Immer mehr fliehen vor Dürre am Horn von Afrika - Uno beruft Krisentreffen ein
Nairobi - Sie haben kein Fleisch auf den Knochen, können sich nicht mehr bewegen, und jede Infektion kann sie umbringen, weil ihr Immunsystem nicht mehr funktioniert: "Hunger ist eine Krankheit, die den ganzen Körper zerstört", erklärt Gedi Mohamed, Leiter eines Spitals der Ärzte ohne Grenzen im Flüchtlingslager Dadaab in Kenia, im Standard-Gespräch. Seit 18 Monaten ist er bereits im Lager - "so etwas habe ich aber noch nie gesehen", sagt er.
Kenia, Äthiopien und Somalia erleben derzeit die schlimmste Dürre seit 60 Jahren, elf Millionen Menschen sind laut Uno vom Hunger bedroht. Wer noch gehen kann, flieht aus den betroffenen Regionen - etwa ins Lager von Dadaab.
Seit April kommen immer mehr unterernährte Menschen in Mohameds Klinik. Seine Abteilung für Hungerpatienten ist ausgelegt für 20 Patienten, 130 sind derzeit dort untergebracht. "Die anderen Kranken müssen sich ihr Essen mit den Neuankommenden teilen. Das bringt auch sie in Gefahr", sagt er.
Langsam wird der Platz knapp
Es sind vor allem Frauen und Kinder, die neu im Lager ankommen. Die Männer bleiben meist mit dem letzten verbliebenen Vieh zurück und schicken ihre Familie fort. Langsam wird der Platz knapp - nicht nur in Mohameds Klinik, sondern im ganzen Lager.
Die kenianische Regierung hat daher zugesagt, ein neues Lager für 80.000 Menschen zu eröffnen. Bisher fehlt es aber noch an der Ausstattung, etwa an Sanitäranlagen. "Die Menschen hier brauchen alles - Essen, Wasser, Kleidung, das Allernötigste", sagt Mohamed.
Für kommenden Montag hat die Uno in Rom ein Krisentreffen einberufen, um die Mitgliedsstaaten um Geld zu bitten. Die britische NGO Oxfam beschuldigte die EU, die Krise zu ignorieren: 800 Millionen Euro Notfallhilfe würden fehlen. (tob, DER STANDARD, Printausgabe, 21.7.2011)