Oberstufenreform

Auch Hochbegabte brauchen Lerncoaches

21. Juli 2011, 14:18

Wie für schwache Schüler müsse es auch für Hochbegabte unbedingt Lerncoaches - Klassen überspringen allein ist für Begabte zu wenig, sagt eine Expertin

Wien - Dass im Rahmen der Modularen Oberstufe Hochbegabte ganze Semester vorziehen können, wird bei "Mensa Österreich", einem Verein für "hochintelligente Menschen", positiv aufgenommen. Das Überspringen allein sei aber zu wenig, betont die im Verein für Intelligenzforschung Verantwortliche, Renate Birgmayer. Wie für schwache Schüler müsse es auch für Hochbegabte unbedingt Lerncoaches geben, denn gerade diese würden oft auch an Teilleistungsschwächen wie Legasthenie leiden. Gleichzeitig kritisiert sie den Plan der Regierung, dass prinzipiell jeder Lehrer als Lerncoach eingesetzt werden kann. "Einen Lehrer einfach herzunehmen und zum Lerncoach zu erklären, bringt sehr wenig - für welchen Schüler auch immer", warnt sie.

Mehr Qualifikation für Lerncoaches

"Lerncoaches brauchen eine ordentliche Ausbildung, wo systematisches Denken und Kommunikation den Schwerpunkt bilden", betont Birgmayer, die selbst als Lehrerin arbeitet und das auf Lernen und Fortbildung spezialisierte Institut "Thinkpäd" leitet, wo sie auch Lernbegleiter ausbildet. In den Erläuterungen zum Gesetzesentwurf, dessen verlängerte Begutachtungsfrist noch bis 6. September läuft, heißt es hingegen zur Qualifikation von Lerncoaches: "Es kommen für diese Funktion grundsätzlich alle Lehrer der Schule in Betracht, wenngleich die Fachkunde, eine spezielle Weiterbildung in der Didaktik der Lernbegleitung und ein hohes Maß an pädagogischer Kompetenz im Umgang mit lernschwachen Schülern von besonderer Bedeutung sind."

"Nur besserer Nachhilfelehrer"

Lerncoaches sollen laut Gesetzesentwurf vom Schulleiter "mit der individuellen Begleitung und Unterstützung des Lernprozesses von Schülern" betraut werden. Aufgabe der Lerncoaches ist es unter anderem, die Schüler zu motivieren und ihnen Selbstorganisation und Lernstrategien beizubringen. Ob sie auch Hochbegabte beraten werden, ist laut Unterrichtsministerium noch "abhängig von den finanziellen Möglichkeiten". "Wenn Lerncoaches nur für schwache Schüler kommen, geht das wieder am Ziel vorbei. Sie sind dann nur eine Art besserer Nachhilfelehrer", betont hingegen Birgmayer.

"Irgendwann kracht´s" für Hochbegabte

Denn gerade bei Hochbegabten sei die Lerntechnik ein "heikler Punkt", bei dem sie Unterstützung benötigen würden. Sie würden sich sehr leicht tun und seien somit nicht zu einer Arbeitshaltung gezwungen. "Manche entwickeln auch eine Konzentrationsschwäche, weil nichts für sie Neues vorkommt." Die Folge: Sie erkennen nicht, was und wie sie lernen müssen. Da viele Hochbegabte außerdem im Unterricht nicht aufpassen, entwickeln sie zudem eigene Systeme, etwa für Rechenwege. "Damit kommen sie irgendwie durch, aber irgendwann kracht's."

Dieses Problem der Koppelung von Hochbegabung und Teilleistungsschwächen bzw. dem Fehlen von Lerntechnik werde allerdings noch viel zu wenig erkannt, so Birgmayer. "Es kommt zu vielen Fehlzuschreibungen, etwa indem den Kindern mangelnder Wille vorgeworfen wird." Es herrsche der Irrglaube vor, dass hochbegabte Schüler aufgrund ihrer Intelligenz hervorragende Noten haben, und zwar in allen Fächern. "Da passiert noch immer sehr viel Ungerechtigkeit." (APA)

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Posting 1 bis 25 von 59
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jana_einsteinova
00
30.7.2011, 19:45

hochbegabte könnten doch den schwächeren schülern gratis nachhilfe geben, dann wäre das system finanzierbar ;)

96%
02
22.7.2011, 18:27
chancengleichheit

ein lerncoach für lernschwache
ein lerncoach für hochbegabte
und wo bleibt der lerncoach für alle anderen?
finde, die haben auch ein recht auf unterstützung.

Fritz Brause
21
22.7.2011, 10:22

Es wundert mich doch sehr, dass es in dem ganzen Artikel in keiner Weise um soziale Kompetenzen geht, sondern ständig nur um leistungsorientierten Wissenserwerb. Meiner Erfahrung nach ist ja das kognitive Lernen für die Hochbegabten das kleinere Problem, da muß man ihnen eigentlich nur genug Freiraum lassen (Frontalunterricht geht natürlich nicht). Das grössere ist die soziale Ausgrenzung, verschärft durch Klassen überspringen.

Kulkulcán
00
22.7.2011, 14:29
"Es wundert mich doch sehr, dass es in dem ganzen Artikel in keiner Weise um soziale Kompetenzen geht"

Vielleicht lesen Sie auch einfach den falschen Artikel?
Darum gehts einfach jetzt nicht...

Fritz Brause
01
22.7.2011, 15:47

Nun, ich glaube dass man das nicht so trennen kann, vieles was als Lernproblem erscheint hat andere Wurzeln und gerade bei Kindern mit Hochbegabung, die in Regelschulklassen sind, liegen Langeweile, Lernverweigerung und soziale Probleme in der Klasse ganz eng beisammen.

Fritz Brause
21
22.7.2011, 10:47

Wäre im Übrigen mehr an einer inhaltlichen Diskussion interessiert, als an dem kindischen rot/grün gestricherl.

Analyser
64
21.7.2011, 19:48
Hochbegabt?!?

wieder so ein Modewort, das zu energische Eltern ihren Kindern auf die Stirn stempeln. Wie viele dieser vermeidliche Kinder werden das tatsächlich sein, und nicht nur Opfer krankhafter Vorstellungen ihrer Eltern?

Am schlimmsten finde ich ja folgende Aussage: "Sie erkennen nicht, was und wie sie lernen müssen".
1. Wieso müssen diese Kinder mehr lernen als andere 2. Wer bestimmt was sie mehr lernen müssen.

Klassen überspringen? Wozu, damit man früher und länger arbeiten kann?

Man hat nur eine Kindheit im Leben, nehmt ihnen die nicht weg. Wenn die Kleinen etwas interessiert werden sie sich von selbst damit beschäftigen und damit das lernen was zu ihnen passt und nicht verrückte elternträume

Butterkeks3
00
26.7.2011, 08:57
Haha!

"Vermeidliche Kinder!" Sehr gut!

linuxforeverlinux
30
22.7.2011, 08:44

ich bezweifle dass sie kinder haben und dass sie noch weniger ahnung haben von der psychologie eines kindes!
magnus carlsen ist auch ein hochbegabter ( iq soll angeblich zwischen 180 und 190 liegen), bereits die nummer eins in seiner sportart u der hat sich seltsamerweise nie darüer beschwert, dass er eine verlorene kindheit hat.
es ist nämlich so, dass diese hochbegabten kinder eigentlich nie das gefühl haben in ihrer kindheit was verpasst zu haben!
das wird oft nur von leuten dahergefasselt die wissen dass sie nicht diese fähigkeiten besitzen!

D/E
00
22.7.2011, 08:41
Statt des üblichen Wikipedia-Links (Hochbegabung ist ein Fachbegriff, ganz sicher kein "Modewort".)

eine interessante Seite. Es passiert etwas an Österreichs Schulen, bzw. würde passieren, wenn die Kommandozentrale nicht ständig von Hü auf Hott umschalten würde:
http://www.echa-oesterreich.at/news/index.php

alexanderletten
 
00
22.7.2011, 00:10

Ein besondere schulische Begabung dürfte eher dem Lehrer auffallen als den Eltern.
Einem begabten Kind sollte man schon richtige Anreize geben, wobei das Überspringen von Klassen nicht zwingend Vorteile bringen muss, da möglicherweise das Ziel der nächsthöheren Klasse recht flott erreicht wird bzw schon erreicht sein kann und auch das Umfeld nicht stimmig ist(Neid).

RS69
 
01
22.7.2011, 01:20

Warum sollten die Lehrer das grundsätzlich besser erkennen? Das hängt vor Allem von der Qualifikation der Eltern ab.

D/E
01
22.7.2011, 09:18
Wie gesagt gibt es für solche Fälle eine Zusatzausbildung,

die in NÖ flächendeckend vorliegt. Zwar ist für die Diagnostik immer noch der Schulpsychologische Dienst zuständig, der übrigens sehr hilfsbereit ist, aber zumindest gibt es an (fast) jeder Schule eine für die Begabungsförderung ausgebildeten Lehrkraft. (Anders als in Wien, wo man bis vor wenigen Jahren aus ideologischen Gründen immer nur "alle" fördern wollte, also de facto gar keinen.)

Gebildete Eltern sind meines Erachtens häufig etwas zu optimistisch, was die Begabung ihrer Kinder angeht. Bei bildungsfernen Eltern muss man schon froh sein, wenn sie die Förderung nicht behindern.

sdfad sdfaf
00
22.7.2011, 10:11

Die NÖ Lehrer, die ich kenne, die eine Ausbildung für Hochbegabtenförderung haben, haben diese von der Donau Uni (MA) und die Qualität dieser Ausbildung ist nach Aussage der Lehrer so schlecht, dass man gleich darauf verzichten kann. Ich weiß nicht, ob es da noch andere, sinnvollere Bildungswege gibt, ansonsten ist das eine reine Augenauswischerei, die den Kindern nicht hilft.

D/E
00
22.7.2011, 12:56
Das Echa-Diplom kann man nur an der Universität Nijmegen erwerben.

sdfad sdfaf
00
22.7.2011, 13:23

Die ECHA Diploma hatten die Lehrer natürlich tw. auch. Nur waren die angeblich auch nicht besser, daher der Versuch des MA Studiums. Ich kenne da leider nur einige von ECHA organisierten/beeinflusste Veranstaltungen (sowohl als geförderter Schüler als auch später), die haben mich nicht überzeugt.

sdfad sdfaf
00
22.7.2011, 13:23

Die ECHA Diploma hatten die Lehrer natürlich tw. auch. Nur waren die angeblich auch nicht besser, daher der Versuch des MA Studiums. Ich kenne da leider nur einige von ECHA organisierten/beeinflusste Veranstaltungen (sowohl als geförderter Schüler als auch später), die haben mich nicht überzeugt.

alexanderletten
 
00
22.7.2011, 08:46

Nicht grundsätzlich, Herr RS69, sondern eher.
Wenn ein Kind bei Schulantritt lesen, schreiben und/oder rechnen kann, ist dies noch nicht zwingend ein Indikator für eine (Hoch)Begabung.
Bei entsprechender Qualifikation der Eltern ist die Erkennung einer Begabung des Kindes natürlich leichter.
Das ist selbstredend.

Storyteller
02
21.7.2011, 22:01

Naja, ich denke viele Eltern wünschen sich ein hochbegabtes Kind, weil sie denken dieses Kind wird nie Lernprobleme haben und später die irre Karriere machen. Womöglich wird das Kind sogar als Prestigeobjekt gesehen.

Dabei übersehen diese Eltern, dass man als HB auch oft so sensibel ist, dass man im Leben gar nicht so toll zurecht kommt.

Ich würde meinem Kind wohl eher eine Normalbegabung verbunden mit einem fröhlichen Naturell wünschen.

D/E
03
22.7.2011, 09:22
Erstens haben Hochbegabte oft massive Probleme mit der Schule,

z. B. weil sie nicht bereit sind, Dinge zu lernen, die sie für uninteressant oder unwichtig halten.

Zweitens ist ein ausreichend gefördertes hochbegabtes Kind mindestens so glücklich wie ein normal begabtes.

Die häufigsten Probleme entstehen durch mobbende Mitschüler/innen, unverständige Lehrer/innen (Besonders heikel in der Volksschule) oder Eltern, die mit Ausnahmebegabungen nicht zurande kommen.

Ich kenne einige getestete Hochbegabte, die das Glück hatten "entdeckt" und gefördert zu werden. Das sind sehr ausgeglichene und erfolgreiche Menschen geworden.

Es muss halt schon auch eine Erziehung zu sozialen Kompetenzen geben, sonst werden das pathologische Spinner.

prusiner
00
22.7.2011, 14:00
unverständige Lehrer

sind da noch das kleiner Problem;

es gibt durchaus Lehrer, die drehen regelrecht durch und reagieren nahezu eifersüchtig, wenn sie irgendwie mitbekommen, dass ein Schüler begabter ist und teilweise schon mehr kann als sie selbst ..

alexanderletten
 
00
24.7.2011, 12:19

..und es gibt auch Lehrer die versuchen, dem begabten Kind die Lust an der Schule zu erhalten, was sicherlich auch nicht leicht sein dürfte.

Johann Dau
01
21.7.2011, 21:39
Logisch-abstraktes Denkvermögen

...lässt sich tatsächlich recht objektiv messen, und Hochbegabung meint nichts Anderes. Sehr hohe abstrakte Intelligenz muss aber nicht zwingend hohe emotionale oder praktische Intelligenz bedeuten, und deshalb wäre es durchaus wünschenswert, solche Menschen - gerade im jungen Alter - gezielt zu fördern.

suche prov.freie(!) 3ZiWhg in/um Wien
02
21.7.2011, 20:49
Nur interessiert die Kleinen oft nicht das, was in der Schule gefragt ist ...

... und ohne entsprechende Unterstützung ist der leichteste Weg für Kinder/Jugendliche sehr verlockend: ich habe zB seit der 3. VS de facto keine HÜ mehr gemacht, weil mir diese zu blöd waren (ich kann mich genau an die den "Streik" auslösende HÜ erinnern) und ich dann auch bemerkt habe, dass man auch ohne durchkommt (wenn auch mit schlechteren Noten, da eben die HÜ in der Beurteilung fehlten).
So nett es auch erscheinen mag, dass man quasi anstrengungsfrei durch alle Prüfungen kommt, so belastet das Fehlen von Herausforderungen doch viele (im Berufsleben gibt es das Stichwort "Boreout"). Ich hätte sehr gerne jemanden gehabt, der mich gefordert und gefördert hätte; denn so wären mit hoher Wahrscheinlichkeit auch meine Noten besser gewesen..

RS69
 
01
21.7.2011, 20:37

Schreiben Sie statt "lernen müssen" besser "lernen dürfen".

Wenn schondie Zeit in der Schule verbracht wird, kann man sie auch sinnvoll und nach besten Möglichkeiten nutzen.

Und natürlich darf (sogar mit den Eltern gemeinsam) lernen auch Spass machen.

Es gibt ja auch Eltern, die selbst gern lernen.

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