Russland wird Monopolist bei Versorgung der internationalen Raumstation ISS
Moskau - Das Ende des Space-Shuttle-Programms beschert Russland mit
seinen Sojus-Raumschiffen vorerst eine Monopolstellung bei der Versorgung der
Internationalen Raumstation ISS. Diese Vormacht lässt sich Moskau gut
bezahlen: Für einen der drei Plätze in der Kapsel müssen die USA rund 60
Millionen US-Dollar (rund 42 Mio. Euro) überweisen. Nach der Katastrophe des
US-Shuttles "Columbia" 2003 war die Sojus bereits zwei Jahre lang die einzige
Verbindung zur ISS. Die nächste Sojus (deutsch "Union") soll im September vom
Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan abheben.
Technisch rückständig, aber enorm zuverlässig: Die Sojus gilt als "VW-Käfer
des Weltalls". Nach dem Jungfernstart 1966 blieb das Raumschiff lange Zeit fast
unverändert. "Es ist eng und unbequem, aber ungeheuer pragmatisch", sagt der
ehemalige deutsche Astronaut Thomas Reiter über das vier Kubikmeter kleine
Landemodul. 2010 ersetzte die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos das analoge
Steuerungssystem durch eine digitale Anlage.
Zwar gilt die Sojus als eines der sichersten Transportsysteme, trotzdem gab
es tödliche Zwischenfälle. 1967 starb ein Raumfahrer bei der Landung, weil der
Bremsfallschirm versagte, und 1971 erstickten drei Kosmonauten in der
glockenförmigen Kapsel.
Wegwerf-Kapsel
Im Gegensatz zum US-Shuttle kehren Sojus-Raumschiffe nicht im Gleitflug zur
Erde zurück und sind auch nicht wieder verwendbar. Nach dem Abdocken von der ISS
tritt die Kapsel mit etwa 830 Stundenkilometern in die Erdatmosphäre ein und
wird von Fallschirmen auf etwa 5 Stundenkilometer gebremst. Nach ihrem meist
unsanften Aufprall in der zentralasiatischen Steppe enden sie oft im Museum
ihres Erbauers, des Raumfahrtkonzerns RKK Energija bei Moskau.
Entwickelt worden war die Sojus von dem sowjetischen Konstrukteur Sergej
Koroljow. "Je einfacher eine Konstruktion ist, desto genialer ist sie", sagte
der 1966 gestorbene Weltraumpionier einst über sein Werk. "Kompliziert bauen
kann jeder." (red/APA)