Golovatov-Affäre

Pilz: "Rechtswidriger Kniefall vor Russland"

21. Juli 2011, 13:49

"Strategie zur Fluchhilfe" im Innenministerium ausgearbeitet - Bei Krisensitzung im Innenministerium "völlig unsinnige Fristen" vereinbart

Wien - Der Sicherheitssprecher der Grünen, Peter Pilz, sieht in der Causa um den russischen Ex-KGB-Offizier Mikhail Golovatov einen "rechtswidrigen Kniefall Österreichs vor Russland, um sich einen diplomatischen Konflikt mit Russland zu ersparen". Das Justizministerium habe sich "eindeutig rechtswidrig verhalten", verwies Pilz am Donnerstag vor Journalisten auf ein Erkenntnis des Obersten Gerichtshofs vom 22. September 1994, wonach bei einem schlüssigen ausländischen Haftbefehl eine strenge Verdachtsprüfung - wie etwa im Fall der Verhängung oder Aufrechterhaltung der U-Haft in einem österreichischen Strafverfahren - nicht vorzunehmen ist.

Bei einer Sitzung am Freitag, den 15. Juli 2011, habe im Büro des Generaldirektors für Öffentliche Sicherheit im Innenministerium eine Krisensitzung mit Beamten vom Justiz- und Außenministerium stattgefunden, bei der eine "Strategie zur Fluchthilfe ausgearbeitet" worden sei. Dabei sei vereinbart worden, den litauischen Behörden eine letzte Frist bis 14.00 desselben Tages zur Begründung des Auslieferungsbegehrens zu setzen und Golovatov nach Ablauf dieser Frist um 14.00 Uhr sofort zu enthaften, fremdenpolizeilich zurückzuweisen und mit dem nächsten Flugzeug nach Russland abzuschieben.

Es seien damit "völlig unsinnige Fristen gesetzt" worden, sagte Pilz. Nach Anforderung der Unterlagen hätten die litauischen Behörden in wenigen Stunden die Unterlagen übersetzen und an Wien senden müssen sowie Wien das Vorliegende geprüft haben müssen. Diese Vorstellung sei "jenseitig", so Pilz. In Anbetracht der Bürokratien in beiden Staaten sei klar gewesen: "Litauen kann das nicht erfüllen".

Pilz ortet "drei eklatante Fehlverhalten der Justiz": Die Ignoranz eines OGH-Erkenntnisses, eine Frist, die als Fluchthilfe zu werten sei, und keine "materielle Prüfung der Anklageschrift". Seine Informationen habe er von Beamten und vielen Beteiligten aus dem Justiz-, Innen- und Außenministerium erhalten, erklärte Pilz. "Da ist etliches schiefgegangen, wir müssen sehen, ob das beabsichtigt war." Er wolle das Geschehen zuerst parlamentarisch aufklären, und bei Sitzungsbeginn im September vor den außenpolitischen und Justizausschuss bringen. "Wenn hier vorsätzlich Fluchthilfe geleistet worden ist, dann sind Schritte von einer Sachverhaltsdarstellung bis zu Disziplinaranzeigen zu überlegen", sagte Pilz.

Dass Golovatov ein Schengen-Visum von Finnland ausgestellt worden sei - jedoch vor dem Europäischen Haftbefehl vom Oktober 2010 - und dass Golovatov damit noch während des aufrechten Haftbefehls achtmal in EU-Länder eingereist sei, kommentierte Pilz mit den Worten: "In der EU ist etwas völlig schief gelaufen." Auch die litauischen Behörden hätten etwas "falsch gemacht", die Unterlagen zu der Causa hätten dem Haftbefehl in mehreren Sprachen beiliegen sollen. (APA)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 164
1 2 3 4
Standard Leser4
 
00
24.7.2011, 23:19

"In der Eu ist etwas schief gelaufen" aber d ehem. Mitglied der "trotzkistischen Gruppe Revolutionaere Marxisten" Peter Pilz meint Oesterreich haette die Pflicht die Fehler der EU und jene der litauischen Behoerden im Alleingang auszubesseren.
Ist wieder ein Buch vor der Veroeffentlichung, d Promotion benoetigt?

Bekka
 
182
22.7.2011, 10:46
so etwas wie "haltung" zeigen?

jetzt überfordert der pilz uns opportunisten aber gewaltig.

Fritz Wunderlich
02
22.7.2011, 20:52

litauen sollte uns dankbar sein, dass wir sein rückgrat nicht mit einer auslieferung überfordert haben

im Standard sind alle perfekt!!
424
21.7.2011, 20:43

man sollte peter pilz einmal regierungsverantwortung übernehmen lassen, ich bin mir sicher, daß er dann alles richtig machen wird, und daß dann alles gut wird. er mag ja ein intelligenter mensch sein, aber er glaubt auch die wahrheit mit dem löffel gefressen zu haben..

G e o r g
13
23.7.2011, 00:12

Immer wieder erstaunlich, wie jemand, der viel aufdeckt, zum Ziel hoch emotionaler, aggressiver Reaktionen wird. Da wird wohl in den Köpfen vieler die angelernte Autoritätshörigkeit Alarm schlagen und zu solchen Ausbrüchen führen.

im Standard sind alle perfekt!!
10
26.7.2011, 21:02

sprechen sie aus eigener erfahrung?

G e o r g
11
26.7.2011, 22:25

Hast du den Spruch im Kindergarten gelernt? Versuchs doch bitte nochmal.

im Standard sind alle perfekt!!
10
27.7.2011, 08:17

ich wette, daß du ein unbeugsamer bist, ein ganz wilder teufel sozusagen, aber auch nur im stillen kämmerlein, gell? bussi

G e o r g
01
27.7.2011, 19:15

Du hast noch eine Chance für eine ernstzunehmende Antwort. Ich vermute aber, du hast daran kein Interesse.

Der Mann im Fass
 
206
22.7.2011, 09:40
Warum nicht?

Bei der nächsten Nationalratswahl einfach mal Grün wählen und es ausprobieren. Mehr Mist als alle Anderen können die Grünen auch nicht mehr bauen.

badoli from Hell
00
No supa.

Wenn die Grünen wirklich in eine Regierung kommen, dann werden die unangenehmen Männchen schnell von den grünen Kampflespen abgesägt.

donna corleona
32
21.7.2011, 19:00

Gibt es dazu nicht ein recht eindeutiges Statement der EU-Justizkommissarin Viviane Reding?
Diese hat die Rechtskonformität des österreichischen Vorgehens bei der Causa um den russischen Ex-KGB-Offiziers Michail Golowatow klar bestätigt, aber sehr deutlich darauf hingewiesen: "Man dürfe die politische Dimension nicht vergessen".
Also warum gibt es keine Entschuldigung seitens Außen- und Justizministerium? Warum kein diplomatisches Signal vom Bundespräsidenten?

knuuuut
13
22.7.2011, 17:23

na wenn sie eh schon festgestellt haben, dass alles rechtskonform abgelaufen ist, wofür fordern sie dann eine entschuldigung vom außen-u.justizministerium?dafür, dass sie richtig gehandelt haben?

Cuchullain
32
22.7.2011, 11:53
"... Warum kein diplomatisches Signal vom Bundespräsidenten?"

Der sitzt am Kloooohoho!

na_derdingseben
18
21.7.2011, 23:19

Naja .. wenn's juristisch korrekt ist, wofür soll man sich dann entschuldigen?

Dafür das es in Österreich keine politischen Gefangenen gibt?

JohnPaul1
27
21.7.2011, 18:32

Peter Pilz irrt sich diesmal ( "Das Justizministerium habe sich "eindeutig rechtswidrig verhalten"). Es geht in diesem Fall nicht um einen internationalen, sondern um einen europäischen Haftbefehl und er ist für Straftaten, die vor 2004 begangen sind, nicht gültig.

12345 k
21
21.7.2011, 19:12

nach §77 (4) EU-JZG war ein auslieferungsverfahren einzuleiten:

http://derstandard.at/131051176... U-um-Hilfe
(,wissen' - letzter absatz)

Fritz Wunderlich
11
22.7.2011, 09:01

falsch:
Auf Taten, die vor dem Inkrafttreten des EuHb (7. August 2002) begangen wurden, wird stattdessen das österreichische Auslieferungs- und Rechtshilfegesetz angewendet. Dieses sieht vor, dass das Auslieferungsansuchen eines Landes erst geprüft werden muss. Auf die Auslieferungshaft werden die Bestimmungen der österreichischen Strafprozessordnung angewandt. Ein Beschuldigter kann, muss aber nicht bis zu 48 Stunden festgehalten werden.

12345 k
01
22.7.2011, 10:01

§77 (4) EU JZG besagt genau das was sie beschrieben haben.
und nach max 48 stunden kann, vorausgesetzt der beschuldigter wird in ein gerichtliches gefangenenhaus überstellt die haft nach den bestimmungen des STPO fortgesetzt werden.

Fritz Wunderlich
00
22.7.2011, 14:29

sorry

Fritz Wunderlich
14
21.7.2011, 19:08

detailwissen, damit können sie ihn jetzt wirklich nicht belästigen

unschuldsvermutungsrettungsschirm
11
21.7.2011, 19:00

Ach so? Wo steht das?

Felix2892
183
21.7.2011, 18:30
hier wären wieder mal rücktritte erforderlich

aber das passiert in der österreichischen politik ja eh NIE -.-

Pauli Feuerstein
11
22.7.2011, 21:58
ja, stimmt,

pilz soll sich endlich schleichen und eine anderes land vernadern!

möglicherweise ulrich
74
21.7.2011, 18:30
Keine Sekunde...

...zweifle ich daran, dass Pilz recht hat. Es wäre nicht das erste Mal. Ausländische Verdächtige wurden schon unter Polizeischutz zum Flughafen gebracht (Kurdenmorde 1989). Dafür empfängt der Verteidigungsminister dort den eigenen Mörder per Handschlag...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 164
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.