auf der anderen Seite nur ganz schwer weitergeben werden könnten. "Wenn ich heute normale Stundensätze in der Gastronomie verrechnen würde, wie sie bei einem Automechaniker, bei einem Installateur oder - wenn man von Spitzengastronomie spricht - bei einem Anwalt üblich sind, dann zahlen's fürs Wiener Schnitzel nicht 17 Euro - und das ist eh schon sehr teuer -, sondern 37 Euro", beschrieb der Koch das Dilemma. "Das geht leider nicht bei uns. Wir würden unseren Mitarbeitern ganz gern ein bisserl mehr zahlen."

Gewerkschaft: "hausgemachtes Problem"

Die Gewerkschaft hat den Mangel an Köchen in der Wiener Gastronomie als ein "hausgemachtes" Problem bezeichnet: "Die Arbeitgebervertreter aus der Gastronomie scheinen sich zu Berufsraunzern zu entwickeln, anstatt ernsthaft darüber nachzudenken, warum kaum jemand bei ihnen arbeiten will", erklärte vida-Vorsitzender Rudolf Kaske in einer Aussendung.

Er empfahl den Betrieben: "Ordentliche Löhne zahlen und faire Arbeitsbedingungen schaffen, dann findet sich auch das nötige Personal." Veraltete Berufsbilder, niedrige Lehrlingsentschädigungen und überlange Arbeitszeiten seien die Gründe, warum das Gastgewerbe für viele Jugendliche bei der Wahl der Lehre bestenfalls zweite oder dritte Wahl sei. In anderen Branchen würden Lehrlinge etwa längst Internatskosten für die Berufsschulzeit vom Arbeitgeber bezahlt bekommen. Das Hotel- und Gastgewerbe habe diese Verbesserung bisher abgelehnt, kritisierte der Spitzengewerkschafter. Damit sich die Situation ändere, müssten unter anderem die Lohnnebenkosten gesenkt werden, forderte Petz. Außerdem müsse das Bewusstsein für gutes Essen eigentlich verstärkt werden.

Rat für angehende Köche

Potenziellen Jungköchen gibt Petz zwei Tipps mit auf den Karriereweg: Einerseits rät er ihnen, sich den Ausbildungsplatz sehr genau auszusuchen. Zudem müssen sie sich bewusst sein, dass Koch ein sehr, sehr harter Job sei: "Man muss das wirklich auch wollen. Und dann muss einem auch klar sein, dass es - egal in welchem Beruf ich erfolgreich sein möchte - einfach sehr, sehr hohen Einsatz verlangt." (APA/red)

Kommentar posten
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knatere
00

soll sich ned an machen der petz... redet was von ausgebildeten köchen daher und selber is ihm ausbilden ein fremdwort...
so schlimm is nun a wieder ned mit den arbeiteszeiten. lehre koch 3 jahre-1-2 jungkochjahre mit 1000 euro netto- dann haust dich in ein paar gute hauben restaurants. mit 27 oder 28 nimmst einen stellvertretterposten eines küchenchefs an und mit 30 hast es geschafft. wennst klever bist und dich 15 jahre vorher richtig entschieden hast...das gesuddere wegen zeiten und geld versteh ich nicht.. und leut wie der petz sind ja a bisserl selber schuld das sie keine köche mehr bekommen.. wie mann in den wald ruft, so kommts retour..

Knochenmann
02

"Suche jemanden für miesen Job! Zahle schlecht! DRINGEND!"

francis79
 
013
26.7.2011, 15:23
"Leider müssen mittlerweile sogar Drei- und Vierhaubenrestaurants annoncieren"

Leider bezahlen mittlerweile sogar Drei- und Vierhaubenrestaurants Überstunden ihrer Mitarbeiter nicht
Leider halten sich mittlerweile sogar Drei- und Vierhaubenrestaurants nicht an Gesetze wenn es um die tatsächliche Arbeitszeit geht
Leider argumentieren mittlerweile sogar Drei- und Vierhaubenrestaurants bei Vorstellungsgesprächen damit, dass sie eh "gnua Ausländer" kriegen können die unter dem KV arbeiten würden
Leider herrscht mittlerweile sogar Drei- und Vierhaubenrestaurants ein Betriebsklima, dass beim Bundesheer ein Skandal wäre
Leider raunzen mittlerweile sogar Drei- und Vierhaubenrestaurants auf dem Niveau von Personaldienstleistern aus dem IT-Bereich
Marktwirschaft wäre, wenn Gehälter angehoben und Mitarbeiter geschätzt würden!

Peter aus Wien
05
26.7.2011, 07:56
Das ist ja bald wie in der IT

"Händeringend" suchen die Arbeitgeber nach qualifizierten, belastbaren, leistungswilligen Arbeitnehmern.
ABER:
Die Arbeitgeber haben teilweise so derart lächerliche Vorstellungen davon, was sie zu zahlen bereit wären, dass sie auch weiterhin händeringen und jammern werden müssen.

Otto Normalverraucher
01
25.7.2011, 11:40
"Beim AMS sind 480 Betriebe gemeldet, die einen Koch suchen"

Wäre interessant, zu erfahren, wieviele als arbeitslos gemeldete Köche dem gegenüberstehen.

Carlos Clementin
00
29.7.2011, 07:14

Und leider kann das AMS nicht andere AL zwangsentsenden, sosnt wird aus dem 3 Hauben schnell ein 3-Mützenlokal...
Kann mich erinnern, dass vor ca. 30 Jahren Koch teilweise ein sehr sehr gut bezahlter Job war ... gerade in einer Fremdenverkehrsregion.
Wird es eine Wende geben wie in den USA, wo der Normalbürger auf Mexikaner und Burger angewiesen ist, die gehobene Gesellschaft sich ein restaurant leisten kann, wo auch ein Koch gut bezahlt wird?

Flip
00
25.7.2011, 22:13

Und vor allem wie alt.

mitchfizzl
05
24.7.2011, 20:45

österreich, als fremdenverkehrsland, muss sich schämen für die bedinungen, unter denen die leute im fremdenverkehr arbeiten müssen und dafür auch noch einen hungerlohn kassieren. noch dazu kommen stress, hitze, keine nacht- und wochenendzulagen, teildienste die 8 arbeitsstunden auf 15 stundentage ausdehen usw. usf.... es ist eine reine ausbeuterei der arbeitskräfte und es braucht sich niemand wundern, wenn die leute nicht in diesem bereich arbeiten wollen....

chickenday
41
24.7.2011, 20:27
Erfolg muss man erleiden können....

Wer den Beruf eines Koches wählt, muss dies aus innerster Überzeugung und Freude tun und nicht deshalb, weil man "irgendetwas lernen will". Es ist für die Karriere eines Koches notwendig, nach der Lehre teilweise Jahre hindurch für wenig Geld oder sogar gratis in Top-Häusern zu arbeiten - hier geht es um die Weitergabe von Wissen und um Disziplin und um Gehorsam und nicht um Stundenaufzeichnungen - außerdem sind im Lebenslauf die Lehre und weitere Tätigkeiten bei Spitzenköchen Voraussetzung für späteren Erfolg. Wer diese Zeit des harten Arbeitens schafft, kann später viel Geld verdienen. Das sollte den jungen Menschen, die heute oft den "einfachen Weg" zu Erfolg suchen, klar sein, wenn sie diese Lehre wählen.
Ernst Kohnhauser

Gobi Todic
00
29.7.2011, 12:46
das ist also ihr ernst

wer kommt dann für die lebenserhaltungskosten für diese jahre auf? der papa und die mama?

kasperl

virt
05
25.7.2011, 10:29

so ist es. jahrelanges geknechtet werden um dann selbst einmal knechten zu dürfen!

bei den meisten küchenchefs die ich erlebt habe spürt man diese "rache" ganz deutlich.

wer das will, der bleibt koch.

wer ein leben will, der geht!

ländliche Genreszene
00
24.7.2011, 18:00
na ja, wenn die herrn eben nur ...

... köche haben wollen, dann sind's eh selber schuld

das weibliche geschlecht, meine herren, kann mitunter auch sehr gut kochen

ich bin ja sonst nicht so ein i-tüpfelchen reiter, aber der sehr einseitige sprachgebrauch in diesem artikel tut mir im augenblick a bisserl weh

Post(er)
00
24.7.2011, 18:45

stimmt, da sieht man wie Einseitig diese die-standard-Bewegung ist

Carlos Clementin
01
29.7.2011, 07:15

Aber wie schreibt man das nun KochIn gesucht ? KoÖchIn... KöcheInnen, geht halt ned mit StandardIn Binnen-I

Nr.3645
06
23.7.2011, 16:03
Ordentliche Löhne zahlen und faire Arbeitsbedingungen schaffen"

dieser Wunsch deckt sich so ca. mit den Erfahrungen mir bekannter Köche/Lehrlinge.
Wobei es weniger um die Löhne sondern mehr um FAIRNESS geht.

living reef
01
23.7.2011, 10:46
"Die Menschen müssen immer Essen und Trinken."

aber nicht unbedingt im gasthaus oder restaurant. die griechische bevölkerung kann ein lied davon singen...

virt
00
23.7.2011, 09:56

ich persönlich bin ja dafür, dass ein gastronom, der in seinem betrieb keinen lehrling ausbildet gar keinen gewerbeschein ausgehändigt bekommen sollte. bei kleinen betrieben kann man ja eine ausnahme machen. aber sobald ich 8-10 personen in der küche voll angemeldet habe ist das möglich. also alle restaurants und hotels die auf 100 gäste und darüber ausgelegt sind!

Heavyweather
50
23.7.2011, 01:18

Sollen das doch die Rumänen machen. Zuhausee verdienen die eh nichts.
Das Essen im Lokal ist sowieso das Geld nicht wert dass man dafür zahlt. Zuhause kann man das immer günstiger und besser machen. Ich kenme auch kein Lokal wo ein Koch fehlt. Gibt doch sowieso zuviele Gaststätten.

Gramurcki
04
23.7.2011, 00:46
Der Bedarf an Schnitzel um € 17,– scheint gedeckt zu sein.

genau wie der Bedarf an familienfeindlichen,schlecht bezahlten, anstrengenden und dabei ausbildungsintensiven Jobs. Ich sage: Hände weg von solchen Jobs, Kinder! Gehts auf eine HTL oder studierts was gescheites, damits lieber selbst das Schnitzerl um € 17,– knuspern könnts. Handwerk hat keinen goldenen Boden. Nicht in einer Zeit wo ein Rechtsanwalt in einer Sitzung Millionen verdienen kann oder ein Investmentbanker mit einer Versicherungsidee Milliarden umsetzen.

nichtkaefer
00
24.7.2011, 11:09
Re: Der Bedarf an Schnitzel um € 17,– scheint gedeckt zu sein

Ich würde gerne einmal eine fundierte Analyse lesen, wie die extremen Preissteigerungen in der Gastronomie seit der Einführung des Euro zustande gekommen sind. Man merkt erst beim Zurückrechnen in Schilling wie stark die Presssteigerungen gewesen sind. Mir ist keine Branche bekannt, auch nicht im Dienstleistungs-Bereich, deren Preise dermaßen gestiegen wären.

florus flagrantius
00
24.7.2011, 15:12
in graz . - klaissiche wirtshäuser :

zwiebelrostbraten >20 €
steirsiches wurzelfleisch > 16 € ( fetter bauch, kartoffel, gemüse und krenn -- aber gut - vormals " arme leute essen" )
klassische leberknödelsuppe > 3 €
salat als beilage > 3,50 mit kernöl + ,0,80 €
1 /2 bier > 3,20 €
1/8 wein > 3,50 €

da vergeht ihnen das essen alleine schon wenn sie nur für sich essen bezahlen

Nessus
60
24.7.2011, 09:05
Es ist schlimm, aber Handwerk produziert eben nur "Hackler" ohne Karrierechancen

Dabei gäbe es eine einfache Lösung: Den Lehrabschluss als Studienberechtigung.

-blos so-
00
22.7.2011, 23:29
aba geh

vielleicht können ja ein paar Hausfrauen aushelfen - ein Schnitzl geht immer noch oder?

wär interessant wie dann die Speisekarten sich so verändern würden... Hausmannskost - aber richtig :)

Mork vom Ork
40
22.7.2011, 22:15

Wenn ich heute normale Stundensätze in der Gastronomie verrechnen würde, wie sie ... üblich sind, dann zahlen's fürs Wiener Schnitzel nicht 17 Euro - und das ist eh schon sehr teuer -, sondern 37 Euro.

Wenn ich heute normale Stundensätze in der Gastronomie verrechnen würde, wie sie bei einem Automechaniker, bei einem Installateur oder - wenn man von Spitzengastronomie spricht - bei einem Anwalt üblich sind, dann zahlen's fürs Wiener Schnitzel nicht 17 Euro - und das ist eh schon sehr teuer -, sondern 37 Euro

Ich nehme an die Küche verkauft dann 1 Schnitzel die h. ... (wenns bruttogehalt/h um 20€ steigen soll ....)

die solln nicht so einen stuss labern ... die personalkosten werden im schnitt nicht mehr als 20-30% der Regien in der Gastr

Anuntiata
012
22.7.2011, 18:53
Kein Wunder bei den Arbeitsbedingungn

Arbeit meist mehr als 10h am Tag für einen Hungerlohn und das in einem Betriebsklima wo Stress und Hetze der Normalzustand ist.

Wer tut sich das heutzutage schon noch an?

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