Mit Riesling gegen die Erderwärmung

  • In der Moselschleife bei Bremm wollen die Winzer neben dem Wein auch Biomasse liefern.
    foto: edi reiz

    In der Moselschleife bei Bremm wollen die Winzer neben dem Wein auch Biomasse liefern.

An der Mosel und auf El Hierro wird schon heute der klimaneutrale Urlaub der Zukunft geprobt: mit Biomasse und Windkraft

Wie soll ein halbwegs klimaverträglicher Tourismus in Zukunft möglich sein, wo doch Chinesen und Inder gerade erst so richtig mit dem Reisen beginnen? Zumindest könnten sich die Spielregeln für Tourismusstandorte ändern. Angenommen, jedem Bürger wird in Zukunft ein individuelles CO2-Konto zugestanden.

Wer es überlastet, muss kräftig draufzahlen. Bei einem herkömmlichen Urlaub wäre das persönliche Budget schnell aufgebraucht. Da entscheidet man sich doch lieber für ein "klimaneutrales" Angebot.

Klettersteig durch den steilsten Weinberg Europas

Genau das wird an der Mosel vorbereitet. Dort führt ein Klettersteig durch den steilsten Weinberg Europas, den Bremmer Calmont. Wer hinaufwandert, sollte festes Schuhwerk anhaben und schwindelfrei sein. An schwierigen Passagen helfen Leitern, Stufen und Handläufe. Die Ernte ist Knochenarbeit, die aber wenigstens mit einem fruchtigen, mineralischen und säurebetonten Riesling belohnt wird.

Der Moselwein übernimmt nun eine weitere Aufgabe. Die Winzer sollen neben dem Wein auch Biomasse liefern, die in den Pressrückständen der Weintrauben steckt. "Mit dem Trester wurden bisher immer die Weinberge gedüngt", sagt Landrat Manfred Schnur. "Wir wollen ihn jetzt für die Biogasanlagen verwenden und damit unsere regenerative Wärmeversorgung ankurbeln."

Regionale Versorgung ohne fossile Energieträger

Schnur strebt eine regionale Versorgung ohne fossile Energieträger an. Mithilfe von Biomasse, Elektrobussen und klimafreundlichen Unterkünften sollen die Emissionen schrittweise so weit sinken, dass Gäste einen CO2-neutralen Urlaub buchen können. So kommt zum guten Wein und zum guten Essen auch das gute Gefühl, umweltschonend Ferien zu machen. Aus dem Klimaschutz könne sich keiner mehr ausklinken, meint Schnur: "Wenn sich das Mikroklima in den Flusstälern verändert, könnte der Riesling, unser Markenzeichen, auf der Strecke bleiben."

Im Westatlantik hat sich eine ganze Urlaubsinsel vom Öl losgesagt. El Hierro ist mit seinen zerklüfteten Felslandschaften und zauberhaften Lorbeerwäldern die wildeste der Kanarischen Inseln, vom Massentourismus noch unbeschadet. Die Unterkünfte sind zumeist restaurierte Bauernhäuser in Privatbesitz. Dort gibt es Milch und Käse von den benachbarten Bauernhöfen zu essen - irgendwie ist jeder Insulaner am Tourismus beteiligt. Nur die Energie musste immer eingeschifft werden, jährlich 6000 Tonnen Diesel.

Keine Sorgen bei Windstille

Bis sich El Hierro einen Windpark in die Berge setzte. Wer im Hotel nun die Nachttischlampe anschaltet oder die Haare föhnt, nutzt regenerativen Strom von der Insel - und muss sich auch bei Windstille keine Sorgen machen. Dann kommt ein Pumpspeicherkraftwerk zum Einsatz, das überschüssigen Strom speichert und auf Kommando wieder ins Netz einspeist. So werden jährlich 18.700 Tonnen Kohlendioxid weniger in die Atmosphäre gestoßen.

"Dafür müssten wir 12.000 Hektar Wald pflanzen", sagt Cristina Morales vom Unternehmen "Gorona del Viento El Hierro". Sie schließt aus, dass die Windräder jemanden stören könnten. Die Touristen schätzten saubere Energien, und irgendwann sollen sie auch in Elektroautos über die kleine Insel fahren - mit grünem Inselstrom in den Batterien. (Andreas Lorenz-Meyer/DER STANDARD/Printausgabe/22.07.2011)

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