Lehrerausbildung soll an Uni erfolgen
Graz - Die Universität Graz will bei der neuen Pädagogen-Ausbildung in der Steiermark die Führungsrolle übernehmen. Die derzeitige Pädagogische Hochschule (PH) Steiermark könnte als Ganzes als eigene Fakultät in die Universität eingegliedert werden. "Auf eine glückliche Verlobungszeit sollte die Heirat folgen", meinte Martin Polaschek, Vizerektor für Studium und Lehre an der Universität Graz.
"Zusammenleben auf Augenhöhe"
Aus Sicht Polascheks sei durch die Eingliederung der PH als Fakultät "ein Zusammenleben auf Augenhöhe" gegeben. Für die PH könnte eine Regelung ausgearbeitet werden, wie sie ehemals für die medizinische Fakultät an der Universität Graz gegolten hat, schlug Polaschek vor. "Die PH könnte mit dem bisherigen Geld des Unterrichtsministeriums als Sonderetat in die Universität einsteigen, die Lehrenden weiterhin nach eigenem Dienstrecht beschäftigt werden", so der Vizerektor.
Gegen eigenständige Uni
Die Möglichkeit einer eigenständigen Pädagogischen Universität in der Steiermark erfüllt Polaschek mit Sorge: "Das würde nur die Vergrößerung der Verwaltungs- und Personalstrukturen mit sich ziehen", meint der Vizerektor. "Wie soll denn eine Hochschule, die bisher rund 1.500 Studierende in Erstausbildung betreut hat, die rund 3.500 bis 4.000 Lehramtsstudierenden der Universität Graz übernehmen, ohne ihren Apparat weiter zu vergrößern?", so Polaschek. Doppelte Konstrukte würden zudem "enorme Verzögerungen bei der Entwicklung von Curricula" bedeuten, "weil die Entwürfe zwei Senate durchlaufen müssen", so Polaschek.
PH: "Weg noch nicht entschieden"
Die PH in der Steiermark gibt sich allerdings noch zurückhaltend: "Wir haben mit der Universität Graz eine sehr erfreuliche und sehr dichte Zusammenarbeit mit sehr positiven Erfahrungen und schätzen diese Kooperation sehr", so Herbert Harb, Rektor der PH Steiermark. Der künftige Weg sei "noch nicht entschieden", so der PH-Rektor, der auf die kommende steirische Hochschulrat-Sitzung Mitte September verwies.
Zusammenarbeit bereits jetzt
Seit Herbst 2007 besuchen Studierende der Universität Graz als auch der PH Steiermark, die Physiklehrer werden wollen, im Rahmen des "gemeinsamen Hörsaals" Lehrveranstaltungen wechselweise an beiden Institutionen. Teilweise wurden die Lehrveranstaltungen überhaupt gemeinsam neu konzipiert. Dabei haben die mittlerweile ebenfalls gemeinsam eingerichteten "Regionalen Fachdidaktikzentren" wichtige Impulse geliefert. Die Kooperation wird im Herbst auf die Fächer Biologie, Geografie und Wirtschaftskunde, Geschichte sowie Religion ausgedehnt. (APA)