"Den abgetrennten Finger ins Eiswürfel-Sackerl"

  • Zu Demonstrationszwecken, wie ein abgetrennter Körperteil erst zu versorgen ist, greift Frido Schrott zu einer Arm-Attrappe aus dem Rotkreuz-Fundus.
    derstandard.at/tinsobin

    Zu Demonstrationszwecken, wie ein abgetrennter Körperteil erst zu versorgen ist, greift Frido Schrott zu einer Arm-Attrappe aus dem Rotkreuz-Fundus.

  • "Vor allem, wenn Blut im Spiel ist, immer mit Einweghandschuhen arbeiten!" betont der Rotkreuz-Sanitäter und Lehrbeauftragte. "Ich habe immer ein Paar dabei. Sie passen übrigens gut in die Hülle von einem Kinderüberraschungsei." Zuerst legt Schrott eine keimfreie Auflage auf die Wunde...
    derstandard.at/tinsobin

    "Vor allem, wenn Blut im Spiel ist, immer mit Einweghandschuhen arbeiten!" betont der Rotkreuz-Sanitäter und Lehrbeauftragte. "Ich habe immer ein Paar dabei. Sie passen übrigens gut in die Hülle von einem Kinderüberraschungsei." Zuerst legt Schrott eine keimfreie Auflage auf die Wunde...

  • ... dann fixiert er sie mit einer Mullbinde.
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    ... dann fixiert er sie mit einer Mullbinde.

  • So kann der abgetrennte Körperteil der Rettung mitgegeben werden.
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    So kann der abgetrennte Körperteil der Rettung mitgegeben werden.

Wer wie der Brenner im "Knochenmann" einen Finger im Sackerl mit Eiswürfeln transportiert, verursacht die Zerstörung des Gewebes - Teil 5 mit Gewinnspiel

Wir bleiben bei starker Blutung und gehen zu abgetrennten Körperteilen über. "Kennen Sie den Film 'der Knochenmann?" fragt Frido Schrott, Sanitäter und Lehrbeauftragter im Ausbildungszentrum des Wiener Roten Kreuzes. "Gestern habe ich den Knochenmann wieder einmal gesehen - wie der Brenner mit seinem abgeschnittenen Finger im Plastiksackerl mit Eiswürfeln auf der Südosttangente steht. Die Wirklichkeit schaut anders aus: Einen abgetrennten Finger - und das gilt auch für jeden anderen Körperteil - soll man niemals auf Eis legen! Auch nicht in ein Sackerl mit Eis. Nicht in den Kühlschrank. Und auch nicht in ein Sackerl, das in einem Sackerl mit Eiswürfeln drin ist. Warum nicht? Diese Maßnahmen kühlen den nicht mehr durchbluteten - weil ja abgetrennten - Körperteil viel zu stark. Dadurch kann es zu Erfrierungen kommen, die für das Gewebe ebenso eine Schädigung sind, wie etwa eine Verbrennung."

"Wenn ich in meinen Ersthelfer-Kursen frage: 'Was machen Sie, wenn Sie sich den Finger abgeschnitten haben?', kommt selten aber doch die Antwort: 'Ich transportiere ihn in meinem Mund ins Krankenhaus‘", berichtet Frido Schrott und fährt fort: "Diese Maßnahme ist ein absolutes No Go, da wir Menschen mehr Bakterien im Mund haben, die Infektionen hervorrufen, als Tiere. Da Tiere beinahe immer fressen oder Fell- beziehungsweise Federpflege betreiben, ist ihr Speichel immer im Umfluss und wird ständig erneuert. Bei Menschen ist das anders: Der Speichel fließt meist nicht so üppig und die Bakterien können sich vermehren."

So geht's

"Wenn sich jemand einen Körperteil abgetrennt hat, geht richtige erste Hilfe folgendermaßen: Zuerst versorgen wir die Wunde der betroffenen Person in Form von Fingerdruck und Druckverband. Zu den weiteren Basismaßnahmen zählt auch psychische Erste Hilfe: Sorgen Sie für Ruhe und beruhigen Sie die verletzte Person. Bleiben Sie bei ihr und sprechen Sie mit ihr, damit sie weiß, dass jemand da ist, der sich um sie kümmert. Den abgetrennten Körperteil verbinden wir ebenso wie die Verletzung beziehungsweise den Stumpf keimfrei und geben ihn in einem sauberen Plastiksack der Rettung mit. Ein Bein passt zum Beispiel gut in ein frisches Einkaufssackerl, ein Finger in einen Einweghandschuh. Man kann den abgetrennten Körperteil auch einfach nach der Wundversorgung in eine Alu-Rettungsdecke wickeln. Die sind in allen gängigen Erste Hilfe-Kästen vorhanden und schützen den amputierten Körperteil noch zusätzlich vor zu großer Hitze oder Kälte. Wenn man sich an diese einfachen Maßnahmen hält, besteht durchaus die Möglichkeit, dass der abgetrennte Körperteil wieder angenäht werden kann", schließt der Wiener Rotkreuz-Sanitäter seinen fünften Teil der Mythen der Lebensrettung. (Eva Tinsobin, derStandard.at, 02.08.2011)

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