U6-Teilsperre betrifft Obdachlose und umliegende Lokalitäten

22. Juli 2011, 07:08
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Eine Einrichtung für Obdachlose bei der Station Josefstädterstraße muss vorübergehend geschlossen werden

"Es waren nur drei oder vier Leute da, um unsere medizinische Betreuung in Anspruch zu nehmen", sagt ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der Caritas. Im medizinischen Betreuungsbus "Louise" leistet er vor der U6-Station Josefstädterstraße medizinische Erst- und Notversorgung für obdach- und wohnunglose Menschen, auch wenn sie nicht krankenversichert sind. 

"Louise" steht in nächster Zeit nicht vor dem "JOSI"

"Normalerweise kommen 20 bis 30 Leute vorbei und brauchen unsere Hilfe", erklärt der Caritas-Mitarbeiter. Der Bus steht dreimal in der Woche für drei bis vier Stunden vor dem "JOSI", einem Tageszentrum für Obdachlose bei der U6-Station Josefstädterstraße.

Dass an diesem Tag so wenige vorbeigekommen sind, liegt wohl auch daran, dass das "JOSI" aufgrund der Sanierungsarbeiten der U-Bahn-Station Josefstädterstraße geschlossen werden musste. "Wir haben bereits vor zwei Wochen angekündigt, dass die Betreuungsstelle die nächsten sechs Wochen nicht geöffnet hat. Deswegen sind heute weniger Leute dagewesen", sagt der Caritas-Mitarbeiter.

Ein paar Obdachlose haben sich trotzdem an der Bushaltestelle gegenüber des Tageszentrums eingefunden. "Für sie ist das "JOSI" auch ein sozialer Treffpunkt, an dem sie sich austauschen und deswegen werden ein paar von ihnen auch weiterhin hierher kommen, um sich zu treffen, auch wenn das 'JOSI' nicht offen hat", erklärt der Mitarbeiter der Caritas.

Im Zuge der Sanierungsarbeiten bei der Josefstädterstraße wird das Tageszentrum nun ebenso renoviert und "Louise" wird in den nächsten sechs Monaten keinen Halt vor dem "JOSI" machen.

Ersatzquartier in Meidling

Für die Zeit während der Renovierungsarbeiten haben die Wiener Linien ein Ersatzquartier in Meidling zur Verfügung gestellt. Dieses werde derzeit noch in Stand gesetzt und an die Erfordernisse angepasst, sagt Iraides Franz, Pressesprecherin des Fonds Soziales Wien. Das Quartier soll voraussichtlich Ende Juli eröffnet werden. Der Bus "Louise" wird dort dann ebenfalls zum Einsatz kommen. 

Zudem wurde eine Sozialberatungsstelle in der Laudongasse eingerichtet. Dort werden wohnungslose Menschen von Sozialarbeitern betreut und können ihre Dokumente und Geld verwahren. Desweiteren werde die Straßensozialarbeit in den nächsten sechs Monaten rund um die Josefstädterstraße verstärkt, so Franz.

Lokale und Geschäfte sind von der Teilsperre betroffen

Nicht nur das "JOSI" ist von den Sanierungsarbeiten der U6-Station betroffen: Die beiden Kebabstandler vor der U-Bahn-Station klagen, dass sie Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent hätten.

Das "Cafe Carina" bei der U-Bahn-Station hat aufgrund der Umbauarbeiten die Sommerpause gleich bis Anfang September verlängert (siehe Foto links). Auch die Verkäuferin der gegenüberliegenden Trafik gibt an, dass durch die Sperre der U6 viel weniger Kundschaft vorbeikomme - sie meint, dass der Umsatz in ihrem Geschäft um 20 bis 30 Prozent zurückgegangen sei. (Elisabeth Mittendorfer, derStandard.at, 22.7.2011)

  • Die eingerüstete U6-Station Josefstädterstraße wird voraussichtlich noch bis Anfang September geschlossen bleiben.
    foto: derstandard.at/mittendorfer

    Die eingerüstete U6-Station Josefstädterstraße wird voraussichtlich noch bis Anfang September geschlossen bleiben.

  • Der medizinische Betreuungsbus "Louise" vor dem eingerüsteten "JOSI".
    foto: derstandard.at/mittendorfer

    Der medizinische Betreuungsbus "Louise" vor dem eingerüsteten "JOSI".

  • Vor der U-Bahn-Station werden seit Beginn der Sanierungsarbeiten deutlich weniger Kebabs gekauft.
    foto: derstandard.at/mittendorfer

    Vor der U-Bahn-Station werden seit Beginn der Sanierungsarbeiten deutlich weniger Kebabs gekauft.

  • "Cafe Carina" macht heuer aufgrund der Umbauarbeiten eine längere Sommerpause.
    foto: derstandard.at/mittendorfer

    "Cafe Carina" macht heuer aufgrund der Umbauarbeiten eine längere Sommerpause.

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