Cloud

Google+ gegen Microsoft/Facebook: "The Coming Cloud Wars"

21. Juli 2011, 12:18

Google greift Facebook und Microsoft an, die sich nun zusammenschließen

Google+ ist in aller Munde. Das Netzwerk soll die Vorherrschaft von Facebook durchbrechen. Doch für Tim Carmody von wired.com ist es mehr ein Duell zwischen Google+ und Microsoft plus Facebook. 

Er kommt zu dem Schluss, dass Google+ kein reines Netzwerk ist, sondern die Vereinigung der verschiedenen Applikationen von Google. Carmody vergleicht Google+ mit Mac OS X Lion oder Windows 8. Die beiden Betriebssysteme sollen PC und Post-PC Geräte miteinander und mit der Cloud vernetzen.

Während das Apple Betriebssystem den App Store und iCloud implementiert hat, soll Windows 8 von Windows Phone 7 über Office und Xbox bis hin zu Skype die wichtigsten Microsoft Produkte miteinander verbinden.

Eine ID für viele Services

Soziale Netzwerke sind auch nicht mehr nur dazu da mit Freunden in Verbindung zu treten, sondern machen es möglich, mit einer einzigen ID verschiedene Cloud-Services zu nutzen. Um seine These zu untermauern zitiert Carmody Edd Dumbill, der die Funktionen von sozialen Netzwerken zusammenfasst. Die wichtigste ist die Identifikation, d.h. jemanden als Nutzer zu authentifizieren und Informationen über die Person zu speichern. Die Möglichkeit Inhalte zu tauschen, benachrichtigt zu werden, wenn sich bei anderen etwas ändert und die Inhalte kommentieren zu können sind drei weitere wichtige Funktionen. Nicht minder wichtig ist die Möglichkeit direkt miteinander kommunizieren zu können.

Soziale Netzwerke als Internetbackbone

Für Dumbill sind Facebook und Co nicht mehr nur soziale Netzwerke, sondern das soziale Internetbackbone. Im Gegensatz zu Suchmaschinen verbinden die sozialen Backbones nicht nur Menschen mit Dokumenten, sondern auch Menschen mit Menschen. Damit sind sie schon tief in das technologische Ökosystem vorgedrungen. 

Carmody zitiert auch den ehemaligen CEO von Google Eric Schmidt. Wenn dieser über die Errungenschaften von Facebook spricht, vermeidet er das Wort sozial und spricht von Identität. Facebook arbeitet mit den Identitäten seiner vielen Nutzer. So kann man sich mit seinem Facebook Konto bei anderen Seiten anmelden, die Bing Suche personalisieren und seine Facebook Kontakte mit Windows Phone 7 synchronisieren. Auch mit seinem Twitter Konto kann man sich bei verschieden Seiten anmelden und der Kurznachrichtendient ist eng mit Apples iOS verknüpft.

Vertikale Vermarktungskette

Während Facebook und Twitter sich Partner suchen müssen, um in Betriebssysteme integriert werden zu können, kann Google den direkten Weg gehen und Google+ mit Android verknüpfen. Diese vertikale Vermarktungskette ist der große Vorteil von Google. Um dem etwas entgegenzusetzen baut Facebook auf seine Partnerschaft mit Microsoft.
In die erste größere Auseinandersetzung zwischen Google+ und Facebook war auch Microsoft involviert. Während Google+ von Anfang an einen Videochat integriert hatte, musste Facebook nachziehen und startete gemeinsam mit Skype einen Videochat. Skype wurde im Mai von Microsoft gekauft.

Als Mark Zuckerberg den Videochat vorstellte, teilte er mit, dass Facebook mit anderen Firmen, vor allem Microsoft, zusammenarbeiten wird, um Googles vertikaler Integration etwas entgegensetzen zu können.

Facebook + Microsoft

Die Zusammenarbeit von Facebook und Microsoft macht für beide Seiten Sinn. Der Softwarekonzern stellt dem sozialen Netzwerk den Videochat, die Suche und das mobile Betriebssystem zur Verfügung und künftig auch eine mögliche Integration in Windows 8 und die Xbox. Facebook wiederum liefert Microsoft seine Plattform mit den Identitäten und der Möglichkeit sich auszutauschen. Diese kann Microsoft in seine diversen Angebote, wie Spiele oder der Zusammenarbeit bei Dokumenten, einbauen und hat somit sofort eine große Anzahl an Nutzern.

Mit Google+ hat Google nun eine Plattform, um all seine Dienste zentral zu bündeln und kann so der Partnerschaft von Microsoft und Facebook Paroli bieten. Auf der neu integrierten Statuszeile in der Google Suche sind alle wichtigen Applikation von Google präsent. Vincent Wong vergleicht sie deswegen mit den Taskleisten in Windows und Mac OS X.

Virtuelle Geldbörse

Bisher kann man auf Google+ Links, Bilder, Orte und Videos teilen. In Zukunft wird man auch Karten, Dokumente, Nachrichten und Einkauf-Angebote tauschen. Carmody sieht die Integration von Einkaufsmöglichkeiten in Google+ als wichtiges Feature. Wenn es Google schafft ein ähnlich gutes Transaktionsmodell wie Apple oder Amazon zu bieten, könnte Google mit Hilfe von Android eine virtuelle Geldbörse kreieren. 

Carmody interpretiert Google+ also nicht als reines soziales Netzwerk, sondern als die Möglichkeit von Google seine Dienste besser zu bündeln und so eine Art Betriebssystem in der Cloud zu schaffen. Ob er richtig liegt und ob Facebook und Microsoft dagegen halten können, wird sich zeigen. Auch welche Rolle Apple dabei spielt und ob Amazon mit seinem eigenem Tablet mitreden kann, wird man sehen. Auf jeden Fall ist Bewegung in den Kampf um die Post-PC-Ära gekommen und Wettbewerb tut der Entwicklung sicherlich gut. (soc)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 83
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Deserteur
00
28.7.2011, 20:17
...der Kampf um die Vorherrschaft im Post-PC-Zeitalter hat schon LANGE begonnen...

...und ist auch schon längst (vor-)entschieden...
...wenn man sich Mannstärke, Schlachtaufstellung, Waffenarsenal, Strategie und alle sonstigen Ressourcen und Rahmenbedingungen deutlich vor Augen führt...

Nur noch konsequentes politisches Eingreifen durch die diversen globalen Machtzentren könnte dem Kriegsausgang vielleicht noch etwas an Eindeutigkeit nehmen...

Aurelia die Erste
00
22.7.2011, 10:38
Schöne These mit Hinkebein

Ich schätze dass jeder User 5 verschiedene Accounts hat. Ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern, wie viele Wegwerf-Accounts ich im laufe meines Lebens schon gemacht habe.

TheJester
00
22.7.2011, 10:30

post-pc geräte...das muss so sein wie man sich früher das festnetztel von der post geliehen hat...

Spartaner13
11
22.7.2011, 08:23
Microsoft + Facebook = Kotz

Und ich dachte, Microsoft wird jetzt Facebook wie eine heiße Kartoffel fallen lassen und Google+ integrieren ... aber nein, man hält weiterhin am Spanner-Book fest. Minuspunkt für Microsoft.

Deserteur
00
28.7.2011, 20:21

Da haben sie sich eben genauso geirrt, wie zuletzt bei Nokias Absage an Android... ;)

Spartaner13
00
28.7.2011, 20:36

Wieso? Nokia wird noch durchstarten. Dennoch wäre es gut, das kopierprogramm mit ins boot zu holen. ;)

Amoxicillin
00
22.7.2011, 08:04

Meine Familie, Freunde & Bekannte wehren sich noch vehement dagegen sich zu G+ einladen zu lassen.

michikklas
01
23.7.2011, 00:37

Vielleicht ist gar nicht Google+ das Problem?

ToMaKa
02
22.7.2011, 00:17
Ich glaube ja mittlerweile das Google "die Bösen" sind

je mehr Google expandiert und einfach alles über jeden und immer wissen möchte, desto skeptischer werde ich. ich möchte meine daten niemandem anvertrauen aber wenn schon, dann mit sicherheit niemals google.

Deserteur
00
28.7.2011, 20:46
Google ist eben ein Werbeunternehmen, das Daten sammelt, um damit Geld zu verdienen - wie andere auch...

...und dafür Gratisdienste anbieten kann...
Das eine bedingt dabei das andere...
Hätte Google 30 statt 90 Prozent Marktanteil, wäre das alles kein Problem...
Zukünftig gefährlich ist dabei allein Googles Monopol und seine Größe!
Im modernen Wirtschaftsbereich Internet kann freier Wettbewerb jederzeit sehr schnell und lawinenartig in Richtung Monopol kippen...
Genauso, wie Facebook-Parties innerhalb kürzester Zeit zu einem bedrohlichen Massenauflauf anschwellen können...

mro
 
00
22.7.2011, 12:46

wach endlich auf. es ist wirklich naiv zu glauben, dass nur google daten sammelt.

can-of-worms
10
22.7.2011, 10:58

Und was hat Ihnen Google angetan?

Deserteur
00
28.7.2011, 20:59
Die Frage ist eher: Was wird Google in Zukunft alles tun können...!

...wenn man die Kurve aus der Vergangenheit in die Zukunft weiterzieht...

...und der Wirtschafts-Kampf um die Cloud längst entschieden sein wird...

...sozusagen eine "feindliche Übernahme" des gesamten Internets stattgefunden haben wird...

seth morrison
00
22.7.2011, 10:41
so schwarz - weiss kann man das nicht sehen...

...denke ich. das ist heutzutage im netz so, die guten sind auch schlecht und die schlechten manchmal gut. wenn du von den persönlichen daten sprichst, die wirst du sowieso nicht mehr geheim halten können. egal bei wem...
...ausser man verzichtet auf das internet, aber wer will/kann das heute noch.

ToMaKa
00
22.7.2011, 11:26
Richtig, deshalb auch die "" bei "die Bösen" :-)

es geht mir persönlich nicht um das Geheimhalten meiner Daten. Wer sich einen reinen Fake-Account zulegt, wird schwerlich von alten Bekannten, etc. gefunden. Ich meine nur, dass Google mittlerweile über eine Macht im Internet verfügt die auf Dauer für uns User nicht gesund sein kann.
Aber meines Wissens nach, wird derzeit eh an einem Kartellverfahren gegen Google gearbeitet... Die Hoffnung stirbt zuletzt :-)

seth morrison
01
22.7.2011, 11:49

Ja, Google ist sicher eine Macht im Internet mittlerweile. Die einzige Lösung die mir einfallen würde wäre Open Source, aber mit den Ressourcen die Google zu verfügung hat kann keiner konkurieren...oder es würde Jahre dauern das ganze in Open Source nachzubauen.

Mir kommt es vor wie eine Zwickmühle in der sich die Digitale Gesellschaft momentan befindet. Entweder man unterwirft sich den grossen Firmen für den bestmöglichen fortschritt oder verzichtet auf das technisch mögliche um keine grossen alles kontrollierende Firmen wie Google/Microsoft/Facebook ect. entstehen zu lassen.

Könnt jetzt gar nicht sagen was mir lieber wäre...

Deserteur
00
28.7.2011, 21:10
Durch eine gesunde Konkurrenz von mehreren...

- zur Kooperation gezwungenen - Big Playern mit maximal 20-30 Prozent Marktanteil wäre der technische Fortschritt aber viel eher als durch einen Monopolisten gewährleistet!

TheJester
00
22.7.2011, 10:40

ich bins langsam leid, dass immer von den "bösen" gesprochen wird. facebook und google stellen beide dienste zu verfügung, dass das was gratis ist, dennoch etwas kosten muss sollte eigentlich einleuchten, und dass man diesen preis mit seinen daten bezahlt, ist der zwangsläufig zu ziehende schluss daraus. ein jeder hat die möglichkeit sich dafür oder dagegen zu entscheiden. ich hab nie einen fb account gehabt, weil mir das den preis nicht wert war. ich spiel grad bissl mit g+ herum, und werd wohl auch dort nicht alt werden, aber zwei fragen sollte man sich schon stellen: würde ein anonymes social network sinn machen? und wenn nein, ist es mir meine daten wert es zu nutzen. und wenn man sich das überlegt, dann muss man niemand als böse werten

ToMaKa
00
22.7.2011, 11:29
Deshalb habe ich auch die "" bei "die Bösen" angeführt

ein anonymes Netzwerk würde absolut keinen Sinn machen, da stimme ich Ihnen zu!
Ich gebe auch ohne Bedenken meine wahre Identität auf Social Networks preis, schließlich will ich ja auch gefunden werden.
Ein "alles-aus-einer-Hand" Service hat sich meiner Meinung nach noch nie als großer Vorteil für den Endkunden erwiesen. Ich ziehe eine Trennung meiner Aktivitäten vor um keinem Unternehmen gänzlich ausgeliefert zu sein. Außerdem: Sollte bei Google mal die Kasse nicht mehr stimmen, wird es genau das tun, was FB vorgeworfen wird: Es wird die Nutzerdaten zu Geld machen!

Spartaner13
00
22.7.2011, 08:26

Sehe ich auch so. Wobei Google damals noch lieb war, wie sie eine kleine und einfach gute Suchmaschine waren. Heute sind die ein Daten-Magnet. Ebenso Facebook. Information ist Macht und man kann Informationen auch sehr gut verkaufen. Bei diesen Sozial-Networks hab ich ein ganz schlechtes Gefühl - auch bei dieser supertollen Cloud ... natürlich hab ich jetzt nix zu verheimlichen, aber Privatsphäre ist schon extrem wichtig.

amber103
00
22.7.2011, 06:41

M$ & Co sammeln aber ebenso recht fleißig Daten, nur gehen sie nicht so offen damit um. Dafür haben Firmen wie Facebook("Deine Daten gehören uns!") keinerlei Skrupel wenn sie mit einer Datenschutzverletzung etwas verdienen können, dies sofort in Cash umzusetzen.

Das Geschäftsprinzip von Google basiert hingegen auf dem Datenschutz des Einzelnen. Will eine Firma einen Zugang zu pt. Kunden, schaltet Google seine Werbung genau bei diesen Kunden, ohne dem Unternehmen zu sagen, wer die Werbung geschaltet bekommt. Die Werbenden brauchen so immer wieder Google, um ihre Interessenten zielgerichtet zu finden.

ToMaKa
00
22.7.2011, 11:34
Ja und Nein

Google schwimmt im Geld, die haben es derzeit nicht nötig die Daten ihrer User zu verkaufen. Aber was passiert wenn die Kasse mal leer ist? Und kein Unternehmen ist für die Ewigkeit geschaffen! Dann werden die Daten der User gnadenlos verscheppert. Das ist ganz normal.
Ad Datenschutz in FB: Ich bin dort mit meinem echten Namen registriert, habe mir aber eigens für den Account eine Mailadresse zugelegt. Ich kann Ihnen versichern, dass ich noch nie, kein einziges Mal eine Spammail auf diesen Mailaccount erhalten habe. So schlimm wie alle tun, ist FB auch nicht. Und mit den Listen lässt es sich meiner Meinung nach sehr gut filtern, wer was lesen darf und wer nicht.

Andersen
00
21.7.2011, 23:53

Mmmh der gefühlte 487. Artikel über Google+.
http://www.youtube.com/watch?v=1UtUaBJXjTI

Papa Radzy
00
21.7.2011, 22:43

Es ziehen Wolken auf, auf dem Cloud Markt. Wer hätte damit gerechnet.

derunbestechliche
00
21.7.2011, 20:43

Kaum zu glauben, aber Google+ liegt bei knapp 18 Millionen Mitglieder und wird voraussichtlich in dieser Woche die 20 Mio. Marke überschreiten.
http://goo.gl/dGqNY [stern.de]

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