Entspannt mit Methode

Gesund und gelassen mit Shiatsu

24. Juli 2011, 17:31
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    foto: derstandard

    Das Schriftzeichen für Qi, die Lebensenergie, die mit Shiatsu im Fluss gehalten wird. 

     

Entspannen, Loslassen, bewegt werden: So ist Shiatsu - Die fernöstliche Entspannungstechnik schafft Freiräume und lehrt Achtsamkeit

Wer von der lauten Margaretenstraße zu Roberto Preinreich in eine Shiatsu-Stunde kommt, wechselt die Welten. Draußen ist es heiß und laut, drinnen leise und kühl. Am Eingang fordert ein Schild zum Schuheausziehen auf. In Schlapfen geht es in einen spartanisch eingerichteten Behandlungsraum. Da liegt eine breite Matte auf dem Boden, darauf ist eine weiche Decke gebreitet, sonst nichts. Sich in den mitgebrachten bequemen Kleidern auf den Boden zu setzen und auf den Shiatsu-Praktiker zu warten ist beim ersten Mal vielleicht ein bisschen ungewohnt, denn wann sitzt man schon mit Fremden auf dem Fußboden. Doch dieses Gefühl lässt sich schnell abschütteln. "Haben Sie irgendwelche Beschwerden?", will Preinreich wissen. "Wir behandeln nicht, sondern unterstützen das gesunde Potenzial der Menschen", fügt er erklärend hinzu.

Dann legt man sich hin, schließt die Augen. "Versuchen Sie sich zu entspannen", sind seine letzten Worte, und dann spürt man eigentlich nur noch mit innerer Aufmerksamkeit, wie der eigene Körper durch fachmännische Griffe gebeugt und gedreht - eben in der Tiefe berührt wird.

So viel vorweg: Shiatsu ist sehr angenehm, vorausgesetzt, der nahe Körperkontakt ist kein Problem. Manchmal spürt man den Atem des Lehrers auf der Haut, dann wieder liegen die eigenen Unterschenkel auf dem seines aufgestellten rechten Beins. Preinreich arbeitet den Magen- und Blasenmeridian durch, folgt Linien am Körper, die einem selbst vollkommen unbekannt sind. Manchmal durchzucken kleine Blitze den Körper. Es fühlt sich gut an.

Später wird Preinreich das fernöstliche Verständnis des Menschen erklären: "Die zwölf Meridiane und ihre Zuordnung zu Organen folgen nicht einem anatomischen Verständnis im schulmedizinischen Sinn, sondern einem energetischen", erklärt er. Ein Beispiel dieser Denkweise: Der Magenmeridian an der Körpervorderseite ist für die Verdauung zuständig, allerdings nicht nur für die der Nahrung, sondern damit sind auch Gefühle und Emotionen gemeint. Seine Funktion ist, sie aufzunehmen, ihre Energie zu verwalten, zu verteilen und zu verarbeiten. Die Leber wiederum ist ein Speicherorgan. Sie ist für Fettverbrennung verantwortlich, spielt aber auch eine große Rolle, wenn es darum geht, impulsiv zu sein. Mit einem westlichen Verständnis von Körperfunktionen hat Shiatsu also wenig zu tun, doch das, was Preinreich erzählt, folgt einer in sich schlüssigen Logik. Das Schöne an Shiatsu sei, "dass es den Menschen in seiner unmittelbaren Lebensbewegung erfasst".

Eine Vertrauenssache

So sieht es auch Eduard Tripp, der so wie Preinreich Shiatsu-Praktiker und Ausbildner mit langjähriger Erfahrung ist. "Als Erwachsene sind wir stark optisch orientiert, unsere basalen Sinne wie etwa Spüren durch Berührung kommen zu kurz", weiß er. Shiatsu setzt genau da an, wolle "Geborgenheit in der Berührung" vermitteln, ein "Sich-fallen-lassen-Können" ermöglichen. Das Vertrauen zu einem Shiatsu-Lehrer sei insofern auch eine unbedingte Voraussetzung, sagt er. Als Psychotherapeut weiß er, dass Körperarbeit wie eben Shiatsu bei Menschen mit Befindlichkeitsstörungen aller Art, für die es keine organisch feststellbaren Ursachen gibt, überaus positive Effekte haben kann. "Viele Menschen spüren ja gar nicht, wie es ihnen geht, oder wissen nicht, was gut oder schlecht für sie ist", sagt er. Berührung, davon ist er überzeugt, setzt Prozesse in Gang, und Shiatsu sei eine Option, sich in "kritischen Lebensphasen" begleiten zu lassen.

Shiatsu hängt dabei stark auch vom Praktiker ab. Bei Tripp spielt Musik im Hintergrund, und obwohl er an denselben Akupressurpunkten wie Preinreich drückt, fühlt es sich anders an. Auch das sei eines der Charakteristika von Shiatsu: Die Persönlichkeit des Praktikers spielt eine entscheidende Rolle - und ja, das lässt sich auf jeder Shiatsu-Matte weltweit feststellen, es gibt eine Reihe unterschiedlicher Schulen.

Dann ist die Stunde vorbei. Man soll aber nicht sofort aufstehen, sondern erst einmal liegenbleiben. Erstaunlich: Plötzlich ist man eingeschlafen, wird aufgeweckt. "Wie geht es Ihnen, wie haben Sie die Stunde erlebt?" - lautet die Abschlussfrage. Und irgendwie wünschte man, man hätte bereits die zehnte Stunde hinter sich, würde schon Veränderung spüren und mit mehr Lebensenergie die Anforderungen draußen, den täglichen Stress zu bewältigen gelernt haben. (Karin Pollack, DER STANDARD Printausgabe, 25.07.2011)

Links:

Shiatsu - Österreichischer Dachverband

Berührung ist Begegnung - Shiatsu-Ausbildungen Austria

Europäisches Shiatsu Institut

Wissen

An der Quelle der Energie

Shiatsu (Japanisch für "Fingerdruck": von "shi" Finger und "atsu" Druck) ist eine Form der ganzheitlichen, manuellen Körperarbeit, die in Japan entwickelt wurde, ihre Wurzeln aber in der traditionellen chinesischen Philosophie und Medizin hat. Eine zentrale Bedeutung in dieser Denkweise hat der Fluss der Lebensenergie, des "Qi" (im Japanischen "Ki"), das sich über ein Meridiansystem im ganzen Körper verteilt. Zu viel, zu wenig oder ein gestautes Qi verursachen ein energetisches Ungleichgewicht, das individuell unterschiedlich als Müdigkeit, Erschöpfung, Nervosität oder Verspannung wahrgenommen werden kann.

Ziel von Shiatsu ist es, das in Ungleichgewicht geratene System auszugleichen und den Organismus zu unterstützen, seine Funktionen im vollen Umfang wiederherzustellen. Durch Druck mit Fingern, Ellenbogen, Knien und Füßen auf bestimmte Akupressurpunkte am Körper, aber auch durch Dehnungen und sanfte Berührungen werden die Energiekanäle und die tieferliegenden Energiestrukturen beeinflusst und damit die Balance wieder hergestellt. Insofern entspricht es dem fernöstlichen Verständnis davon, den Körper, noch bevor Probleme entstehen, gesund zu erhalten.

Shiatsu wird auf dem Boden auf einer großen Matte aus- geübt. Der Shiatsu-Praktiker nutzt eine Reihe von Techniken, zu denen auch Dehnungen, Rotationen oder Schaukeln gehört. Es geht darum, sich mit Vertrauen in die Hände eines Shiatsu-Praktikers zu begeben und in einen Zustand von Entspannung zu kommen.

Obwohl viele Berührungen stattfinden, kann man Shiatsu nicht als Massage bezeichnen. Es wird weder mit Öl gearbeitet, auch die Art der Berührung unterscheidet sich. Auch die Frage, wie oft eine Shiatsu-Stunde sinnvoll ist, ist individuell. Zwischen den Sitzungen liegt üblicherweise eine Woche. Shiatsu-Ausbildungen finden in Österreich gemäß den Richtlinien des Österreichischen Dachverbands für Shiatsu (ÖDS) statt. Sie dauern drei Jahre, umfassen 650 Ausbildungsstunden und werden mit einem Diplom abgeschlossen. Die positive Wirkung von Shiatsu wurde 2007 in einer Drei-Länder-Studie belegt. (pok)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 93
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Stefanie Feuerbrand (Wellnessmasseur)
 
00
31.8.2011, 03:42
Burnout - Shiatsu - Qi

Belastungen von allen Seiten sind modern. Durch Perma-Stress entsteht das Gefühl ausgebrannt zu sein. Wenn ein Mensch sich total verausgabt, entsteht innere Leere, The Void, die Lebensenergie scheint verloren zu sein. Erhöhte Reizbarkeit, depressive Gefühle, Erschöpfung und gesundheitliche Probleme stellen sich ein. Da ist es an der Zeit Einhalt zu finden.
Laut chinesischer Medizin ist Burnout eine Kombination aus körperlicher und geistiger Erschöpfung, ein Ungleichgewicht zwischen Yin und Yang. Der Fluss der Energie (Qi) in den zwölf Meridianen ist blockiert. Shiatsu ist deswegen so hilfreich, da es das autonome Nervensystem mit Schwerpunkt auf den Parasympatikus stimuliert und somit eine ausgleichende (beruhigende oder belebende) Wirkung a

Schwalbe
00
31.7.2011, 19:56
Wenn Shiatsu bloß

Wellness sein soll, wären Daoismus und Buddhismus halt auch nur gute Unterhaltung für den Feierabend.

TAO
 
00
Die Rahmenbedingungen

"Mit dem Ärztegesetz (ÄrzteG 1998) haben wir in Österreich eine außerordentlich stringente Rechtslage, die den Arztberuf definiert. Wenn Sie sich § 2 ÄrzteG 1998 ansehen, dann werden Sie feststellen, dass alle Tätigkeiten, bei denen in irgendeiner Weise medizinisch- wissenschaftliche Grundlagen im Spiel sind, Sache des Arztes sind." (Hon.-Prof. Dr. Gerhard Aigner, http://www.medical-tribune.at/dynasite.... aid=881800 )

Im Klartext: Wird ein medizinisch-wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis für Shiatsu erbracht, so bedeutet das das Aus für den selbständigen Berufsstand Shiatu-Praktiker sowie die Shiatsu-Schulen und den Dachverband in seiner jetzigen Form. Dem Shiatsu-Praktiker bleibt somit nur eine Positionierung zwischen

TAO
 
00

Dem Shiatsu-Praktiker bleibt somit nur eine Positionierung zwischen Wellness und Esoterik.

TAO
 
00
27.7.2011, 12:10
Zum Thema "Meridiane"

Peter, Oskar: Punkte, Meridiane, reaktive Areale
und der Weg nach Hause. In: Shiatsu Journal 58/2009, GSD, Hamburg, S.17ff.
http://www.oskarpeter.at/Media/journal58.pdf

Potator
00
29.7.2011, 14:26
Keine Empfehlung

Das alles ist alles andere als eine Empfehlung für diese Art von Therapien. Es geht - das zeigt ja auch dieser Artikel - lediglich um den Glauben (im religiösen Sinn), um unbeweisbare Meridiane, universelle Energien, Akupunkturpunkte, etc. Kritisch Geister werden sich kaum von Einzelberichten und Wunschdenken der Gläubigen und Profiteure beeinflussen lassen.

TAO
 
00
30.7.2011, 09:52
Der Standpunkt bestimmt den Blickwinkel ...

... und von Ihrem Standpunkt aus betrachtet erscheint Shiatsu als Scharlatanerie. Aber es gibt durchaus kritische und intelligente Menschen, die sich nicht von "Einzelberichten und Wunschdenken der Gläubigen und Profiteure beeinflussen lassen" sondern sich persönlich überzeugen konnten, dass Shiatsu eine sinn- und wirkungsvolle Behandlungsmethode sein kann. Nicht für jeden; aber das sind andere Methoden (auch "seriöse" und allgemein anerkannte) auch nicht.

marty fink
00
27.7.2011, 12:55
Aus den ersten Absätzen:

"...Bei
chronischen Kniegelenks- und Rückenbeschwerden
war Akupunktur der herkömmlichen
westlichen Standardtherapie
sogar überlegen;..."
Referenz zur GERAC Studie...
Ah eh diese Studie:
http://www.angelfire.com/sc/naturh... hrono2.htm

Da sag ich nur Autsch!
Nächstes Argument!

TAO
 
00
27.7.2011, 13:21
Schon den ganzen Artikel gelesen ...

... oder gleich nach dem zweiten Absatz gepostet?

marty fink
00
27.7.2011, 13:47
Mir reicht bis zum Methodenteil von Studien zu lesen ;-)

TAO
 
00
27.7.2011, 13:58
Was für ein bescheidenes Leben ;-)

marty fink
00
27.7.2011, 14:07
Tja

Auch kein Argument gegen Richtiges Studienfesign, oder wolltens noch was sagen?

TAO
 
00
27.7.2011, 19:02
Tja

Für jemand der Lesen kann war mein Posting weder ein Argument für noch gegen irgendein Studiendesign. Es war einfach ein Kommentar zu Ihrem bescheidenen Weltbild. Wenn Sie sich in Ihrem selbstreferentiellen System wohl fühlen soll mir das nur Recht sein.

marty fink
00
27.7.2011, 19:55
Schauens,

sie müssen glauben weil sie nichts wissen!
Haben's ihren Link kritisch betrachtet oder könnens noch immer kein Argument bringen?
Es gibt nichts langweiligeres als ein beliebiges Weltbild!

TAO
 
00
28.7.2011, 00:32
Ich gebe w.o.

Sie sind mir intellektuell einfach zu sehr überlegen. Um ehrlich zu sein, habe ich noch nicht einmal verstanden wofür oder wogegen Sie ein Argument haben wollen.

marty fink
00
28.7.2011, 09:54
Missverständnisse kann man ja aufklären...

Ich hab nur auf ihren Link reagiert, in dem in den ersten Absätzen Aussagen auf Referenzen basieren, die im kritischen Sinne betrachtet, diese Aussagen nicht stützen.
Nicht mehr, nicht weniger. ;-)

TAO
 
00
28.7.2011, 11:27
Durch's Reden kommen die Leut z'samm

Soweit habe ich das ja verstanden. Nur steht dann zwei Absätze weiter: "Es stellt sich die Frage nach der realen Existenz von Akupunkturpunkten bzw. in
weiterer Folge der von Energieleitbahnen
(Meridianen) und deren Verläufe." Also ich habe nicht das Gefühl, dass der Autor dem Thema so unkritisch gegenübersteht. Aber vielleicht sehen/lesen wir halt BEIDE, was wir sehen/lesen wollen ;-)

marty fink
10
28.7.2011, 12:07
Also für mich ist der Artikel eine große Nebelbombe

die mit dem Ausspruch "... Meine Sichtweise ist...weder natur- noch sonst irgendwie
wissenschaftlich..." endet, somit' ist's für mich doch wertlos.

TAO
 
00
28.7.2011, 12:51
Ich glaube ich kann Ihre Sichtweise verstehen

Das Zitat von Wittgenstein im Fazit trifft's für mich ganz gut: "Wir fühlen, daß selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind." - Es kann sich jemand berührt fühlen durch ein Musikstück oder ein Gemälde oder eben durch Shiatsu (nicht nur im Wortsinn). Und ich glaube, das bewegt dann auch etwas. Völlig unwissenschaftlich; aber den Wert würde ich nicht geringschätzen.

marty fink
00
28.7.2011, 13:24
D'accord

Ich nenne das soziale Setting, die Erwartungen und die Gefühle während und vor und nach der Therapie halt Placeboeffekt. :-)
Damit ist die Wirkung der meisten alternativen Therapien aber schon erschöpft...das bekomme ich aber bei wirksamen Therapien auch als Addon dazu.

Somit sind wir dort, wo ich Shiatsu auch einreihe, bei Wellness, das ist ganz ok so, nur das ewige kommunizierte Naheverhältnis zu evidenzbasierenden Heilungstherapien ist nicht in Ordnung.

TAO
 
00
28.7.2011, 13:50

"Placeboeffekte sind positive Veränderungen des subjektiven Befindens und von objektiv messbaren körperlichen Funktionen, die der symbolischen Bedeutung einer Behandlung zugeschrieben werden." (http://de.wikipedia.org/wiki/Placebo) – D.h. es gibt nicht nur eine "eingebildete" Wirkung (wie viele glauben), sondern eine tatsächliche. Dazu kommen im Shiatsu noch die unvermeidbare Reaktion des vegetativen Nervensystems auf die direkte, körperliche Berührung und strukturelle Veränderungen z.B. durch Rotationen oder Dehnungen. P.S.: Persönlich halte ich Shiatsu für eine Form der Körpertherapie; aber hier sind leider auch der Österreichische Dachverband für Shiatsu (und nicht zuletzt die Shiatsu-Schulen) anderer Meinung.

marty fink
00
28.7.2011, 14:58
Ja ja, nicht eingebildet, sondern tatsächlich!

Die Körpertherapie habe ich aber auch wenn mich meine...gar nicht in irgendwelchen Massagemethoden bewanderte Frau massiert... ;-)
Deswegen Wellness...

TAO
 
00
28.7.2011, 17:47
Ja ja, wie der Begriff "Effekt" schon sagt!

Die Methoden Ihrer Frau kann ich nicht beurteilen. Das die für Sie unter Wellness fallen, finde ich völlig o.k. - Vielleicht schaffen Sie eines Tages noch den Schritt, davon nicht auf professionelles Shiatsu zu schließen ;-)

Livingstone
20
26.7.2011, 21:41

Auch ja, zum Glück ist die Medizin in modernen Spitälern schon wesentlich aufgeschlossener und fortschrittlicher als die üblichen Standard Poster...
http://www.ardmediathek.de/ard/servl... Id=6081288

marty fink
01
27.7.2011, 07:38
Und bitte noch den Lichtfasten-Film vom Straubinger posten!

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