Gesundheitscamp

Bettnässer-Urlaub ohne Angst und Scham

21. Juli 2011, 13:04

Jugend- und Familiengästehaus Leibnitz lädt Kinder zum Gesundheits-Camp von 13. bis 27. August

Graz - Urlaub für Bettnässer bietet das Jugend- und Familiengästehaus im steirischen Leibnitz in den kommenden Wochen Kindern im Alter von etwa acht bis zwölf Jahren an. Von 13. bis 27. August können Eltern ihren Nachwuchs, der Probleme mit dem Trockenwerden hat, in das Camp schicken, wo sie unter Leidensgenossen ohne Scham offen mit dem Thema umgehen können, hieß es in einer Aussendung der JUFA Gästehäuser am Donnerstag.

Österreichweit dürften Studien zufolge rund 60.000 Kinder regelmäßig in einem nassen Bett aufwachen, obwohl sie schon längst in einem Alter sind, in dem sie den Harndrang unter Kontrolle haben sollten. Aus Scham wird oft nicht über das Thema gesprochen und Eltern hoffen, dass es irgendwann von alleine aufhört. Doch das sei laut JUFA ein Irrglaube, denn nur 15 Prozent der betroffenen Kinder würden pro Jahr von selbst trocken und immerhin ein bis zwei Prozent aller Erwachsenen würden an nächtlichem Einnässen leiden.

Die körperliche und seelische Belastung hindere Familien oft an einem Urlaub im Hotel, da der tägliche Bedarf an frischer Bettwäsche, die Entsorgung von Windeln und Uringeruch im Zimmer unangenehm sei. "Die Bettnässer-Ferien ermöglichen es, Urlaub ohne Angst und Scham zu erleben. Die Kinder lernen in stressfreier Atmosphäre, mit ihrem Problem umzugehen und stärken in der Gruppe ihr Selbstbewusstsein," erklärte JUFA-Vorstand Gerhard Wendl.

Belastungsfreie Umgebung

Die Erfahrung der vergangenen Jahre hätte gezeigt, dass Kinder manchmal in der belastungsfreien Umgebung spontan trocken werden und es dann auch bleiben. Fachlich unterstützt wird das Camp vom Urologen Günter Primus von der Medizinischen Universität Graz. Er steht am Abreisetag auch den Eltern in einem Workshop zur Verfügung und bespricht Befunde mit ihnen.

Bettnässen gelte als eine der häufigsten Störungen im Kindesalter, so der Spezialist. Die 60.000 Kinder, die regelmäßig in einem nassen Bett aufwachen, entsprechen zwei bis drei Kindern pro Volksschulklasse in Österreich. Von Bettnässen spricht man, wenn das Kind im Schlaf an mindestens zwei Nächten pro Monat ungewollt uriniert. Bis zum fünften Geburtstag sei es völlig normal, wenn die Kleinen hin und wieder in einem nassen Bett aufwachen. Danach sollte Rat bei einem Spezialisten gesucht werden, denn im Volksschulalter noch immer nicht trocken zu sein, beeinträchtige das Selbstwertgefühl der Kinder.

Bettnässen gilt als vererbbar. Obwohl viele Eltern selbst als Kinder betroffen waren, wird als Ursache häufig eine psychische Störung oder fehlender Willen vermutet. Doch an Bettnässen habe niemand Schuld, hieß es in der Aussendung der JUFA. Nächtliches Einnässen habe in 80 Prozent der Fälle eine körperliche Ursache, die mit ärztlicher Hilfe meist in den Griff zu bekommen sei. (APA)

Iam Good
10
22.7.2011, 19:30
Juhu!

endlich weiss ich wo ich Urlaub machen kann!

FraKrawa
02
21.7.2011, 23:05
das Hauptproblem dieses Leidens dürfte nicht in der Ursache

liegen, sondern in der Wirkung, die es bei den lieben Anverwandten und sonstigen indirekt Betroffenen auslöst, deren Feedback dann die wahren Probleme verursachen, oder eben nicht

hagane
03
22.7.2011, 08:56

dh es soll nicht behandelt werden und wir arbeiten daran dass es gesellschaftlich akzeptiert wird?
sich jede nach vollzubrunzen ist auch ohne feedback anderer ein problem für die betreffende person.

molekühl
33
21.7.2011, 15:05

Na, wenigstens hat man sich mittlerweile dazu durchgerungen, beim Bettnässen ursächlich von einer organischen (hormonellen) Erkrankung auszugehen.
Der generelle psychosomatische Ansatz mit der "weinenden Blase" ist ja an Hirnrissigkeit kaum zu übertreffen (und war trotzdem jahrzehntelang Stand der Wissenschaft).

hagane
03
21.7.2011, 19:09

zur gänze ausschliessen würde ich psychische faktoren trotzdem nicht, die spielen immer mit, mal mehr und mal weniger.

nik.2008
00
22.7.2011, 19:59

.. ich denke eltern haben eine antenne, ob und was kinder bewegt/belasten könne. vor allem muß man auch unterscheiden ob es plötzlich aus heiterem himmel auftritt oder einfach schon seit der kindheit. bei zweiterem würde ich vor allem bei den körperlichen ursachen anfangen zu forschen - sprich fachärzte. wenn nichts gefunden wird, dann zum kinderpsychologen (soferne in einem vertauensvollen eltern/kindegespräch nicht auf die ursache gestoßen werden kann).

Eduard Ohlmann
20
21.7.2011, 21:57

Eh nicht. Aber in den meisten Fällen ist es einfach ein hormonelles Problem.

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