Restbestand von Helene von Taussig geht an Familie
Salzburg - Jahrzehntelang lagerte der Restbestand des Schaffens von
Helene von Taussig unbeachtet im Keller des Salzburger Künstlerhauses.
Vor etwa 20 Jahren übergab Wilhelm Kaufmann die 19 Ölgemälde dem
Salzburger Museum. Nun werden die Kunstwerke an die Verwandten der
Malerin übergeben. Zuvor können zwei Wochen lang alle Gemälde noch
einmal im Panorama Museum besichtigt werden.
Die gebürtige Wienerin Helene von Taussig wurde 1940 aus Salzburg
vertrieben und 1942 im Konzentrationslager Izbica ermordet. Ein Teil
ihrer Kunstwerke kam, vermutlich als man sie aus Salzburg vertrieb, ins
Salzburger Künstlerhaus. Seit die Gemälde im Besitz des Salzburg Museums
sind, wurden sie restauriert und ausstellungsfähig gemacht. Frühere
Kontakte des Museums zu den erbberechtigten Nachkommen blieben
ergebnislos. Erst die Großnichte der Künstlerin zeigte Interesse an den
Gemälden der Großtante und leitete ein Restitutionsverfahren ein, dem
zugestimmt wurde. Die Verwandten von Taussig leben mittlerweile weltweit
verstreut. Die Erbberechtigung ist rechtlich aber eindeutig.
Es wurde ein Testament der Künstlerin gefunden, in dem sie ihren
gesamten Besitz an ihre beiden Nichten, die bereits verstorben sind,
vermacht. Die Erbberechtigten müssen sich nun nach bundesgesetzlichen
Vorschriften einigen, wer die Gemälde übernimmt. Etwa 70 Verwandte aus
der ganzen Welt werden einander am Samstag in Salzburg treffen und die
Ausstellung der 19 Bilder im Panorama Museum besuchen.
Aktive Provenienzforschung
Der Restitutionsfall Helene von Taussig soll aber nicht der einzige des
Salzburg Museums bleiben. In den nächsten zwei Jahren soll aktive
Provenienzforschung betrieben werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden
zahlreiche arisierte Kunstwerke an die rechtmäßigen Eigentümer
zurückgegeben. Allerdings war nicht der gesamte Bestand auffindbar.
Bisher wurden Bilder nur im Zuge eines Restitutionsantrags
zurückgegeben, nun durchforstet das Salzburg Museum selbst die Bestände
nach bedenklichen Werken. Für das Forschungsprojekt wurde die anerkannte
Expertin Susanne Rolinek engagiert, die sich in den letzten sieben
Jahren mit der Provenienzforschung im Museum der Moderne befasste. (Stefanie Ruep / DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2011)