Karriereende mit 81 Jahren

Stirling Moss hat am Donnerstag in Le Mans seine Rennfahrer­karriere für beendet erklärt. Er hat viel gewonnen, aber nie den WM-Titel

Le Mans - Er ist einer der beliebtesten Rennfahrer der Geschichte, doch nun tritt Sir Stirling Moss endgültig auf die Bremse. Im Alter von 81 Jahren hat die britische Motorsportlegende nach über 60 Jahren Vollgas den finalen Rückzug vom Rennsport verkündet. "Ich hatte am Nachmittag eine kurze Schrecksekunde. Ich habe immer gesagt, dass ich in den Ruhestand gehe, wenn ich mich nicht mehr sicher fühle", sagte Moss.

Der Anlass für seine Entscheidung hätte passender kaum sein können. Im Rahmenprogramm der 24 Stunden von Le Mans war ein Start im Legendenrennen der letzte Höhepunkt einer Karriere, die auch ohne die ganz großen Erfolge beeindrucken musste.

Erster Sieg im Jahr 1955

Mit 18 Jahren fuhr Moss, dessen Eltern ebenfalls im Motorsport aktiv waren, seine ersten Formel-3-Rennen. Schon drei Jahre später folgte der Aufstieg in die Königsklasse und 1955 im Mercedes der erste von insgesamt 16 Siegen. Nach dem Rennen in Aintree, bei dem Moss für den ersten britischen Erfolg bei einem Formel-1-Heimspiel sorgte, konnte der damals 26-Jährige sein Glück kaum fassen. "Hast du mich vorbeigelassen?", fragte Moss immer wieder seinen Silberpfeil-Teamkollegen Juan Manuel Fangio. Doch der Argentinier entgegnete nüchtern: "Nein, du warst einfach schneller."

Neben seinen sportlichen Leistungen war wohl genau jene Bescheidenheit der Hauptgrund für Moss' große Beliebtheit über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus. Und doch zerstörte sie auch seinen Traum vom Weltmeistertitel. Als sein Konkurrent Mike Hawthorn 1958 nach dem Rennen in Portugal disqualifiziert werden sollte, setzte sich Moss für den Ferrari-Piloten ein. Hawthorn behielt seinen zweiten Platz und die sechs Punkte und wurde knapp vier Wochen später mit einem Zähler Vorsprung auf seinen Landsmann Weltmeister. "Ich würde es wieder tun", sagt Moss bis heute.

Viermal blieb ihm nur der "Vize", kein anderer Pilot in der Formel-1-Geschichte verpasste den Titel öfter so knapp. Doch trotz seiner Beinamen "ewiger Zweiter" und "ungekrönte Legende" ging Moss seiner großen Liebe weiter nach. Erst ein schwerer Unfall 1962 im englischen Goodwood, nach dem der Familienvater einen Monat im Koma lag und ein halbes Jahr halbseitig gelähmt war, beendete Moss' Profikarriere. Zu besonderen Anlässen setzte er sich aber weiterhin in Rennautos.

Sturz in Aufzugschacht

Im vergangenen Jahr hätte Moss, der 1990 in die Hall of Fame aufgenommen und 1999 von der englischen Königin in den Adelsstand erhoben wurde, beinahe ein kurioser Unfall weit abseits der Rennstrecke das Leben gekostet. In seiner Londoner Wohnung stürzte der damals 80-Jährige in einen Aufzugschacht und verbrachte ein Wochenende auf der Intensivstation. Mit zwei gebrochenen Knöcheln ließ er sich aber schon wenige Tage später in seinem Krankenbett in einem Superman-T-Shirt fotografieren.

Zwar hat der Held der englischen Motorsportfans nun endgültig genug, doch vergessen wird er trotz seines Rückzugs wohl nie. "Stirling ist eine Legende. Man wird ihn überall auf der Welt mit offenen Armen empfangen", sagte der sechsmalige Le-Mans-Sieger und zweimalige Formel-1-Vizeweltmeister Jacky Ickx: "auch wenn er nicht mehr auf der Rennstrecke unterwegs sein wird."

Zwar brachten einige Anhänger auf Moss' Homepage bereits die Hoffnung zum Ausdruck, ihn doch noch einmal auf der Piste zu sehen, doch der 81-Jährige hat seinen Entschluss gefasst. "Ich liebe den Rennsport, aber die Zeit zum Aufhören ist gekommen." (SID)

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9 Postings
wunderbarer artikel

Danke für den informativen Artikel

der "ewige zweite" hält - so nebenbei - den "rundenrekord" auf der mille miglia

Eine Legende

und in jeder Hinsicht ein Sir! Solche Sportsgeister fehlen heute zu oft!

stirling moss

der englische felipe massa.

Wahnsinnig?????

Le Mans, Mille miglia, ...

hat der Massa meines Wissens nicht gewonnen.

Für LeMans ist er noch zu jung - das Projekt kann er nach seiner Formel 1 Karriere angehen. Allerdings bezweifle ich, dass Massa noch ein paar Vizeweltmeistertitel erringt ...

Für die Mille Miglia ist er definitiv zu spät geboren.

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