Eine Verschnaufpause für Europa

Kommentar | 21. Juli 2011, 23:24

Die Euro-Lenker lassen sich von den Ratingagenturen nicht mehr einschüchtern

Immerhin, es gibt eine Einigung. Die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Länder haben sich spät, aber doch über die Grundzüge des zweiten Hilfspakets für Griechenland verständigt. Es ist ein Mix aus verschiedenen Maßnahmen, denn eine einfache Lösung gibt es ohnehin nicht. Ein schlagartiges Ende der Krise ist mit diesem Paket aber nicht gesichert. Erst die nächsten Tage werden zeigen, ob die Unsicherheit an den Märkten mit diesem überfälligen politischen Schritt beendet ist.

Wie in den Wochen davor hängt viel von der Reaktion der Ratingagenturen ab. Ob sie ihre Drohung wahrmachen und die Beteiligung privater Gläubiger tatsächlich als „selective default", als teilweisen Zahlungsausfall, bewerten. Es wird sich herausstellen, ob die in den USA ansässigen Ratingagenturen verantwortungsvoll handeln und auch das Umfeld im Blick haben.

Dass sich die Europäer trotz der Drohungen zu einer Umschuldung Griechenlands durchgerungen haben, zeugt von einer gewissen Emanzipation und der Absicht, sich aus der Abhängigkeit dreier Ratingagenturen zu lösen - oder zumindest deren Urteil als nur einen Faktor und nicht den allein bestimmenden anzusehen. Damit verbunden ist das Signal: Die Europäer lassen sich von den Ratingagenturen nicht mehr einschüchtern.

Politisch war dieser Schritt richtig und notwendig, dass Banken und Versicherungen auch mitzahlen und sich mit mindestens 50 am 159 Milliarden umfassenden zweiten Hilfspaket für Griechenland beteiligen. Denn es ist den Steuerzahlern in den anderen Euroländern nicht mehr zu vermitteln, dass sie allein zur Kasse gebeten werden, während sich die privaten Gläubiger zurückhalten. Die Erklärung des Bankenverbandes zum Euro-Gipfel zeugt von einem inzwischen vorherrschenden Verständnis, dass finanzielle Probleme nicht einfach nur der Allgemeinheit aufgebürdet werden können. Die Einbindung privater Gläubiger ist vor allem für die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wichtig, die zu Hause immer mehr unter Druck gerät - nicht zuletzt durch ihre Vorgänger Helmut Kohl und Helmut Schmidt, die mit ihrer altväterlich vorgebrachten Kritik an Merkels Krisenmanagement die Unsicherheit an den Märkten noch in unverantwortlicher Weise verschärften.

Dass ein teilweiser Zahlungsausfall akzeptiert wird, zeugt auch von einer inzwischen realistischeren Sichtweise der Euro-Lenker. Es ist ohnehin davon auszugehen, dass Griechenland einen Teil seiner Schulden nicht mehr zu ursprünglich vereinbarten Konditionen zurückzahlen kann.
Eine Lehre aus dem bisherigen Desaster ist, dass der Eurorettungsfonds EFSF flexibler reagieren kann. Der Ausbau zu einem Währungsfonds war überfällig. Der Rückkauf von Anleihen ist ein Instrument, das allen Euroländern in Nöten von Nutzen sein wird. Insbesondere Griechenland wird die enorme Laufzeitverlängerung der Kredite von 7,5 auf bis zu 30 Jahre helfen. Das verschafft Luft gepaart mit der Senkung der Zinssätze für Notkredite auf 3,5 Prozent.

Auch für Irland und Portugal werden die Konditionen für Kreditlaufzeiten und Zinssätze verbessert. Diese konkreten Entscheidungen sind eine Anerkennung, dass die Sparbeschlüsse auch umgesetzt werden. Das hilft den Regierungen, bei der Bevölkerung stärker um Akzeptanz zu werben. Mit den Brüsseler Beschlüssen hat sich Europa zumindest eine Verschnaufpause verschafft und endlich Handlungen gesetzt. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 22.7.2011)

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noll.a
00
26.7.2011, 01:17
The Dynamics Of Doom: Why The Eurozone Fix Will Fail

1. The consequences of austerity.
Money that once went to labor (wages) and social services now goes to debt repayments and interest.

2. This loss of faith and confidence triggers hoarding and capital flight

3. Taxes must be raised to fund higher debt service.

4. The frantic rush by the EU and ECB into a domino-like series of short-term "fixes" effectively destroys the possibility of long-term solutions.

5. These dynamics set up a double-bind endgame. The EU Overlords and the ECB can busily move their last knight around their king, but the game is already lost.

http://www.zerohedge.com/news/gues... -will-fail

Bruno Weipl
00
24.7.2011, 16:59
Europa Verschuldungskrise

Bravo !! Einer der wenigen treffenden Kommentare zur Verschuldung der Europa-Länder.
Von allen schlechten Lösungen die BESTE die getroffen wurde.

Toni Meister
00
22.7.2011, 19:32
Mitbezahlen von Banken und Versicherungen ?

Schaut euch diesen Satz an, der einen Teil der Beteiligung der Banken an dem Rettungspaket definiert:
The fourth option is a] Discount Bond Exchange offered at 80% of par value for a 15 year instrument. The principal is partially collateralized with 80% of losses being covered up to a maximum of 40% of the notional value of the new instrument. The collateral is provided by funds held in escrow. These funds are borrowed by Greece from the EFSF. The EFSF funding costs are covered by the interest earned on the funds in the escrow account so there is no funding cost to Greece of this collateral. The funds in escrow are returned to the EFSF on maturity, if not used, and the principal on the bond is repaid by Greece.
Alles klar ?. Gratuliere !.

der wanderfalke
 
01
22.7.2011, 18:36
Kritik an Merkels Krisenmanagement ...

ist mehr als angebracht. Ihr Zaudern und Zögern hatte bereits vor einem Jahr dazu geführt, dass EU-Mitgliedsländer über Gebühr unter Druck der Finanzmärkte gekommen sind. Es sind nicht Merkels Kritiker, die die Krisensituation einiger EU-Mitgliedsländer in unverantwortlicher Weise verschärf(t)en.

ganzsichernicht
 
00
22.7.2011, 17:05
...ganz europa ist aus dem häuschen, weil sie es geschafft haben, den "angriff"auf den euro " abzuwehren"...

...ähm, und wir glauben aber nicht ernsthaft, dass das jetzt die finale schlacht war, oder? italien, belgien, portugal, spanien, ev. deutschland und frankreich gelten bekanntlich auch als wackelkandidaten...na, dann brauchen wir das ding ja nur auf eine völlig abstrakte geldsumme aufstocken und alles ist geritzt!?

Nutze den Tag
01
22.7.2011, 16:36
Weiterer Sündenfall.

Die Ratingagenuteren sind sich keine Heiligen. Aber es stimmt was sie sagen - Punkt.
Setzt man sich nun darüber hinweg - die Schuldenschleusen werden geöffnet und damit nicht nur Inflation, sondern es gibt Monopoligeld - wertlos. Wie früher im Commecon.

bratak
00
22.7.2011, 17:47

wenn sie keine heiligen sind, können sie doch auch manchmal unrecht haben ... ? sorry, die ersten 2 sätze schließen sich teilweise aus.

goldameir
01
22.7.2011, 16:16

ein wahnsinn was hier passiert. und keine medien, die das korrektiv darstellen, nein, es wird einfach verlautbarungs pr gemacht. griechenland ist der größte waffenimporteur europas, der 5.größte der welt. dieses miniland. in der krise werden für ca 3 milliarden euros deutsche u boote und französische flieger eingekauft, die steuerzahler bestreiten also die kosten für ein korruptes politsystem. krupp darf sich freuen, während italien schon im visier für den nächsten angriff ist. was machen die medien ? geben ratingagenturen die schuld. als wäre der guillt millaut verantwortlich für das verdorbene essen. unpackbar.

Enrico Furioso
01
22.7.2011, 15:04
Paul Krugman zum Eurozonen-Rettungsplan:

http://www.nytimes.com/2011/07/2... an.html?hp
http://krugman.blogs.nytimes.com/2011/07/2... 1937-1937/
http://krugman.blogs.nytimes.com/2011/07/2... roblather/

Sein Fazit: "There’s an old quotation ... “You do not know, my son, with how little wisdom the world is governed.” Now that lack of wisdom is on full display, as policy elites on both sides of the Atlantic bungle the response to economic trauma, ignoring all the lessons of history."

Seiner Ansicht wiederholt die europäische Nomenklatura, die entweder nicht willens oder nicht fähig ist aus der Geschichte zu lernen, die Fehler von 1937, die damals die Weltwirtschaft wieder in eine Rezession zwang die erst durch den 2. Weltkrieg ihr Ende fand.

Franz Klug
12
22.7.2011, 14:02
Solange die Rechten und Konservativen,

Merkel, Fekter und CO. die EU-als Bankenunterstützungsverein betrachten wird sich nicht viel ändern und wir werden von einer Finanzkrise in die nächste taumeln.
Es ist absurd: in der Schweiz, USA, Japan gibt es Geld für die Privaten und die Banken ab ca. 0,50% aber Griechenland muss mindestens 3,5 % zahlen.
Hier wird von den Konservativen, Merkel, Fekter und Co. nicht von Standortnachteil gesprochen, - das verkünden die nur wenn es um Sozialleistungen und Löhne geht.
Für die ist es normal wenn die EU-Bevölkerung die Reichen und die Banken füttert!
Aber hier schlafen auch die SP und die Grünen, die sind hier leider auch politisch auf Tauchstation
:((((((((((((

der wanderfalke
 
00
22.7.2011, 18:33
GR muss nur innerhalb der EU 3,5 Prozent Zinsen bezahlen!

Die institutionellen Anleger und Eigentümer der Rating-Agenturen haben für GR längst einen Zinssatz von jenseits der 15-Prozent-Marke angesetzt! Wohlwissend, dass das GR nie und nimmer bezahlen kann, was ja auch nicht erwartet wird. Was zählt, ist die Abhängigkeit einzelner Länder der EU-Zone von den grotesken Bewertungen außereuropäischer Agenturen.

Joe Dalton1
01
22.7.2011, 16:17

Könnte es sein, dass diejenigen höhere Zinsen zahlen, bei denen man weniger sicher ist, das Geld wieder zurück zu bekommen?

L.B.
10
22.7.2011, 13:13

>mit ihrer altväterlich vorgebrachten Kritik an Merkels Krisenmanagement die Unsicherheit an den Märkten noch in unverantwortlicher Weise verschärften.

Na klar, es sind immer die Männer schuld, eine Frau wie Merkel ist natürlich unfehlbar. Fakt ist, dass sie mit ihrem kleinlich-schmierigen Taktieren vor der NRW-Landtagswahl unfassbar viel Vertrauensverlust erzeugt hat.

Trustme
06
22.7.2011, 13:00

Der Satz ist ja wohl ein Witz oder?
"Es wird sich herausstellen, ob die in den USA ansässigen Ratingagenturen verantwortungsvoll handeln und auch das Umfeld im Blick haben."

Die Ratingagenturen werden dafür bezahlt, das Ausfallsrisiko und die Bonität von Schuldnern fair und realistisch einzuschätzen. Nicht politisch gesteuert, nicht zugunsten der USA oder den Gläubigern, aber von den Agenturen Feingefühl beim Erstellen der Ratings zu verlangen ist ja wohl hochgradig weltfremd.

Wenn Rapid 2:0 hinten ist daheim und die Fans durchdrehen kann der Schiedsrichter auch nicht das 3. Tor nicht geben, damit sich die Lage beruhigt.

Howard Roark1
 
00
28.7.2011, 13:34
Genau so ist es!

Manchmal hatte ich schon das Gefuehl, dass ich hier der Einzige bin der diese ganze Hexenjagd gegen die Agenturen net mitmacht!
Bei allen Fehlern, die die Agenturen auch mal machen, sind sie dennoch notwendig! Und zwar in der weitestgehend unabhaengigen, objektiven Form, und nicht als willfaehrige, von der Politik abhaengigen Ratingbeamten.

Don Quixote1
01
23.7.2011, 01:41
"... Nicht politisch gesteuert, nicht zugunsten der USA oder den Gläubigern,..."

Wenn Sie es nicht sarkastisch gemeint haben, dann es ist es absolut weltfremd.

Wolfgang1974
 
03
22.7.2011, 16:39

und wer bestimmt was Fair und Realisitsch ist? Wer oder wie ist man objektiv? Warum ist es Fair, den USA trotz mehrjähriger 15%iger Neuverschuldung und nachwievor ohne Konzept für eine Eindämmung der Neuverschuldung immer noch ein AAA zu geben?

Sind Sie sich sicher, dass da objektiv geurteilt wird?
ich nicht!

fsiggi
12
22.7.2011, 12:36
Deutschland vor dem Bankrott

Die CDS Kurse steigen und steigen, wenn sie so hoch bleiben, verliert Deutschland das AAA Rating.

Dann zahlt Deutschland 25 - 50 Milliarden Euro mehr an Zinsen. Dazu kommt die Schuldengrenze. Drastische Steuererhöhungen und Kürzungen sind die logische Folge. Dann werden Hochqualifizierte, Unternehmer und Vermögende mit Füßen abstimmen. Das alles geschieht übrigens längst.

Wenn das Bundesverfassungsgericht den Wahnsinn nicht stoppt, geht es erst richtig los!

Eisteefetischist #1
00
22.7.2011, 18:21

Ohne Paaaaaaanik!!!! lebt es sich nicht gut in deiner Welt, oder?

Wolfgang1974
 
01
22.7.2011, 16:46

na wenn es allen Euroländern schlecht geht, dann kann man wenigstens den Euro abwerten langsam und stetig und die Exporte ankurbeln

FloW ERlebnis
00
22.7.2011, 12:05
DAS ist aber jetzt ein schlechter Witz hoffe ich.

.
'...Helmut Kohl und Helmut Schmidt, die mit ihrer altväterlich vorgebrachten Kritik an Merkels Krisenmanagement die Unsicherheit an den Märkten noch in unverantwortlicher Weise verschärften.'

Und das nach all den gesamteuropäisch planlosen und (innenpolitisch) motivierten Pirouetten der (Regierung) Merkel.

Fast so lächerlich wie AF-S vor einigen Wochen ventilierte Behauptung, Merkel wollte die Schwarz-Geld Koalition gar nie wirklich.

Günther Hoppenberger
01
22.7.2011, 17:13

Helmut Kohl steht Kritik aber überhaupt nicht zu, hat er doch aus Unwissenheit bei der Wiedervereinigung den überflüssigen Verschuldungsschub zu verantworten - und den "Soli". Hätte man die Ostmark nicht gegen neues Schuldgeld gewechselt, sondern zu gleich gültigem Zahlungsmittel erklärt, hätte Deutschland einen schönen Anteil schuldfreies Geld gehabt. Dass die Banken dagegen gewesen wären, ist auch klar, berechtigt jedoch nicht dazu der Bevölkerung unnötige Belastungen aufzuhalsen.

FloW ERlebnis
00
22.7.2011, 20:35

Ja, da haben Sie schon recht.

Aber AF-S tut ja grad so, als ob das bisschen Kritik an "seinem Mädchen" vom Dicken und vom Raucher "die Märkte" irgendwie beeinflussen würden. Lächerlich.

Im Gegenteil, die Kritik am "populistischen" und zögerlichen Vorgehen der Merkel hätte schon viel früher viel drastischer formuliert werden müssen.

powerpack
00
22.7.2011, 12:16
ich befürchte dieser kommentar ist leider kein witz

weng
01
22.7.2011, 11:47
Wie zufällig haben die Ratingagenturen wohl alle großen Krisen "verschlafen"? orf.at: "Wenn es um die Vorhersage von großen Krisen ging, versagten die Ratingagenturen komplett.

Von der Mexiko-Krise 1994 wurden sie ebenso überrascht wie von der Asienkrise 1997. Auch die Russland- und die Brasilien-Krise im Jahr 1998 erwischte sie völlig am falschen Fuß. Und vor der Argentinien-Krise, die 1998 begann und 2001 in einem völligen Kollaps des staatlichen Finanzsystems endete, wurde auch erst gewarnt, als alles schon zu spät war."

"In den USA wurden riskante Subprime-Kredite von den Ratingagenturen als sicher eingestuft, und viele institutionelle und private Anleger wurden dadurch in die Irre geführt. Erneut stellte sich heraus, dass die Ratingagenturen tief mit den Finanzinstituten verstrickt waren, deren Produkte sie später als ausgezeichnet bewerteten."

Die Verschuldung und Abwertung anderer wirft am meisten Profit!

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