Eltern und Homöopath nach Tod eines Kindes vor Gericht

21. Juli 2011, 18:50
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Alternativmediziner habe nicht "nach den Regeln der ärztlichen Kunst gehandelt" - Prozess vertagt

Innsbruck - Wegen "Quälens und Vernachlässigens eines Unmündigen" standen am Donnerstag erneut ein Osttiroler Ehepaar und ein Arzt vor Gericht. Ihnen wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, vor dem Tod des knapp dreijährigen Jakob im März 2009 falsch gehandelt zu haben.

Im Nachhinein würde er wohl einiges anders machen, hatte der Vater des verstorbenen Buben bereits am letzten Verhandlungstag Anfang Juli ausgesagt und sich damit teilweise schuldig bekannt. Am Donnerstag kamen vom ebenfalls angeklagten Arzt ähnliche Worte: Nachher sei man immer klüger. Die Eltern von Jakob, der an einer Immunschwäche litt, hatten schon ihre ersten beiden Kinder Anfang der Neunzigerjahre kurz nach der Geburt verloren. Jakob wollten sie eine "endlose Behandlung im Krankenhaus" und eine Knochenmarkstransplantation "ersparen".

Es wurde ein Alternativmediziner engagiert. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mediziner vor, "nicht den Regeln der ärztlichen Kunst entsprechend gehandelt zu haben". Der Arzt sagte vor Gericht, er habe mit den Eltern eine homöopathische Behandlung vereinbart. Zudem hätten die Eltern einen Klinikaufenthalt für das Kind bis zum Ende abgelehnt. Eine Lungenentzündung und eine Zersetzung des Gehörgangs sei von dem Arzt knapp vor dem Tod des Buben zu Hause nicht erkannt worden, kritisiert die Staatsanwaltschaft. Der Prozess wurde vertagt, weitere Gutachten werden eingeholt. (ver, DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2011)

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