Erlösung in Erl

21. Juli 2011, 17:23
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Die Tiroler Festspiele in Erl gehen mit Richard Wagners "Parsifal" in die Endphase

 

Erl - Die Zahl Drei bestimmt die Programmplanung in Erl. Von der Trilogie der frühen Wagner-Opern, die innert drei Jahren hier gezeigt werden, ist auf der Grünen Wiese am Inn heuer gleich zum Beginn deren mittlere, der Tannhäuser, zu einer besetzungsmäßig spaltenden, inszenatorisch einenden Aufführung gebracht worden.

Gleichzeitig war dieser Tannhäuser Oper Nummer eins einer Dreiergruppe, mit welcher in diesem Sommer das frühe, mittlere und späte Opernschaffen Richard Wagners beleuchtet wird.

Nach den Meistersingern von Nürnberg bringt an diesem und am nächsten Wochenende der Parsifal diese Serie wie auch die gesamten Festspiele zu einem wahrscheinlich weihevollen Abschluss.

Als Klingsor und als Amfortas werden Michael Kupfer und Thomas Gazheli wieder - wie im Tannhäuser - mit von der Partie sein. Kupfer hatte dort mit seinem fein gestalteten, noblen Wolfram von Eschenbach (neben Arpiné Rahdjian als Elisabeth) die überzeugendste, beglückendste Leistung des Premierenabends geboten; Gazheli war als sensibel-intensiver, sich sorgender Landgraf zu erleben gewesen.

Gefeierter Bass

Bemerkenswert auch, dass Franz Hawlata sein Rollendebüt als Gurnemanz geben wird. Seit gut zehn Jahren singt der gefeierte Bass nun große Wagner-Partien wie den Wotan und vor allem den Hans Sachs - wie wohl seine Verkörperung des alten Gralsritters ausfallen wird?

Und ob die von Lenka Radecky verantworteten Kostüme ähnlich bizarr ausfallen werden wie beim Tannhäuser? Dort pendelten ihre Schöpfungen zwischen Lucas Cranach d. Ä. (die Chormänner) und Siegfried & Roy (der arme Landgraf). Man wird hören, man wird sehen.

Robert Schindel, ein über sich selbst verwunderter Bewunderer von Wagners letztem Großwerk, beschrieb seine Stimmung nach dem Besuch eines Erler Parsifal jedenfalls wie folgt: "Also gehe ich zugleich getröstet und verärgert - getröstet wovon? verärgert worüber? - aus Gustav Kuhns Parsifal hinaus, lasse das Haus in Erl im Rücken und sehe auf die Sterne über den Bergen." (Stefan Ender / DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2011)

22. 7., 17.00; 31. 7., 11.00

  • Gustav Kuhns  "Parsifal" ist in Erl noch zweimal zu  
sehen.
    foto: osterauer

    Gustav Kuhns "Parsifal" ist in Erl noch zweimal zu sehen.

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