Neben Softwarefirmen investieren auch Staaten immer mehr in den Krieg im Cyberspace
Michael Riley und Ashlee Vance beschreiben in einem ausführlichen Artikel auf businessweek.com, welche Ausmaße der Krieg im Internet bereits angenommen hat.
Neben Hackerattacken kommt es auch schon zu Offline-Angriffen auf Firmen im IT-Sektor. So hat sich am 24. Mai ein bewaffneter Einbrecher Zugang zu den Büros von Nicira Networks verschafft und gezielt einen Computer mit Niciras Source Code gestohlen.
Operation Aurora
Der Diebstahl geistigen Eigentums ist nichts Ungewöhnliches, die Art und Weise allerdings schon. Meistens stehlen Hacker Daten von Servern und es werden nicht gleich ganze Computer entwendet. Doch auch die Online-Diebstähle werden immer häufiger. Google hat letztes Jahr China vorgeworfen, den Konzern auszuspionieren. Zur gleichen Zeit wurden rund 20 andere Unternehmen Opfer der Operation Aurora, darunter Adobe. Insgesamt sollen die Hintermänner von Aurora 2000 Firmen ausspioniert haben.
Dieses Jahr wurde Code der Firma RSA gestohlen. RSA verschlüsselt die Daten von verschieden US-Behörden oder Banken und mit dem Diebstahl des Algorithmus, hätten die Hacker auf all diese Daten zugreifen können. Selbst das Pentagon ist nicht vor Angriffen sicher. Über 24.000 Dateien wurden letzten Monat gestohlen.
Stuxnet
Der größte und bekannteste Zwischenfall geschah letztes Jahr mit dem Stuxnet Wurm. Dieser war darauf programmiert Computer des iranischen Atomprogramms zu infizieren und die Kontrolle über Nuklearanlagen zu übernehmen. Die USA und Israel wurden verdächtigt hinter diesem Angriff zu stecken, schließlich wurde so das iranische Atomprogramm um Monate zurückgeworfen.
Die Waffen des Cyber Wars
Die Waffen des Cyber Wars existieren schon seit Jahren. Am häufigsten werden Botnets und Exploits eingesetzt. Ein Botnet besteht aus mehreren Computern, die Hacker für Attacken einsetzen können, ohne dass die Besitzer etwas davon merken. Damit können ganze Netzwerke lahmgelegt werden. Ein Exploit ist ein kleines Schadprogram, das Sicherheitslücken ausnutzt, um die Kontrolle über einen Computer zu erlangen.
Endgame Systems
Das Pentagon arbeitet mit vielen Firmen zusammen, die die USA im Cyber War aufrüsten und beschützen sollen. Eine davon ist Endgame Systems. Das Startup wurde von ehemaligen Hackern gegründet und verkauft Zero-Day-Exploits an die US-Regierung. Das sind Schadprogramme, die über bisher nicht dokumentierte Sicherheitslücken eingeschleust werden und unentdeckt in einem System verweilen, bis sie aktiv werden und dieses lahmlegen. Die Computer auf denen Endgame die Exploits installiert hat, liegen im Mittleren Osten, Russland, China und auch in Europa.
Im Februar machte die Hackergruppe Anonymous E-Mails zwischen Endgame und HBGary Federal publik, was laut Pentagon die nationale Sicherheit gefährdet habe. In den E-Mails klärte Endgame seinen Partner unter anderem über Schwachstellen in wichtigen russischen Institutionen auf. Außerdem tauchte eine Preisliste im E-Mail-Verkehr auf, woraus man den Schluss ziehen konnte, dass Endgame nicht nur die US-Regierung als Kunden hatte. Derzeit ist die Website der Firma offline.
Money make the war go round
Riley und Vance kommen zu dem Schluss, dass der Cyber War oder Code War, wie sie es nennen, keine Fiktion mehr ist, sondern wir uns bereits mittendrin befinden. Mögen auch die Waffen in diesem Krieg andere sein als in konventionellen Auseinandersetzungen, so gibt es doch eine Gemeinsamkeit: Man kann mit beiden viel Geld verdienen. (soc)