Umweltverträglichkeit

Kohlenstoffnanoröhren als potente Wasserfilter

21. Juli 2011, 11:40
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    foto: universität wie

    Kohlenstoffnanoröhren unter dem Elektronenmikroskop. Ihre wasserreinigenden Eigenschaften haben nun Wiener WissenschafterInnen untersucht.

Wiener Forscher untersuchten das Verhalten der Nanoröhren in der Umwelt und ihre Wechselwirkungen mit Schadstoffen

Die Nanotechnologie hat in den vergangenen Jahren neue Werkstoffe mit einer Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten hervorgebracht. Zu diesen "Wundermaterialien" zählen auch Kohlenstoffnanoröhren, also zylindrische Werkstoffe aus Kohlenstoff mit einem Durchmesser von wenigen Nanometern. Diese Nanoröhren besitzen außergewöhnliche elektronische, mechanische und chemische Eigenschaften. WissenschafterInnen der Universität Wien haben sich diese Eigenschaften zunutze gemacht, um kontaminiertes Wasser zu reinigen. Inwiefern die Kohlenstoffnanoröhren selbst umweltschädlich sein könnten, haben sich die Forscher ebenso angesehen.

Neben vielen anderen Anwendungsmöglichkeiten können Nanoröhren zur Reinigung von Schmutzwasser eingesetzt werden. Viele wasserverunreinigende Stoffe haben eine hohe Affinität für Kohlenstoffnanoröhren. Deshalb können Schadstoffe aus kontaminiertem Wasser entfernt werden, indem sie durch dieses Material gefiltert werden, wie beispielsweise wasserlösliche Medikamente, die mit Aktivkohle kaum von Wasser getrennt werden können.

Da Nanoröhren eine sehr große Oberfläche (ca. 500 m2 pro Gramm) aufweisen und dadurch hohe Mengen an Schadstoffen fixieren, kommt es zu keiner schnellen Filtersättigung. "Wartungsarbeiten und Abfälle im Zusammenhang mit der Reinigung von kontaminierten Gewässern könnten so minimiert werden", zeigt sich Thilo Hofmann, Vizedekan der Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie der Universität Wien, optimistisch.

Prüfung auf Umweltverträglichkeit

In den vergangenen zehn Jahren wurde bereits viel zum Thema Kohlenstoffnanoröhren geforscht; die Untersuchungen gestalten sich jedoch aufgrund der besonderen Eigenschaften der Nanoröhren als schwierig und Standardmethoden liefern nur begrenzt Ergebnisse. So ist das Verhalten von Kohlenstoffnanoröhren in der Umwelt noch weitgehend unerforscht. "Innovative Technologien sind jedoch immer mit Vor- und Nachteilen für Mensch und Umwelt behaftet. Daher sind - bevor diese Filter zum Einsatz kommen - ein gutes Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Schadstoffen und Kohlenstoffnanoröhren sowie das Wissen um ihr Verhalten unter natürlichen Bedingungen essentiell", erklärt Mélanie Kah, die zusammen mit Xiaoran Zhang das Forschungsprojekt bearbeitet.

Ein Team des Departments für Umweltgeowissenschaften der Universität Wien erforscht derzeit die Umweltverträglichkeit von Nanoröhren mit einer neu entwickelten Methode, mit der auch sehr niedrige Schadstoffkonzentrationen, wie sie in der Umwelt vorkommen, analysiert werden können. Mit den bisherigen, klassischen Verfahren konnte das Verhalten der Schadstoffe nur bei höheren Konzentrationen untersucht werden.

Die für die Publikation im Fachmagazin Environmental Science & Technology notwendigen Experimente dauerten über ein Jahr. Die WissenschafterInnen entwickelten zunächst eine passive Probenahme-Methode, die es erlaubt, die Affinität von krebserregenden Schadstoffen - nämlich von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAKs) - für Kohlenstoffnanoröhren zu bestimmen. "Das Verfahren entwickelten wir unter Verwendung von analytischer Chemie und Elektronenmikroskopie gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Utrecht in den Niederlanden", erklärt Thilo Hofmann. Auf Basis dieser Methode untersuchten die NanowissenschafterInnen die Absorptions- und Adsorptionseigenschaften von mehreren Schadstoffen (PAKs) für die Kohlenstoffnanoröhrchen.

Schadstoff-Konkurrenten

Ein weiterer Aspekt der untersucht wurde, ist das Phänomen der Konkurrenz unter Schadstoffen. In der Umwelt - insbesondere in kontaminierten Gewässern - liegt eine Vielzahl von unterschiedlichen Chemikalien vor. Bei einem Schadstoffgemisch konkurrieren die einzelnen Komponenten um die Adsorptionsplätze an den Kohlenstoffnanoröhren. Für die Verwendung der Nanoröhren als Filtermaterialien ist dieser "Konkurrenzkampf" jedoch von Nachteil, da die Wirksamkeit des Filters nach der Menge und der Art der Verunreinigung variieren würde. Durch das Erforschen der Konkurrenzverhältnisse unter Schadstoffen um Adsorptionsplätze könnten dann auch Fragen bezüglich des Sorptionsmechanismus beantwortet werden.

Unter Verwendung der klassischen Methoden mit relativ hohen Schadstoffkonzentrationen konnte nachgewiesen werden, dass die Konkurrenz unter drei PAKs um die Adsorptionsplätze sehr stark ist. Im Gegensatz dazu zeigten die neuen Experimente mit dem passiven Probenahme-Verfahren bei Schadstoffkonzentrationen von 13 PAKs, die in der Umwelt wahrscheinlich sind, dass keine Konkurrenz auftritt. Dieses Beispiel unterstreicht die Bedeutung der Entwicklung und Verwendung von experimentellen Methoden, die Ergebnisse für umweltrelevante Fragestellungen liefern können. Allerdings sind noch einige offene Fragen zu beantworten, bevor Kohlenstoffnanoröhren zur Wasserreinigung eingesetzt werden können. "Wir arbeiten an diesem Thema und werden bald weitere Ergebnisse auf internationalen Konferenzen vorstellen können", so Umweltgeowissenschafter Hofmann. (red)

Das Wort
00
24.7.2011, 16:59
Bals wird man in Wien das Wasser aus solchen Nanoröhrchen zapfen, weil es so teuer ist.

Was wir uns gefallen lassen ohne Arschtritte zu verteilen ist einmalig.

Soziale Teuerung für Prasserei und Verschwendung in der Verwaltung.

Römische Kaiser gingen daran zugrunde.

Häupl säuft sich Wien schön - aus Krügen!

orpheus1
01
22.7.2011, 18:25
Adsorptionskapazitaeten im Vergleich zu Standardverfahren fehlen?

In der Industrie standardmaessig eingesetzte Aktivkohlen haben Oberflaechen von bis zu 1100 m2 pro Gramm, ohne einen Vergleich der Adsorptionskapazitaeten ist der Artikel nicht aussagekraeftig.
Kohlenstoffnanoroehren sind interessant, nur duerften sie wesentlich teurer als die sehr preiswerten Aktivkohlen sein. Ein Einsatz in der Wasserreinigung erscheint daher wenig konkurrenzfaehig gegen die seit langem erfolgreich eingesetzten Adsorbentien. Interessante Eigenschaften der Nanoroehren sind Zugfestigkeit und elektrische Leitfaehigkeit, es erscheint wenig subtil Nanoroehren fuer eine grosstechnische Anwendung wie Wasseraufbereitung einzusetzen. Ein sehr scheones Verfahren in dem auch PAKs entfernt werden ist die UV-Wasseraufbereitung.

Franz Josef Lolinger
00
21.7.2011, 19:56

Ich dachte Kohlenstoff-Nanoröhrchen sind Krebsanregend! - Auf jeden Fall sind sie aber sehr interessant - wir werden noch von ihnen hören...

Cogito Ergo Dumm
00
21.7.2011, 17:54
Wenn das funktioniert, wäre es eine ausgezeichnete Lösung um

möglicherweise ohne viel Energieeinsatz die Wasseraufbereitung in Entwicklungsländern durchzuführen. Dafür sind aber noch einige Kenngrößen notwendig, die im Artikel nicht genannt werden, wie zum Beispiel maximale Durchflussgeschwindigkeit, minimale Kontaktzeit, Reibungsverluste etc.

Aber ein spannendes Kapitel!

Name d. Redaktion bekannt
01
21.7.2011, 19:53
Hierzu ein klares: Jein

Für Menschen des Südens sind Filtersysteme selten ideal, da diese entweder Wartung oder kompletten Austausch benötigen.
Filter sind irgendwann voll und was tun damit?

Sollten diese Filter jedoch > 1 Jahr lang halten ohne sie austauschen zu müssen, wird das sehr interessant.

Aber wie die Geschichte gezeigt hat, wird sich ein internationaler Konzern das Patent um eine niedrige sechstellige Summe schnappen und nichts ist mit Einsatz in Afrika/Asien.

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